Mit dem Geld sollen zwei ungewöhnliche Forschungsfragen aus Ulm vom Konzept in die praktische Prüfung kommen. Der erste Preis des sechsten Young Researchers’ Science Day ging an den theoretischen Physiker Dr. Tobias Haas. Dr. Mirko Rossini vom Institut für Komplexe Quantensysteme erhielt den zweiten Preis.
50.000 Euro für einen Test am photonischen Quantencomputer
Haas will untersuchen, wie sich Information in Modellen schwarzer Löcher verhält. Dahinter steht ein grundlegender Konflikt: In der klassischen Beschreibung der Gravitation kann Information beim Verschwinden von Materie verloren erscheinen. Die Quantenmechanik geht dagegen davon aus, dass Information erhalten bleibt.
Geplant ist ein Testprotokoll für einen lichtbasierten Quantencomputer. Dafür kooperiert Haas nach Angaben der Universität Ulm mit der Arbeitsgruppe von Professorin Christine Silberhorn an der Universität Paderborn. Das dortige Institut für Photonische Quantensysteme bündelt Forschung zu Quantensimulation, Quantenkommunikation und photonischem Rechnen. Haas erhält für den Projektstart 50.000 Euro.
Die Förderung ist noch kein experimenteller Nachweis für eine der konkurrierenden Beschreibungen. Sie schafft zunächst die Voraussetzung, das Protokoll zu entwickeln und auf einer photonischen Plattform umzusetzen. Welche Messgrößen verwendet werden und wann erste Resultate vorliegen könnten, nennt die Universität in ihrer Mitteilung nicht.
30.000 Euro für die Suche nach Quanteneffekten an DNA
Rossini erhält 30.000 Euro für ein Vorhaben an der Schnittstelle von Quantenphysik und Biologie. Er möchte prüfen, wie Reparaturproteine schadhafte Stellen im Erbgut finden. Seine Arbeitshypothese lautet, dass elektrische Ladungen entlang der DNA wandern und dadurch Informationen über Defekte übertragen könnten.
Auch hier ist die Formulierung entscheidend: Die Universität beschreibt eine zu untersuchende Vermutung, keinen bestätigten Reparaturmechanismus. Rossini arbeitet bereits an theoretischen Modellen für Ladungsbewegungen entlang von DNA und an Quantenmethoden für biologische Systeme. Aus dem Preis lässt sich jedoch weder eine medizinische Anwendung noch ein neuer Therapieansatz ableiten.
Sechs Postdocs traten mit fünfminütigen Pitches an
Für den Wettbewerb hatte die Universität nach eigenen Angaben sechs Postdocs ausgewählt, die zuvor schriftliche Projektanträge eingereicht hatten. Im Finale stellten sie ihre Ideen in jeweils fünf Minuten vor. Das Themenspektrum reichte von Molekularer Medizin und biologischer Psychologie über Quantenwissenschaften bis zur Chemie.
Die Plätze drei bis sechs erhielten Reisegutscheine von bis zu 1.800 Euro für Tagungen oder Besuche bei Kooperationspartnern. Damit fördert die Nachwuchsakademie ProTrainU neben den beiden Siegerprojekten auch die Vernetzung der weiteren Finalistinnen und Finalisten.
Was die beiden Preise tatsächlich aussagen
Die Entscheidung zeigt, welche Ideen die Jury für förderwürdig hält. Sie ersetzt aber weder ein begutachtetes Forschungsergebnis noch eine unabhängige Replikation. Bei Haas muss erst gezeigt werden, ob das geplante Protokoll auf der photonischen Plattform die theoretische Frage sinnvoll abbilden kann. Bei Rossini steht die Prüfung im Vordergrund, ob der vermutete Ladungstransport tatsächlich beim Auffinden von DNA-Schäden eine Rolle spielt.
Beide Projekte beginnen damit an einem frühen Punkt: Das Preisgeld finanziert den Weg zur Untersuchung. Ob daraus ein tragfähiger wissenschaftlicher Befund entsteht, bleibt offen.



