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Artenschutz trifft Winterevent

Christmas Garden übernimmt Patenschaft für 17 Brillenpinguine

Der Christmas Garden Stuttgart übernimmt die Patenschaft für alle 17 Brillenpinguine der Wilhelma. Hinter der symbolischen Urkunde steht eine Art, deren Bestand in freier Wildbahn dramatisch eingebrochen ist – und ein Winterevent, das am 18. November beginnt.

Brillenpinguine stehen auf Felsen in der Wilhelma Stuttgart
Die Brillenpinguin-Gruppe der Wilhelma hat mit C² Concerts einen neuen Paten.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Ein Winterevent bindet sich an die Pinguingruppe

Wenn der Christmas Garden ab dem 18. November die Wilhelma beleuchtet, ist die Verbindung zum Zoologisch-Botanischen Garten diesmal nicht nur auf den abendlichen Rundweg begrenzt. Der Veranstalter C² Concerts hat die Patenschaft für die gesamte Brillenpinguin-Gruppe übernommen. Nach Angaben der Wilhelma leben aktuell 17 Tiere in Stuttgart.

Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin übergab die Patenschaftsurkunde an C²-Concerts-Geschäftsführerin Melanie Becker. Die Wahl passt sichtbar zum Veranstaltungsgelände, hat aber einen ernsten Hintergrund: Brillenpinguine gehören zu den am stärksten bedrohten Pinguinarten. Der neue Pate verknüpft damit ein kommerzielles Winterformat mit einem Tierbestand, den viele Besucher gleich am Anfang oder Ende ihres Wilhelma-Rundgangs sehen.

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Was aus der Mitteilung nicht hervorgeht, ist ebenso wichtig: Die Wilhelma nennt weder die Höhe der Patenschaft noch einen festen Anteil der Ticketerlöse, der in den Artenschutz fließt. Die Patenschaft ist deshalb nicht mit einer zweckgebundenen Spendenaktion pro Eintrittskarte gleichzusetzen. Belegt ist die Übernahme der Patenschaft für die Stuttgarter Gruppe – nicht eine darüber hinausgehende Finanzierung eines bestimmten Freilandprojekts.

Warum gerade Brillenpinguine unter Druck stehen

Brillenpinguine leben nicht im antarktischen Eis. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt an den Küsten Südafrikas und Namibias sowie auf vorgelagerten Inseln. Der helle Hautring um die Augen gibt der Art ihren deutschen Namen. Die Tiere ernähren sich vor allem von kleinen Schwarmfischen.

Genau diese Nahrungsgrundlage ist vielerorts knapper geworden. Die Wilhelma nennt intensive Fischerei, Veränderungen der Meeresökologie sowie Verschmutzung durch Plastik und Öl als Belastungen. BirdLife International, der für Vögel zuständige Partner der Internationalen Roten Liste, führt außerdem veränderte Meeresströmungen und steigende Wassertemperaturen als Faktoren an, die Sardinen und Anchovis in andere Gebiete verdrängen können.

Seit 2024 wird der Brillenpinguin auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „vom Aussterben bedroht“ geführt. BirdLife bezifferte den langfristigen Bestandsverlust damals auf rund 97 Prozent. Solche Zahlen beschreiben den Rückgang im natürlichen Verbreitungsgebiet; sie sagen nicht, dass die 17 Stuttgarter Tiere unmittelbar gefährdet wären. Die Haltung in der Wilhelma und die Krise der Wildpopulation sind zwei verschiedene Ebenen, die in der Berichterstattung sauber getrennt werden müssen.

Die Patenschaft schafft zunächst Aufmerksamkeit. Ob daraus zusätzliche messbare Schutzwirkung entsteht, hängt davon ab, welche Mittel tatsächlich für Haltung, Bildungsarbeit oder Projekte im Herkunftsgebiet eingesetzt werden. Die Wilhelma engagiert sich auch bei anderen bedrohten Arten und verbindet Sonderprogramme regelmäßig mit Artenschutzinformationen – zuletzt etwa beim Bilby Day zu seltenen australischen Beuteltieren.

Was Besucher beim Christmas Garden erwartet

Der Christmas Garden Stuttgart startet am Mittwoch, 18. November 2026, in seine neunte Saison. Bis zum 16. Januar 2027 führt ein etwa zwei Kilometer langer Rundweg durch die abendliche Wilhelma. Der Veranstalter kündigt mehr als 30 Lichtinstallationen an. Dazu gehören eine Licht- und Wassershow im Maurischen Garten, interaktive Stationen, ein illuminierter Zauberwald und eine Inszenierung an der historischen Damaszenerhalle.

Die Brillenpinguine sind dabei nicht Teil einer nächtlichen Show. Tagsüber gehören sie zum regulären Zoobesuch; am Abend steht der beleuchtete Rundweg im Mittelpunkt. Die Patenschaft sollte deshalb nicht als Ankündigung einer Tierpräsentation nach Einbruch der Dunkelheit missverstanden werden.

Für die Saison gelten laut offizieller Veranstaltungsseite tägliche Öffnungszeiten von 17 bis 21.30 Uhr. Der letzte Einlass ist um 20 Uhr. Am 24. und 31. Dezember bleibt der Christmas Garden geschlossen. Tickets und mögliche Zeitfenster werden über den Veranstalter gebucht; ein reguläres Wilhelma-Tagesticket ersetzt nicht automatisch die Eintrittskarte für das Abendformat.

Die wichtigsten Daten auf einen Blick

  • Patenschaft: C² Concerts für die gesamte Brillenpinguin-Gruppe der Wilhelma
  • Gruppengröße: aktuell 17 Tiere
  • Saison: 18. November 2026 bis 16. Januar 2027
  • Öffnung: 17 bis 21.30 Uhr, letzter Einlass 20 Uhr
  • Ruhetage: 24. und 31. Dezember
  • Rundweg: rund zwei Kilometer mit mehr als 30 Lichtinstallationen

Woran sich die Patenschaft künftig messen lässt

Für Besucher ist die Partnerschaft zunächst eine leicht verständliche Brücke zwischen Wintererlebnis und Tierwelt. Redaktionell entscheidend bleibt jedoch, konkrete Patenschaft, Bildungswirkung und internationalen Artenschutz nicht gleichzusetzen. Die Urkundenübergabe ist belegt, ebenso der dramatische Rückgang der Art. Noch offen ist, welche zusätzlichen Maßnahmen oder finanziellen Beiträge aus der Patenschaft folgen.

Gerade diese Transparenz wäre der nächste sinnvolle Schritt: Eine spätere Bilanz könnte zeigen, ob Mittel in die Versorgung der Gruppe, in Informationsangebote für Besucher oder in Schutzprojekte in Südafrika und Namibia fließen. Bis dahin steht fest, dass der Christmas Garden seine Präsenz in der Wilhelma über die Veranstaltungssaison hinaus ausweitet – und eine bedrohte Tierart stärker ins Blickfeld rückt.

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Wilhelma Stuttgart: https://www.wilhelma.de/aktuelles/aktuelles/news-presse/meldung/christmas-garden-stuttgart-zeigt-ein-herz-fuer-brillenpinguine | Christmas Garden Stuttgart – Besucherinformationen: https://www.christmas-garden.de/stuttgart/besuch/ | BirdLife International: https://www.birdlife.org/news/2024/11/20/african-penguin-on-the-brink-of-extinction/

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