Lohnfortzahlung im Fokus
Der Präsident der Arbeitgeberverbände, Rainer Dulger, äußert sich deutlich: „Internationale Erfahrungen zeigen: Je großzügiger die Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten Erkrankungen“, mahnt er gegenüber der „Welt“. Die Arbeitgeber streben eine Begrenzung der Lohnfortzahlung auf maximal sechs Wochen pro Jahr an. Bislang gilt die Regelung für sechs Wochen pro Einzelerkrankung, was unter bestimmten Bedingungen mehrfache Ansprüche über das Jahr hinweg ermöglicht.
Mehrkosten für Unternehmen
Dulger argumentiert zudem, dass Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Mehrarbeit im Krankheitsfall nicht weitergezahlt werden sollten. „Wer nicht arbeitet, hat auch keine Mehrbelastung“, begründet er diesen Standpunkt. Auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen soll künftig häufiger und zügiger Arbeitsunfähigkeiten prüfen dürfen. Aktuell finden solche Überprüfungen eher die Ausnahme statt.
Anstieg der Fehltage
Die Debatte wird durch einen deutlichen Anstieg der Fehlzeiten seit 2022 angeheizt. Laut Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zahlten Unternehmen im Jahr 2024 rund 82 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung. Diese Zahlen werden durch Produktionsausfälle und entgangene Wertschöpfung, die die Volkswirtschaft Hunderte Milliarden kosten, noch verschärft. Allein im Jahr 2024 führten Fehltage zu Produktionsausfällen in Höhe von 134 Milliarden Euro, wobei jeder Beschäftigte durchschnittlich 20,8 Tage krankheitsbedingt fehlte.

