Am Feldberg versiegen erste Quellen
Besonders angespannt ist die Situation rund um Feldberg im Hochschwarzwald. Dort sind einzelne Haushalte und Höfe nicht ausschließlich an große Versorgungsnetze angeschlossen, sondern nutzen eigene Quellen.
Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht beschreibt gegenüber dem SWR eine Entwicklung, die sich inzwischen konkret im Alltag bemerkbar macht: Quellen, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte genutzt wurden, seien derzeit am Versiegen. Einzelne Höfe müssten bereits mit Wassertanks beliefert werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die gesamte Gemeinde Feldberg oder gar der gesamte Schwarzwald ohne Trinkwasser dasteht. Betroffen sind bislang vor allem lokale Versorgungen, die unmittelbar von kleinen Quellen abhängen.
Trinkwasser könnte per Sattelschlepper gebracht werden
Für den Fall, dass weitere Quellen trockenfallen, werden bereits zusätzliche Lösungen vorbereitet. Nach Angaben des SWR könnte Trinkwasser mit einem für Lebensmittel zugelassenen Sattelschlepper transportiert werden.
Das Wasser würde an einer Füllstation aus dem Freiburger Wassernetz aufgenommen und anschließend in die betroffenen Gemeinden gebracht. Dort könnte es in vorhandene Versorgungsstrukturen eingespeist oder zur Versorgung einzelner Bereiche genutzt werden.
Damit geht es derzeit vor allem um Vorsorge: Die Verantwortlichen wollen vorbereitet sein, falls die Trockenheit anhält und weitere lokale Quellen ausfallen.
Feldberg arbeitet schon länger an seiner Wasserversorgung
Die aktuelle Situation trifft die Gemeinde nicht völlig unvorbereitet. Bereits in früheren Planungen spielte die langfristige Sicherung der Wasserversorgung eine wichtige Rolle.
Im Haushaltsplan der Gemeinde Feldberg wurde unter anderem festgehalten, dass die Trinkwasserversorgung im Seebachtal weiter abgesichert werden soll. Grundlage dafür ist ein Strukturgutachten zur öffentlichen Wasserversorgung. Vorgesehen war unter anderem der Neubau eines Wasserwerks, um Trink- und Löschwasser langfristig sicherzustellen.
Die aktuellen trockenen Monate zeigen nun, warum solche Investitionen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Grundwasserneubildung war bereits im Winter zu schwach
Die Lage im Schwarzwald ist Teil einer größeren Entwicklung in Baden-Württemberg. Besonders problematisch war bereits das hydrologische Winterhalbjahr von November 2025 bis April 2026.
In diesen Monaten wird normalerweise der größte Teil des Grundwassers neu gebildet. Weil es kühler ist und weniger Wasser verdunstet, kann Niederschlag leichter in tiefere Bodenschichten gelangen. Die LUBW stellte jedoch fest, dass die Grundwasserneubildung im Winterhalbjahr 2025/26 deutlich unter dem langjährigen Niveau lag.
Gerade Quellgebiete im Schwarzwald reagieren empfindlich darauf. Quellen werden aus relativ kleinen Einzugsgebieten gespeist und können bei längerer Trockenheit deutlich schneller an Schüttung verlieren als große Grundwasservorkommen.
Auch im Sommer gingen die Werte weiter zurück
Eine nachhaltige Erholung ist bislang ausgeblieben. Schon im Juni meldete die LUBW überwiegend trockene Verhältnisse. Die Niederschläge erreichten nur etwas mehr als die Hälfte des üblichen Solls, gleichzeitig gingen Grundwasserstände und Quellschüttungen an 97 Prozent der beobachteten Messstellen zurück.
Auch danach blieb die Entwicklung angespannt. Damit trifft die aktuelle Augusthitze auf einen Wasserhaushalt, der bereits aus dem Frühjahr und Frühsommer mit einem Defizit gestartet ist.
Ein paar kräftige Gewitter reichen dabei nicht automatisch aus. Starkregen kann oberflächlich schnell abfließen, während für eine nachhaltige Grundwasserneubildung länger anhaltender und flächiger Niederschlag günstiger wäre.
Warum gerade kleine Quellen anfällig sind
Große Wasserversorger können häufig auf mehrere Brunnen, Speicher oder Verbundsysteme zurückgreifen. Bei einzelnen Schwarzwaldhöfen sieht die Situation anders aus.
Viele abgelegene Gebäude wurden traditionell über eigene Quellen versorgt. Sinkt deren Schüttung deutlich oder versiegt die Quelle vollständig, gibt es nicht immer unmittelbar eine zweite Leitung oder einen alternativen Brunnen.
