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Betrug mit vorgetäuschter Beziehung

Vier Jahre per Messenger: Love-Scamming-Fall in Bad Herrenalb

Ein Mann aus Bad Herrenalb soll über Jahre von einer unbekannten Person mit einer vorgetäuschten Beziehung an sich gebunden und zu Überweisungen bewegt worden sein. Aufgefallen ist der mutmaßliche Betrug erst, als er seine vermeintliche Partnerin bei der Polizei abholen wollte – obwohl dort niemand in Gewahrsam war.

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Symbolbild der Polizei Baden-Württemberg zu den Ermittlungen nach einer Explosion in Mannheim
Symbolbild
Foto: Polizei BW

Eine angebliche Beziehung, die ausschließlich über einen Messenger bestand, führte in Bad Herrenalb nach rund vier Jahren zu einem Betrugsverdacht. Der Betroffene erschien am vergangenen Donnerstag bei der Polizei, um seine vermeintliche Lebensgefährtin aus dem Gewahrsam abzuholen. Dort war jedoch keine entsprechende Person untergebracht. Erst im anschließenden Gespräch wurde sichtbar, wie lange die Geschichte bereits sein Leben bestimmt hatte.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Pforzheim hatte der Mann in den vergangenen zwei Jahren wiederholt Geld überwiesen. Die genaue Summe ist noch Gegenstand der Ermittlungen; bislang schätzt die Polizei den Schaden auf mehr als 10.000 Euro. Wer hinter dem Messenger-Kontakt steckt, ist öffentlich nicht bekannt. Deshalb gilt: Es handelt sich um einen Betrugsverdacht, nicht um eine abschließend geklärte Täterschaft.

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Der ungewöhnliche Moment, in dem die Erzählung zerbrach

Der Gang zur Polizeiwache ist mehr als eine kuriose Randnotiz. Er zeigt, wie glaubhaft eine über Jahre aufgebaute digitale Identität für Betroffene werden kann. Die vermeintliche Partnerin war für den Mann offenbar so real, dass er mit einer konkreten Abholung rechnete. Erst der Abgleich mit der Wirklichkeit – niemand befand sich im Gewahrsam – eröffnete den Beamten die Möglichkeit, den Sachverhalt mit ihm zu besprechen.

Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt Love- oder Romance-Scamming als eine Form des Betrugs, bei der Täter zunächst Aufmerksamkeit, Nähe und Zukunftspläne inszenieren. Geldforderungen folgen häufig erst, wenn bereits Vertrauen entstanden ist. Als Begründung dienen angebliche Notlagen, Reisen, medizinische Ausgaben oder blockierte Konten. Genau diese zeitliche Verschiebung macht die Masche gefährlich: Misstrauen richtet sich dann nicht nur gegen eine Geldforderung, sondern gegen eine Beziehung, in die bereits viel Zeit und Gefühl investiert wurden.

Vier Jahre Kontakt sind kein Echtheitsbeweis

Im Bad-Herrenalb-Fall verlief die Kommunikation laut Polizei ausschließlich über einen Messenger. Das ist ein wichtiges Warnsignal, aber nicht automatisch ein Beweis für Betrug. Entscheidend ist die Kombination: Eine Identität lässt sich nicht unabhängig verifizieren, persönliche Treffen kommen nicht zustande und zugleich werden wiederholt Zahlungen verlangt.

Auch kleine Überweisungen oder Gutscheincodes sollten nicht als harmlose Hilfe abgetan werden. Sie können testen, ob eine Person zahlungsbereit ist. Danach folgen oft neue Krisen und höhere Forderungen. Die Polizei rät deshalb, kein Geld und keine Codes an Online-Bekanntschaften zu übermitteln, keine intimen Bilder oder persönlichen Dokumente zu versenden und bei ständig wechselnden Telefonnummern besonders vorsichtig zu sein.

Dass diese Methode in der Region kein Einzelfall ist, zeigt auch ein früherer insideBW-Bericht zu Love-Scamming im Raum Freudenstadt. Der aktuelle Fall unterscheidet sich jedoch durch den außergewöhnlichen Aufdeckungsmoment auf der Polizeiwache und die jahrelange, ausschließlich digitale Beziehung.

Wer bereits gezahlt hat, sollte nicht erst Beweise „perfekt“ sortieren

Betroffene sollten den Kontakt nicht weiterführen, um die Gegenseite zu überführen. Sinnvoller ist es, keine weiteren Zahlungen zu leisten und unverzüglich die eigene Bank oder den verwendeten Zahlungsdienst zu kontaktieren. Je nach Zahlungsweg kann eine Transaktion möglicherweise noch gestoppt werden.

Chats, Profilnamen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Zahlungsbelege und Screenshots sollten gesichert und nicht gelöscht werden. Zusätzlich kann der Account bei der jeweiligen Plattform gemeldet werden. Eine Anzeige ist bei jeder Polizeidienststelle möglich; für Sachverhalte, die kein sofortiges Eingreifen erfordern, steht in Baden-Württemberg auch die Onlinewache zur Verfügung. Bei akuter Gefahr bleibt die 110 die richtige Nummer.

Scham ist Teil des Schadens – und ein Vorteil für die Täter

Die finanzielle Bilanz erzählt nur einen Teil der Geschichte. Das Polizeipräsidium Freiburg und die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg weisen in einer aktuellen Präventionskampagne darauf hin, dass Opfer oft eher über emotionale Belastung, Scham oder Geldsorgen sprechen als über den Betrug selbst. Angehörige und Vertrauenspersonen sollten deshalb weder Vorwürfe machen noch den Kontakt bagatellisieren. Hilfreicher sind ruhige Fragen: Wurde die Person jemals unabhängig verifiziert? Gibt es immer neue Notlagen? Werden Zahlungen geheim gehalten?

Im Bad-Herrenalb-Fall bleibt offen, wie hoch der Schaden am Ende tatsächlich ist und ob Verantwortliche ermittelt werden können. Sicher ist nur: Die Dauer eines Chats ersetzt keine überprüfbare Identität. Sobald eine ausschließlich digitale Beziehung mit Geldforderungen verbunden wird, ist ein unabhängiger Realitätscheck notwendig – am besten bevor die nächste Überweisung ausgelöst wird.

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