Zum Hauptinhalt springen
1,7 Millionen Euro für Ulmer Forschung

1,7 Millionen Euro für Ulm: Forscher nehmen Krebs und Sepsis ins Visier

Das Universitätsklinikum Ulm erhält für zwei neue Forschungsprojekte fast 1,7 Millionen Euro von der DFG. Im Mittelpunkt stehen bislang wenig erforschte Funktionen des Gerinnungsfaktors Thrombin bei Krebs, Sepsis und Reproduktion.

Thrombin kann offenbar deutlich mehr als Blutgerinnung

Im Zentrum der beiden neu bewilligten Projekte steht Thrombin. Der Gerinnungsfaktor ist vor allem für seine Rolle bei der Blutstillung bekannt. Das Forschungsteam der Zentralen Einrichtung Klinische Chemie am Universitätsklinikum Ulm untersucht jedoch Funktionen, die darüber hinausgehen.

Nach Angaben des Klinikums soll geklärt werden, welche Rolle Thrombin bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Tumoren, bei der Kontrolle der Genomintegrität, bei Immunreaktionen während einer Sepsis sowie in der Reproduktionsbiologie spielt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stellt dafür fast 1,7 Millionen Euro bereit.

Prothrombin wurde in zahlreichen Geweben nachgewiesen

Ausgangspunkt sind frühere Arbeiten des Teams um Prof. Dr. Sven Danckwardt, Ärztlicher Direktor der Klinischen Chemie am UKU. Lange wurde davon ausgegangen, dass Gerinnungskomponenten nahezu ausschließlich in der Leber produziert werden und vor allem Aufgaben bei der Blutgerinnung übernehmen.

Die Ulmer Forschenden konnten nach Angaben des Klinikums mit einem Reportersystem zeigen, dass Prothrombin – die Vorstufe von Thrombin – auch in zahlreichen anderen Geweben und Zelltypen gebildet wird. Dazu zählen Tumorgewebe sowie Zellen der angeborenen und adaptiven Immunabwehr. Hohe Mengen wurden außerdem in gefäßfernen Strukturen der Lunge und im Hoden nachgewiesen.

Neue Projekte untersuchen Krebs, Sepsis und Reproduktion

Die nun geförderten Arbeiten sollen die Bedeutung dieser gewebe- und zellspezifischen Bildung genauer untersuchen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche Mechanismen hinter den beobachteten Einflüssen auf Tumorentstehung, Immunregulation und den Verlauf einer Sepsis stehen.

Das Universitätsklinikum verweist darauf, dass die gezielte funktionelle Veränderung dieser Gerinnungskomponente bereits Auswirkungen auf Tumorentstehung, Sepsismortalität und Immunregulation in der Lunge gezeigt habe. Die zugrunde liegenden Mechanismen sollen jetzt systematisch entschlüsselt werden.

Zusammenarbeit zwischen Ulm und Mainz

Die zwei neu bewilligten Projekte ergänzen ein bereits laufendes drittes Forschungsprojekt in Kooperation mit der Universitätsmedizin Mainz. Beteiligt sind dort unter anderem Forschende des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums für Thrombose und Hämostase.

Langfristig könnten die Arbeiten dazu beitragen, neue therapeutische Ansatzpunkte für Erkrankungen wie Krebs und Sepsis zu identifizieren. Noch handelt es sich jedoch um Forschung an grundlegenden biologischen Mechanismen – konkrete neue Therapien sind mit der Förderzusage nicht verbunden.

Baden-Württemberg-News zuerst
InsideBW bei Google als bevorzugte Quelle festlegen und regionale Meldungen künftig häufiger sehen.

InsideBW.de bei Google bevorzugen →

Quellen und Methodik:
insideBW prüft Informationen nach redaktionellen Standards. Mehr über unsere Arbeitsweise erfahren Sie unter Quellen & Methodik.