Finanzströme schädigen Umwelt massiv

Wirtschaft bedroht eigene Basis: Naturzerstörung kostet Billionen

Foto: Der Amazonas-Regenwald, stark bedroht durch menschliche Eingriffe (Archivbild).

Über 7 Billionen US-Dollar flossen 2023 in umweltschädliche Aktivitäten. Dem gegenüber stehen nur 220 Milliarden US-Dollar für den Artenschutz. Experten des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) warnen: Unternehmen gefährden ihre eigene Existenz und langfristige Stabilität durch die massive Beeinträchtigung natürlicher Lebensgrundlagen. Der Ruf nach einem Umdenken wird lauter. Sowohl Politik als auch Wirtschaft stehen in der Pflicht.

Finanzströme lassen Artensterben eskalieren

Das Ausmaß ist beispiellos: 7,3 Billionen US-Dollar – eine Zahl, die fast unwirklich klingt. So hoch waren die Finanzströme im Jahr 2023, die sich laut einer aktuellen Untersuchung des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) negativ auf die Natur ausgewirkt haben. Zum Vergleich: Lächerliche 220 Milliarden US-Dollar wurden im selben Zeitraum für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt aufgewendet. Das ist das drastische Ergebnis einer dreijährigen Analyse von 79 führenden Experten aus 35 Ländern.

Der Privatsektor als Haupttreiber

Die Zahlen lassen wenig Raum für Interpretationen. Zwei Drittel der naturzerstörenden Geldflüsse, also rund 4,9 Billionen US-Dollar, stammen aus dem Privatsektor. Hinzu kommen massive umweltschädliche Subventionen in Höhe von etwa 2,4 Billionen US-Dollar. Der Bericht macht deutlich: Unternehmen sind von der biologischen Vielfalt abhängig – und beeinflussen sie gleichzeitig negativ. Das aktuelle Wirtschaftssystem fördert laut den Wissenschaftlern systemische Risiken und stellt eine gerechte wie nachhaltige Zukunft infrage.

Politik gefordert – Wirtschaft in der Pflicht

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) spricht von einem wichtigen Impuls. „Unternehmen haben viele Möglichkeiten, zum Erhalt unserer Natur beizutragen und es ist wichtig, dass sie es auch tun“, betonte Schneider. „Das ist auch in ihrem ureigenen langfristigen Interesse, denn die Natur bildet die Grundlage jeden Wirtschaftens.“ Er fordert klare politische Rahmenbedingungen und Anreize, damit wirtschaftlicher Erfolg, eine intakte Umwelt und soziale Gerechtigkeit Hand in Hand gehen. Auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sieht hier eine zentrale Zukunftsaufgabe, die nur gemeinsam mit einer starken Wirtschaft zu bewältigen sei. „Intakte Ökosysteme sind wichtig für Wohlstand, stabile Lieferketten und langfristige Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland“, so Bär. Forschung und moderne Technologien seien entscheidend, um mit innovativen Ansätzen den Schutz von Natur und Artenvielfalt voranzubringen.

Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

Die globale Auswirkung ist alarmierend: Bis zu eine Million Arten sind laut IPBES vom Aussterben bedroht. Das Artensterben übertrifft die natürlichen Raten um das Zehn- bis Hundertfache. Nahrung, sauberes Wasser, Medizin – die Leistungen von Ökosystemen sind lebensnotwendig für die Menschheit. Menschliche Aktivitäten sind dabei die Hauptursache für diesen dramatischen Biodiversitätsverlust.