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Krebsprävention

Rhein-Neckar soll Testregion für Prostatakrebs-Screening werden

Das DKFZ in Heidelberg und das BIPS wollen fünf Jahre enger zusammenarbeiten. In der Rhein-Neckar-Region sollen neue Zugangswege zur Prostatakrebs-Früherkennung erprobt werden.

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Hauptgebäude des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg
Das Hauptgebäude des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Archivbild.
Foto: Tobias Schwerdt

Die Rhein-Neckar-Region soll zu einem Erprobungsraum für leichter zugängliche Prostatakrebs-Früherkennung werden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen wollen dafür unterschiedliche Zugangswege vergleichen. Die neue Kooperation ist zunächst auf fünf Jahre angelegt.

Beide Einrichtungen haben ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Nach Angaben des DKFZ ist es die erste Partnerschaft dieser Art zwischen einem Helmholtz-Zentrum und einem Leibniz-Institut auf dem Gebiet der Krebsprävention. Die Vereinbarung gilt seit September 2026. Sie schafft zunächst einen organisatorischen Rahmen – noch keinen Nachweis dafür, dass die geplanten Maßnahmen mehr Krebserkrankungen verhindern oder früher erkennen.

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Rhein-Neckar und Bremen testen unterschiedliche Zugangswege

Das erste konkret benannte gemeinsame Vorhaben betrifft ein risikoadaptiertes Prostatakrebs-Screening. In der Rhein-Neckar-Region und in Bremen sollen unterschiedliche, sich ergänzende Wege erprobt werden, mit denen geeignete Teilnehmer erreicht werden können. Untersucht werden soll unter anderem, wie hoch die Teilnahme ist und ob niedrigschwellige Angebote sie erhöhen.

Risikoadaptiert bedeutet, dass Untersuchungsangebote nicht für alle Menschen identisch ausgestaltet werden, sondern sich an individuellen Risikofaktoren orientieren sollen. Welche Personen konkret angesprochen werden, nach welchen Kriterien eine Einladung erfolgt und welche Untersuchungsabläufe in den beiden Regionen eingesetzt werden, nennt die Kooperationsmeldung noch nicht. Auch Teilnahmequoten oder medizinische Ergebnisse liegen bislang nicht vor.

Die offizielle Projektseite des DKFZ ordnet die Pilotstudie PRO-KAP in eine europäische Initiative mit 98 Institutionen aus 29 Ländern ein. Das Gesamtvorhaben läuft von Juni 2024 bis Mai 2028. Für den DKFZ-Anteil sind dort 121.866 Euro einschließlich eines Eigenanteils von 26.810 Euro ausgewiesen. Aus dieser Summe lässt sich jedoch nicht ableiten, wie hoch das gesamte Budget der neuen fünfjährigen Kooperation zwischen DKFZ und BIPS ist.

Daten, Nachwuchs und Politikberatung sollen zusammengeführt werden

Die Partnerschaft umfasst vier Arbeitsfelder: gemeinsame Nutzung von Infrastruktur und Datenbeständen, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Politikberatung zur Krebsprävention und Entwicklung konkreter Forschungsprojekte. Erste Vorhaben werden nach Angaben der Einrichtungen von der Deutschen Krebshilfe beziehungsweise der Europäischen Union finanziert.

Die Aufgabenteilung liegt nahe: Das DKFZ bringt in Heidelberg biomedizinische Forschung, kliniknahe Strukturen und das im Aufbau befindliche Nationale Krebspräventionszentrum ein. Das BIPS arbeitet vor allem epidemiologisch und untersucht, wie Präventionsmaßnahmen in der Bevölkerung umgesetzt und bewertet werden können. Entscheidend wird sein, ob aus dem Datenaustausch tatsächlich vergleichbare Studienabläufe und belastbare Aussagen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen entstehen.

Dabei gelten hohe Anforderungen an Datenschutz und Aussagekraft. Gesundheitsdaten dürfen nicht allein deshalb zusammengeführt werden, weil mehrere Einrichtungen kooperieren. Die Meldung nennt noch keine technischen Verfahren, Einwilligungsmodelle oder Regeln für den Datenzugriff. Diese Punkte müssen in den einzelnen Projekten jeweils konkret beschrieben und geprüft werden.

Die Kooperation ändert noch keine Früherkennungsempfehlung

Für Patientinnen und Patienten entsteht aus der Vereinbarung zunächst keine neue allgemeine Untersuchungsempfehlung. Das geplante Screening-Projekt soll erst klären, welche Zugangswege funktionieren und wie groß die Teilnahmebereitschaft ist. Ob dadurch aggressive Tumoren früher entdeckt, unnötige Eingriffe vermieden oder gesundheitliche Ergebnisse verbessert werden, muss anschließend gesondert untersucht werden.

Das unterscheidet das Vorhaben auch von dem bereits laufenden Heidelberger KI-Projekt PROMETHEUS. Dieses will medizinische Daten und Bildgebung kombinieren, um aggressive Prostatatumoren besser zu erkennen und unnötige Biopsien zu vermeiden. Der insideBW-Hintergrund zu PROMETHEUS beschreibt die dortigen technischen Ziele und offenen klinischen Nachweise. Bei der neuen DKFZ-BIPS-Kooperation steht dagegen zunächst die Frage im Mittelpunkt, wie ein Screening Menschen überhaupt erreicht.

Die fünfjährige Laufzeit schafft Zeit für mehrere Projekte. Ob daraus ein übertragbares Modell für die Krebsprävention entsteht, wird sich aber erst an veröffentlichten Studienprotokollen, Teilnahmezahlen und späteren Ergebnissen messen lassen.

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