EU-Vorgaben treffen auf Widerstand
Die Europäische Union will die heimische Produktion von Elektrofahrzeugen ankurbeln – und setzt dafür auf eine strenge Vorgabe: Staatliche Förderungen sollen künftig nur noch an Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge gehen, die in der EU montiert werden und deren Komponenten zu mindestens 70 Prozent aus hiesiger Fertigung stammen. Dieser Plan, Teil des „Industrial Accelerator Act“, sorgt für Unmut bei internationalen Herstellern.
Chinesischer Gigant spart nicht mit Kritik
Stella Li, Vizechefin des chinesischen Elektroauto-Dominators BYD, nannte die geplante Regelung in einem Gespräch mit dem „Spiegel“ eine „recht verrückte Regulierung“. Sie sei „schwer umsetzbar“ und drohe, vielen Unternehmen zu schaden. Grundsätzlich, so Li, wolle sich die Politik stärker aus der Automobilindustrie heraushalten.
BYD: Nicht unmöglich, aber…
Trotz ihrer scharfen Worte zeigt sich Li zuversichtlich, dass BYD die Vorgaben im Zweifelsfall erfüllen könne. „Wenn unsere Konkurrenten das schaffen, schaffen wir es auch“, sagte sie. BYD baut bereits seine europäische Präsenz aus: Ein Werk in Ungarn entsteht, ein weiterer Standort ist in der Türkei geplant. Die Zusage, bis 2028 alle für Europa bestimmten E-Autos lokal zu produzieren, könnte jedoch knapp werden, um die ambitionierten Quoten zu erfüllen.
Schutz der heimischen Industrie vs. Wettbewerb
Die EU-Kommission begründet die vorgesehene Regelung mit dem Schutz und der Stärkung der europäischen Industrie. Zustimmung kommt von Vertretern deutscher Hersteller wie Volkswagen und des italienisch-amerikanischen Konzerns Stellantis, die Lokalisierungsvorgaben offen gegenüberstehen. Kritiker warnen jedoch vor steigenden Kosten, komplizierteren Lieferketten und möglichen negativen Reaktionen aus anderen Ländern, die ebenfalls auf ihre Industrien pochen könnten.


