Historische Tiefstwerte an 20 Prozent der Messstellen
Die Grundwasserstände und Quellschüttungen sind in Baden-Württemberg seit März weiter gesunken. Ende September bewegten sich 61 Prozent der von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ausgewerteten Messstellen auf niedrigem Niveau. Besonders betroffen sind die Schwäbische Alb, das Neckarbecken und Oberschwaben.
An einem Drittel der Messstellen war die Lage in einem September seit Beginn der jeweiligen gewässerkundlichen Beobachtungen noch nie so angespannt. An 20 Prozent wurden sogar die bisherigen historischen Niedrigstwerte unterschritten. Die übrigen Messstellen lagen laut LUBW überwiegend im unteren Normalbereich und teils deutlich unter ihren langjährigen Vergleichswerten.
Die Entwicklung hat sich im September fast flächendeckend verschärft: An 94 Prozent der Messstellen gingen Grundwasserstände oder Quellschüttungen weiter zurück. Gegenüber September 2025 lagen die Werte ebenfalls an 94 Prozent der Messstellen niedriger.
Warum einzelner Regen das Defizit nicht sofort ausgleicht
Der September war außergewöhnlich trocken. Am Lysimeterstandort Stutensee-Büchig registrierte die LUBW im Monatsverlauf rund sieben Millimeter Niederschlag. Dieses Wasser verdunstete unmittelbar; eine Grundwasserneubildung fand dort nicht statt. Landesweit ist der Neubildungsprozess nach Angaben der Behörde seit Ende Juni praktisch zum Erliegen gekommen.
Entscheidend ist die Feuchtigkeit in den tieferen Bodenschichten. Diese sind inzwischen bis weit unter die Wurzelzone ausgetrocknet. Neuer Niederschlag muss deshalb zunächst den Bodenwasserspeicher auffüllen, bevor ein Teil des Wassers tiefer versickern und das Grundwasser erreichen kann. Auch ergiebiger Regen würde die Messwerte daher nicht überall sofort steigen lassen.
Keine flächendeckende Trinkwasserknappheit
Aus den niedrigen Messwerten folgt nicht, dass die öffentliche Wasserversorgung im Land akut zusammenbricht. Großräumige Engpässe sind laut LUBW derzeit nicht an der Tagesordnung. Wasserversorger können jedoch Probleme bekommen, einen besonders hohen Spitzenbedarf zu decken.
Empfindlicher sind Gebiete, die überwiegend aus Quellen versorgt werden. Dort schließt die Behörde Wasserknappheit im weiteren Jahresverlauf nicht aus. Quellen mit kleinen Einzugsgebieten reagieren schneller auf lange Trockenphasen als große Grundwasservorkommen.
Weitere Rückgänge im Oktober wahrscheinlich
Für Oktober erwartet die LUBW zunächst keine schnelle Entspannung. Ob noch im Monatsverlauf wieder Grundwasser neu gebildet wird, hält sie auf Grundlage der Wetterprognosen für eher unwahrscheinlich. Die Grundwasserstände dürften weiter fallen und der Anteil der Messstellen mit niedrigem Niveau zunehmen.
Damit könnten weitere Stationen historische Tiefstwerte erreichen. Die Behörde warnt auch davor, dass Quellen mit kleinen Einzugsgebieten in diesem Herbst erstmals versiegen könnten. Das ist eine Prognose und kein Hinweis darauf, dass sämtliche Quellen oder die Trinkwasserversorgung im ganzen Land betroffen sind.





