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Regionalvergleich 2026

Biberach springt im Innovationsindex auf Platz 7 – Böblingen bleibt vorn

Biberach steigt im Innovationsindex Baden-Württemberg von Rang 11 auf Rang 7 und erreicht erstmals die Spitzengruppe. Böblingen bleibt mit 71 Punkten klar vorn. Der Vergleich zeigt regionale Forschungsstärken, misst aber weder aktuelle Umsätze noch künftige Jobs.

Luftbild des Flugfelds zwischen Böblingen und Sindelfingen als Symbol für den Innovationsstandort
Luftbild des Flugfelds zwischen Böblingen und Sindelfingen. Archivbild.
Foto: Wiki-observer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Der Landkreis Biberach gehört 2026 erstmals zur Spitzengruppe der innovationsstärksten Kreise Baden-Württembergs. Sein Indexwert steigt von 40,5 Punkten im Vergleich von 2024 auf nun 46 Punkte. Damit verbessert sich Biberach nach den amtlichen Ranglisten vom elften auf den siebten Platz.

An der Spitze ändert sich dagegen nichts: Böblingen erreicht erneut 71 Punkte. Der Landkreis führt vor Stuttgart, Heidelberg, dem Bodenseekreis, dem Rhein-Neckar-Kreis und Ludwigsburg. Der neue Vergleich zeigt damit zwei Bewegungen zugleich – eine stabile Hochtechnologieachse im Großraum Stuttgart und einen deutlichen Aufstieg Oberschwabens.

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Biberachs Aufstieg hat zwei konkrete Treiber

Das Statistische Landesamt hebt für Biberach vor allem den hohen Anteil industrieller Hochtechnologie hervor. Bei diesem Indikator liegt der Landkreis landesweit auf Rang zwei. Zugleich wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die personellen Kapazitäten in diesem Bereich in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.

Der Sprung ist im Zeitvergleich sichtbar: 2024 lag Biberach mit 40,5 Punkten noch auf Rang elf. 2026 erreicht der Kreis 46 Punkte und liegt damit knapp vor dem Stadtkreis Karlsruhe, der nun Rang acht belegt. Aus dem Mittelfeld wird damit ein Kreis der Spitzengruppe. Der Wert sagt allerdings nicht, welches einzelne Unternehmen oder Projekt den Ausschlag gegeben hat; die Pressemitteilung weist keine firmenscharfen Beiträge aus.

Böblingen bündelt Forschung, Personal und Patente

Böblingens Spitzenposition beruht laut Landesamt auf mehreren gleichzeitig starken Faktoren. Der Kreis liegt bei der Forschungs- und Entwicklungspersonalkapazität sowie bei der Patentdichte auf Rang eins, bei den FuE-Investitionen auf Rang zwei und beim Anteil der Beschäftigten in industriellen Hochtechnologiebranchen auf Rang sieben.

Diese Kombination ist entscheidend. Der Index misst nicht nur, wie viel Geld in Forschung fließt. Er bündelt verschiedene Voraussetzungen und Ergebnisse von Innovation: Ausgaben und Personal für Forschung und Entwicklung, Beschäftigung in Hochtechnologie und wissensintensiven Dienstleistungen, Gründungen in Hochtechnologiebranchen sowie Patentanmeldungen.

Ein hoher Wert beschreibt deshalb ein starkes Innovationspotenzial. Er ist weder eine Umsatzrangliste noch eine Prognose für Wachstum oder Beschäftigung. Auch ein patentstarker Kreis kann gleichzeitig unter konjunkturellem Druck stehen.

13 Kreise liegen über dem Landesdurchschnitt

Der aktuelle Landesdurchschnitt liegt bei rund 38 Punkten. Oberhalb dieses Werts nennt das Statistische Landesamt insgesamt 13 Kreise: Böblingen, Stuttgart, Heidelberg, den Bodenseekreis, den Rhein-Neckar-Kreis, Ludwigsburg, Biberach, Karlsruhe, Tübingen, den Ostalbkreis, Freiburg, Ulm und Heilbronn.

