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Quartalszahlen aus Stuttgart

Mercedes senkt Prognose – was hinter dem Gewinnplus steckt

Mercedes-Benz meldet für das dritte Quartal 1,77 Milliarden Euro EBIT, senkt aber die Jahresprognose. Entscheidend sind der schwache China-Absatz, ein deutlich geringerer bereinigter Gewinn und ein eingebrochener freier Cashflow.

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Neuer Mercedes-Benz GLA als Symbolbild zur Quartalsbilanz 2026
Der neue Mercedes-Benz GLA steht für die laufende Modelloffensive und den im dritten Quartal gestiegenen Elektroauto-Absatz. Symbolbild.
Foto: Mercedes-Benz AG

Die Quartalsbilanz des Stuttgarter Autobauers wirkt auf den ersten Blick besser als vor einem Jahr: Das ausgewiesene Ergebnis vor Zinsen und Steuern hat sich auf 1,77 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Für die operative Lage ist dieser Vergleich jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig. Nach Bereinigung um Sondereffekte sank das Konzern-EBIT um 15 Prozent. Zugleich hat Mercedes-Benz seine Erwartungen für das Gesamtjahr zurückgenommen.

Der Gewinnanstieg ist vor allem ein Basiseffekt

Mercedes-Benz erzielte im dritten Quartal 30,7 Milliarden Euro Umsatz. Im Vorjahresquartal waren es 32,1 Milliarden Euro. Das ausgewiesene EBIT stieg von 750 Millionen auf 1,77 Milliarden Euro, der Nettogewinn von 1,19 auf 1,52 Milliarden Euro.

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Der Konzern erklärt den Sprung beim ausgewiesenen EBIT im Wesentlichen mit niedrigeren Sondereffekten. Der bereinigte Wert zeigt deshalb ein anderes Bild: Er fiel von 2,10 auf 1,78 Milliarden Euro. Damit ging die um größere Sonderposten bereinigte Ertragskraft zurück, obwohl das unbereinigte Ergebnis deutlich zulegte.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein Teil der Belastungen bereits in früheren Perioden bilanziert wurde. Der aktuelle Zahlenvergleich belegt daher keine Verdopplung des laufenden operativen Geschäfts. Er zeigt vielmehr, wie stark Restrukturierungsaufwendungen und andere Anpassungen den Vorjahreswert gedrückt hatten.

Das Pkw-Geschäft verliert weiter an Marge

Besonders deutlich ist der Druck bei Mercedes-Benz Cars. Das bereinigte EBIT der Pkw-Sparte sank von 1,14 Milliarden auf 560 Millionen Euro. Die bereinigte Umsatzrendite halbierte sich nahezu von 4,8 auf 2,5 Prozent.

Mercedes-Benz verkaufte im Quartal rund 407.200 Pkw, acht Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der wichtigste Belastungsfaktor bleibt China: Dort ging der Absatz um 31 Prozent zurück. Dagegen legten die Verkäufe in Europa um fünf Prozent und in Deutschland um 13 Prozent zu. In den USA betrug das Plus sechs Prozent.

Der Konzern senkte deshalb die erwartete bereinigte Pkw-Rendite für 2026 auf zwei bis drei Prozent. Zuvor hatte die Spanne bei drei bis fünf Prozent gelegen. Zusätzlich zu den schwierigeren Marktbedingungen in China nennt Mercedes höhere Rohstoffkosten und Aufwendungen für Modellwechsel im vierten Quartal.

Elektroautos wachsen – lösen das Margenproblem aber noch nicht

Bei batterieelektrischen Pkw erzielte Mercedes einen Quartalsrekord. Die Verkäufe stiegen gegenüber dem Vorjahr um 61 Prozent auf 68.400 Fahrzeuge und gegenüber dem zweiten Quartal um 29 Prozent. Der Anteil vollelektrischer Modelle am weltweiten Pkw-Absatz erreichte 16,8 Prozent.

