Weniger Kassen in Sicht
Selten hat ein Verbandschef so deutlich die Zukunft des deutschen Solidarsystems skizziert: Oliver Blatt, der oberste Repräsentant der gesetzlichen Krankenversicherungen, rechnet fest damit, dass die Zahl der Krankenkassen in den kommenden zehn Jahren weiter sinken wird. „Ich bin sehr sicher, dass wir wahrscheinlich in zehn Jahren auch nicht mehr die gleiche Zahl der Krankenkassen haben werden“, sagte Blatt der „Rheinischen Post“.
Dieser Prozess ist keine ferne Zukunftsmusik, sondern bereits Realität. „Schon heute sind die Krankenkassen dabei zu prüfen, wo ein Zusammenschluss ökonomisch sinnvoll ist. Das passiert laufend“, erklärte der GKV-Chef.
Wettbewerb soll richten
Verwaltungskosten senken, Angebote bündeln und schlankere Strukturen schaffen – das sind die treibenden Kräfte hinter den anstehenden Fusionen. Dabei soll der Markt selbst die Richtung vorgeben. Staatliche lenkende Eingriffe in diesen Konsolidierungsprozess lehnt Blatt entschieden ab. „Die Antwort soll der Wettbewerb liefern. Ich bin Ökonom. Wer sollte eine Gesamtzahl festlegen? Der Staat?“, so Blatt.
Er setzt darauf, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse der Versicherten die Auswahl der Kassen steuern. „Die Präferenzen der Menschen gehen stark auseinander, wenn es um ihre Krankenkasse geht. Manche wollen alles digital erledigen, andere brauchen Ansprechpartner in einer Geschäftsstelle. Das wird sich von allein regeln“, ist Blatt überzeugt.
Der Blick zurück zeigt die Dramatik der Entwicklung: Im Jahr 2000 gab es laut Blatt noch über 400 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Heute liegt die Zahl nur noch bei etwas mehr als 90.