Diese Liste zeigt, dass Innovationspotenzial nicht ausschließlich im Raum Stuttgart konzentriert ist. Hochschulstandorte wie Heidelberg, Tübingen, Freiburg und Ulm treffen auf industrielle Zentren wie Böblingen, Biberach, den Bodenseekreis und den Ostalbkreis. Die jeweilige Stärke kann jedoch aus unterschiedlichen Quellen kommen – etwa aus Forschungspersonal, industrieller Hochtechnologie oder Patenten.

Die Region Stuttgart bleibt vorn – Spillover fehlen im Ranking

Im Vergleich der zwölf Regionen liegt die Region Stuttgart weiterhin an erster Stelle. Mit dem Stadtkreis Stuttgart sowie den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg befinden sich dort drei Kreise der Spitzengruppe. Es folgen die Regionen Rhein-Neckar und Mittlerer Oberrhein.

Die amtliche Methodik weist zugleich auf eine wichtige Grenze hin: Forschung, Fachkräfte und Wissen wirken über Kreisgrenzen hinweg. Ein Entwicklungszentrum in einem Kreis kann Zulieferer, Hochschulen oder Beschäftigte in Nachbarkreisen stärken. Solche Spillover-Effekte lassen sich im Index nicht vollständig erfassen.

Auch die Verdichtung mehrerer Indikatoren zu einer einzigen Punktzahl kostet Details. Auswahl und Gewichtung der Einzelgrößen beeinflussen das Ergebnis. Das Landesamt beschreibt den Index deshalb als Vergleichsinstrument, nicht als vollständiges Urteil über die Wettbewerbsfähigkeit eines Kreises.

Innovationspotenzial und Gründungsdynamik sind nicht dasselbe

Für die wirtschaftspolitische Einordnung ist diese Trennung wichtig. Ein Kreis kann über große Forschungsabteilungen, viele Patente und einen hohen Anteil an Hochtechnologiebeschäftigten verfügen, ohne zugleich besonders viele neue Unternehmen hervorzubringen. Umgekehrt können junge Gründungsstandorte wachsen, obwohl ihr Bestand an industrieller Forschung noch kleiner ist.

Eine frühere insideBW-Auswertung zur Hightech-Gründungsdynamik zeigte landesweit steigende Gründungszahlen bei gleichzeitig nachlassender Dynamik in einzelnen technologieintensiven Bereichen. Das widerspricht dem aktuellen Regionalindex nicht: Beide Statistiken messen unterschiedliche Teile des Innovationsgeschehens.

Für Biberach ist der Aufstieg damit ein belastbares Standortsignal, aber kein Blankoscheck. Entscheidend bleibt, ob zusätzliche Forschungskapazitäten in neue Produkte, Investitionen und dauerhafte Beschäftigung übergehen. Der Index misst das Potenzial dafür – nicht den späteren wirtschaftlichen Erfolg. Mehr lässt sich aus der verdichteten Kennzahl allein nicht belastbar ableiten.

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Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Innovationsindex 2026, 05.11.2026: https://www.statistik-bw.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/innovationsindex-2026-fuer-die-kreise-und-regionen-in-baden-wuerttemberg/
Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Innovationsindex 2024, 13.11.2024: https://www.statistik-bw.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/innovationsindex-2024-fuer-die-kreise-und-regionen-in-baden-wuerttemberg-boeblingen-belegt-den-spitzenplatz/
Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, methodische Erläuterungen: https://www.statistik-bw.de/volkswirtschaft-und-branchen/gesamtwirtschaft-und-konjunktur/forschung-und-entwicklung/methodische-erlaeuterungen-zum-innovationsindex-2024-fuer-die-kreise-und-regionen-in-baden-wuerttemberg/

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