Genau dort werden Wassertransporte nötig. Das erklärt auch, warum Meldungen über trockene Quellen nicht mit einer allgemeinen Trinkwasserknappheit im Land gleichgesetzt werden dürfen.
Landesweit ist die Versorgung nicht akut gefährdet
Für Baden-Württemberg insgesamt gibt es derzeit keinen Hinweis darauf, dass flächendeckend das Trinkwasser ausgeht. Die öffentliche Wasserversorgung ist regional sehr unterschiedlich organisiert und vielerorts durch große Grundwasserressourcen, Fernwasser oder mehrere Bezugsquellen abgesichert.
Das Umweltministerium sieht dennoch langfristigen Handlungsbedarf. Mit dem Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg wird deshalb untersucht, wie robust die Versorgung jeder Kommune gegenüber Hitze, Trockenheit und dem Klimawandel ist.
Die zentrale Frage lautet dabei nicht nur, ob heute genügend Wasser vorhanden ist, sondern ob auch im Jahr 2050 bei langen Trockenperioden und hohem Verbrauch ausreichend Reserven bestehen.
Jede zweite Kommune könnte langfristig Probleme bekommen
Eine aktuelle Auswertung des Landes zeigt die Dimension der Herausforderung. Nach dem Klimacheck des Masterplans könnten bis 2050 bei rund 50 Prozent der Kommunen während langanhaltender Hitze- und Trockenperioden erhebliche Defizite bei der Deckung des Spitzenbedarfs auftreten – sofern keine geeigneten Gegenmaßnahmen umgesetzt werden.
Das bedeutet nicht, dass diese Gemeinden künftig regelmäßig ohne Wasser dastehen. Vielmehr zeigt die Prognose, dass bestehende Systeme in besonders belastenden Situationen an ihre Grenzen kommen könnten.
Deshalb empfiehlt das Land unter anderem zusätzliche Verbundleitungen, alternative Wasserquellen, Speicher und bessere Vernetzung zwischen verschiedenen Versorgungsgebieten.
Der Schwarzwald steht besonders im Fokus
Gerade in ländlichen und bergigen Regionen ist die Versorgung häufig kleinteiliger strukturiert als in großen Städten. Kleine Quellen, Hochbehälter und örtliche Netze spielen eine größere Rolle.
Wenn mehrere trockene Monate aufeinanderfolgen, kann deshalb aus einem hydrologischen Problem relativ schnell ein logistisches werden: Wasser ist grundsätzlich vorhanden, aber nicht unbedingt dort, wo es gerade benötigt wird.
Dass nun Sattelschlepper als mögliche Notversorgung vorbereitet werden, zeigt, wie ernst einzelne Kommunen dieses Szenario nehmen. Gleichzeitig ist es eine Vorsorgemaßnahme und kein Beleg für einen flächendeckenden Versorgungsnotstand.
Entscheidend ist jetzt länger anhaltender Regen
Für die Quellen im Hochschwarzwald wäre eine längere Phase mit ergiebigen Niederschlägen wichtiger als kurze Gewitter. Erst wenn ausreichend Wasser in den Boden einsickert und die unterirdischen Speicher wieder auffüllt, können sich Quellschüttungen nachhaltiger stabilisieren.
Das Problem: In den Sommermonaten ist die Grundwasserneubildung ohnehin gering. Pflanzen verbrauchen viel Wasser, gleichzeitig sorgt Wärme für hohe Verdunstung. Deshalb erfolgt der wichtigste Teil der Neubildung normalerweise im Winterhalbjahr.
Sollte die Trockenheit noch länger anhalten, könnten deshalb weitere kleine Quellen an ihre Grenzen geraten.
Keine Panik – aber ein deutliches Warnsignal
Die Lage im Schwarzwald zeigt, wie schnell sich Trockenheit auf lokale Versorgungssysteme auswirken kann. Noch betrifft das Problem nur einzelne Quellen und Anwesen. Doch die Kombination aus schwacher Grundwasserneubildung und hohen Sommertemperaturen erhöht den Druck.
Dass Gemeinden und Versorger bereits Wassertransporte vorbereiten, ist daher weniger Ausdruck einer akuten landesweiten Krise als einer neuen Form der Vorsorge. Genau diese Vorsorge dürfte in Zukunft wichtiger werden: Das Land selbst geht davon aus, dass ohne Gegenmaßnahmen in vielen Kommunen während langanhaltender Hitzeperioden Versorgungslücken beim Spitzenbedarf entstehen könnten.





