Verbranntes Essen auf einem Herd ist nach ersten Erkenntnissen der Polizei die mutmaßliche Ursache für einen folgenreichen Wohnungsbrand in Kehl. Der Einsatz zeigt zwei unterschiedliche Gefahren: Ein unbeaufsichtigter Herd kann einen Brand auslösen, dichter Rauch kann anschließend den Fluchtweg durch das Treppenhaus abschneiden.
Rauch schneidet Bewohner den Weg ab
Der Brand wurde am Mittwoch gegen 17.40 Uhr aus einem Mehrfamilienhaus in der Röntgenstraße gemeldet. Als die Einsatzkräfte eintrafen, drang deutlicher Rauch aus einer Wohnung im dritten Obergeschoss. Sämtliche Bewohner wurden zunächst aus dem Gebäude gebracht.
Ein Bewohner aus dem vierten Stock konnte seine Wohnung wegen der starken Rauchentwicklung nicht selbst verlassen. Die Feuerwehr rettete ihn über eine Drehleiter. Er kam mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus. Ein weiterer Bewohner wurde ebenfalls vorsorglich in einer Klinik versorgt, weil er vermutlich Rauch eingeatmet hatte.
Die Polizei schätzt den Sachschaden auf rund 250.000 Euro. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand entstand das Feuer auf dem Herd in der Küche. Die genaue Brandursache ist jedoch noch Gegenstand der Ermittlungen. Fest steht deshalb nur: Verbranntes Essen gilt derzeit als wahrscheinlicher Ausgangspunkt, nicht als abschließend festgestellte Ursache.
Warum wenige Minuten am Herd entscheidend sein können
Der Deutsche Feuerwehrverband nennt unbeaufsichtigtes oder vergessenes Essen als häufigste Ursache von Küchenbränden. Nach Angaben der von ihm unterstützten Initiative „Stop Herdbrand“ entstehen 48 Prozent der Brände in Küchen.
Die zentrale Vorsorge ist einfach: Einen eingeschalteten Herd nicht unbeaufsichtigt lassen. Bratfett und Öl dürfen nicht übermäßig erhitzt werden. Leicht brennbare Dinge wie Küchentücher, Topflappen oder Kunststoffbehälter gehören nicht auf das Kochfeld. Nach dem Kochen sollten Töpfe und Pfannen vom Herd genommen werden.
Für Haushalte, in denen das Risiko besteht, dass ein eingeschalteter Herd vergessen wird, können Herdwächter eine zusätzliche Sicherung sein. Solche Systeme überwachen die Temperatur am Kochfeld, warnen bei einer gefährlichen Entwicklung und können die Stromzufuhr unterbrechen. Sie ersetzen aber weder Aufmerksamkeit noch betriebsbereite Rauchwarnmelder.
Fettbrand niemals mit Wasser löschen
Brennt Fett oder Öl in einer Pfanne, darf kein Wasser eingesetzt werden. Wasser kann sich im heißen Fett schlagartig in Dampf verwandeln und brennendes Fett aus dem Gefäß schleudern. Die Folge kann eine gefährliche Fettexplosion sein.
Die offiziellen Brandschutzhinweise empfehlen stattdessen, die Flammen mit einem passenden Metall- oder Glasdeckel zu ersticken und die Energiezufuhr abzuschalten, sofern das gefahrlos möglich ist. Ein eigener Löschversuch ist nur vertretbar, solange keine Eigengefährdung besteht. Bei Feuer oder starker Rauchentwicklung gilt: Abstand halten, andere warnen und den Notruf 112 wählen.
Bei Rauch im Treppenhaus in der Wohnung bleiben
Der Einsatz in Kehl macht zugleich deutlich, dass das Treppenhaus nicht immer der sichere Weg nach draußen ist. Ist es bereits stark verraucht, rät die Brandschutzaufklärung, nicht durch den Rauch zu flüchten. Betroffene sollen in der Wohnung bleiben, Türen geschlossen halten, die Feuerwehr über 112 informieren und sich an einem Fenster oder Balkon bemerkbar machen.
Brennt es dagegen in der eigenen Wohnung und der Fluchtweg ist frei, sollte das Gebäude zügig verlassen werden. Türen hinter sich schließen, keinen Aufzug benutzen und nicht ins Haus zurückkehren. Rauchwarnmelder verschaffen dabei den entscheidenden Zeitvorsprung – löschen können sie den Brand nicht.
Im Kehler Mehrfamilienhaus war der Weg für einen Bewohner bereits versperrt. Die Rettung über die Drehleiter war deshalb keine dramatische Zusatzmaßnahme, sondern der sichere Ausweg aus einer konkret gefährlichen Rauchsituation.



