Jeder Zweite findet Deutschland ungerecht.

Gefühl der Ungerechtigkeit auf Höchststand: Deutsche sehen Schere zwischen Arm und Reich wachsen

Foto: Eine Frau wühlt in einem Abfalleimer (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Das Gefühl, dass es in Deutschland ungerecht zugeht, ist auf dem höchsten Stand seit 2008. 62 Prozent der Bürger teilen diese Ansicht. Laut einer aktuellen Umfrage wird vor allem die Kluft zwischen Arm und Reich als Hauptursache für diese empfundene Ungerechtigkeit genannt. Dieses Empfinden ist bei jüngeren und einkommensschwächeren Bevölkerungsgruppen besonders ausgeprägt.

Misere in der Wahrnehmung

Die Ergebnisse einer aktuellen Infratest-Umfrage für die ARD zeichnen ein düsteres Bild: 62 Prozent der Befragten empfinden die aktuelle Situation in Deutschland als eher ungerecht. Dies ist der höchste Wert seit September 2008. Nur noch ein Drittel der Deutschen (33 Prozent) sieht das Land als gerecht an.

Besonders ausgeprägt ist dieses Gefühl bei Menschen mit geringerem Einkommen, wo 71 Prozent das Land als ungerecht bezeichnen. Auch die jüngere Generation, die 18- bis 34-Jährigen, teilt diese Ansicht (70 Prozent) häufiger als die über 65-Jährigen (57 Prozent).

Armut und Steuerlast als Treiber

Als Hauptgrund für das gesteigerte Ungerechtigkeitsempfinden nennt die Mehrheit der Befragten (35 Prozent) die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu früheren Erhebungen.

Auf Rang zwei folgt die gefühlte Überlastung durch Steuern und Abgaben (13 Prozent). Jeder Zehnte (9 Prozent) meint zudem, Ausländer und Asylbewerber würden bevorzugt behandelt. Auch der geringe Abstand zwischen Lohn- und Sozialleistungsniveau wird von 8 Prozent als ungerecht empfunden.

SPD verliert Vertrauen bei Sozialem

Wenn es um die Sorge für soziale Gerechtigkeit geht, trauen die Deutschen aktuell am ehesten der SPD zu. Allerdings ist dieser Wert auf 24 Prozent gesunken – der niedrigste Stand seit Dezember 2003. Die AfD folgt mit 16 Prozent, Linke und Union liegen bei jeweils 15 Prozent.

Die Grünen trauen nur noch 4 Prozent diese Aufgabe zu. Ein Fünftel der Befragten (20 Prozent) kann oder will keiner Partei diese Kompetenz zusprechen.

Kommission mit gemischter Resonanz

Die Vorschläge einer von der Bundesregierung eingesetzten Kommission zur Sozialstaatsreform stoßen auf unterschiedliche Reaktionen. Eine klare Mehrheit (73 Prozent) befürwortet die Einschränkung von Sozialleistungen für EU-Bürger ohne vorherige Vollzeitbeschäftigung in Deutschland. Die Möglichkeit, Sozialleistungen digital zu beantragen, findet ebenfalls breite Zustimmung (71 Prozent).

Auch die automatische Auszahlung von Kindergeld nach der Geburt wird von 58 Prozent befürwortet. Deutliche Ablehnung gibt es jedoch für den Vorschlag, mehr Sozialleistungen pauschal auszuzahlen und Einzelprüfungen abzubauen: 71 Prozent finden dies falsch.