Das ist ein klarer Fortschritt der Modelloffensive, ändert aber die Gesamtbilanz noch nicht grundlegend. Der starke Elektroauto-Zuwachs steht neben sinkenden Pkw-Stückzahlen und einer deutlich niedrigeren Spartenrendite. Aus den veröffentlichten Zahlen lässt sich zudem nicht ableiten, welchen Ergebnisbeitrag einzelne Elektrobaureihen leisten.

Für Baden-Württemberg ist die Entwicklung dennoch relevant: Der neue GLA läuft in Rastatt vom Band, während der Konzern seine Produktpalette erneuert. Der Quartalsbericht enthält allerdings keine neue standortgenaue Aufteilung von Investitionen oder Beschäftigungseffekten.

Der freie Cashflow fällt auf 172 Millionen Euro

Ein zweites Warnsignal ist der freie Cashflow des Industriegeschäfts. Im dritten Quartal sank er von 1,37 Milliarden auf 172 Millionen Euro. Mercedes führt das vor allem auf einen vorübergehenden Aufbau von Fahrzeugbeständen und damit gebundenes Betriebskapital zurück.

In den ersten neun Monaten erreichte der freie Cashflow 3,1 Milliarden Euro nach 5,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Darin enthalten sind rund 1,1 Milliarden Euro Mittelabflüsse für Restrukturierungen sowie etwa eine Milliarde Euro aus dem teilweisen Verkauf von Daimler-Truck-Aktien. Der Beteiligungsverkauf stärkt die Liquidität, ist aber kein wiederkehrender Mittelzufluss aus dem Fahrzeuggeschäft.

Die Nettoliquidität des Industriegeschäfts bleibt mit 31 Milliarden Euro hoch. Dennoch erwartet Mercedes für das Gesamtjahr nun einen freien Cashflow deutlich unter dem Vorjahreswert.

Vans und Finanzdienstleistungen stabilisieren den Konzern

Stützend wirkten zwei andere Sparten. Mercedes-Benz Vans erreichte eine bereinigte Umsatzrendite von 9,4 Prozent und ein bereinigtes EBIT von 397 Millionen Euro. Bei Mercedes-Benz Financial Services stieg das bereinigte EBIT um 42 Prozent auf 445 Millionen Euro.

Diese Beiträge fangen einen Teil der Schwäche im Pkw-Geschäft auf. Sie ändern jedoch nichts daran, dass Mercedes die Konzernprognose korrigierte: Das EBIT soll 2026 nun nur noch auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Zuvor hatte der Konzern einen Wert deutlich über dem Vorjahr erwartet.

Was die Zahlen für Stuttgart und die deutschen Standorte bedeuten

Mercedes kündigt für Dezember 2026 eine weitere Runde freiwilliger Abfindungsangebote in indirekten Funktionen in Deutschland an. Konkrete Stellenzahlen oder eine Aufteilung nach Standorten nennt der Quartalsbericht nicht. Aussagen über einzelne Werke wären deshalb spekulativ.

Der neue Bericht verschärft aber die zentrale Frage, die bereits nach den schwächeren Zahlen zum Jahresauftakt bestand. insideBW hatte im April über den erneuten Gewinnrückgang bei Mercedes berichtet. Nun zeigt sich: Die Modelloffensive gewinnt beim Elektroabsatz an Tempo, doch China, Kosten und gebundenes Kapital belasten die Rechnung weiter.

Auch der Vergleich mit Porsche ist aufschlussreich, ohne beide Geschäftsmodelle gleichzusetzen. Beim Zuffenhausener Sportwagenbauer waren zuletzt ebenfalls Sonderfaktoren entscheidend für die Einordnung des Gewinnanstiegs. Bei Mercedes gilt derselbe methodische Grundsatz: Der ausgewiesene Gewinn allein reicht nicht. Bereinigtes Ergebnis, Marge und Cashflow zeigen, wie belastbar die operative Entwicklung tatsächlich ist.

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