GKV-Chef: "Lieber etwas teureres Bier als Folgeerkrankungen"

Kassen fordern: Zuckersteuer und höhere Suchtabgaben zur Rettung des Gesundheitssystems

Kassen fordern: Zuckersteuer und höhere Suchtabgaben zur Rettung des Gesundheitssystems

Eine Person kauft im Supermarkt ein (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, bringt drastische Reformen ins Spiel, um die Finanzmisere der gesetzlichen Krankenversicherungen zu bekämpfen. Er plädiert für eine Zuckersteuer und höhere Abgaben auf Alkohol und Tabak. Ziel sei es, die steigende Zahl von Volkskrankheiten einzudämmen und die milliardenschweren Folgekosten zu reduzieren. Auch die Pflicht zur Zweitmeinung bei Operationen begrüßt er. Nur bei der Mitversicherung von Ehepartnern mahnt er zur Vorsicht.

Mehr Geld für Krankenkassen?

Die gesetzlichen Krankenkassen brauchen dringend frisches Geld. GKV-Vorstandschef Oliver Blatt fordert daher eine deutliche Anhebung der Steuern auf Genussmittel. Eine Zuckersteuer, wie sie Expertenkommissionen schon länger vorschlagen, soll her. Ebenso sollen Alkohol und Zigaretten teurer werden.

Blatt argumentiert: „Wir müssen als Gesellschaft dahin kommen, dass nicht mehr so viele Menschen an sogenannten Volkskrankheiten leiden.“ Lieber sollten die Bürger für Bier und Zigaretten tiefer in die Tasche greifen, als hohe Kosten für die Behandlung von Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten, Diabetes oder Lungenschäden zu tragen.

Zweitmeinung statt Skalpell

Neben den Steuererhöhungen schlägt Blatt eine verpflichtende Zweitmeinung vor. Dies sei gerade bei häufigen Eingriffen wie Knie- oder Hüftoperationen sinnvoll.

Die Zahlen sprechen für sich, so Blatt: In rund drei Viertel der Fälle, in denen eine zweite Meinung eingeholt wurde, verzichten Patienten demnach auf die geplante Operation und entscheiden sich für physiotherapeutische oder andere Behandlungen.

Skepsis bei Ehepartner-Mitversicherung

Deutlich zurückhaltender zeigt sich Blatt hingegen bei dem Vorschlag, die beitragsfreie Mitversicherung von nicht arbeitenden Ehepartnern abzuschaffen. Hier warnt er vor schnellen Entscheidungen und sieht an anderer Stelle größere Einsparpotenziale.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

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