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Fortschrittliche Fregatte mit Fragezeichen

„Baden-Württemberg“ auf Mission: Das modernste Kriegsschiff Deutschlands ein Sorgenkind

Die Fregatte „Baden-Württemberg“ wurde in Hamburg gebaut.
Foto: Bundeswehr / Tanja Wendt

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Wilhelmshaven, 22. Januar 2024 – Mit dem Auslaufen der Fregatte „Baden-Württemberg“ aus dem Heimathafen Wilhelmshaven am 20. Oktober 2023, begann eine neue Ära in der Geschichte der Deutschen Marine. Dieses Ereignis markierte den ersten Einsatz einer Fregatte der Klasse F125, ein Vorhaben, das mit Stolz, aber auch mit dem Bewusstsein für die damit verbundenen Herausforderungen verbunden war.

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Fregatte „Baden-Württemberg“

Unter dem Kommando von Fregattenkapitän Tilmann von der Lühe nahm die Fregatte Kurs auf das Mittelmeer, um sich an der UNIFIL-Mission vor der libanesischen Küste zu beteiligen. Die Besatzung, bekannt als „Delta“, und ihr Kapitän waren bereit, die Herausforderungen anzugehen, die dieser erste Einsatz mit sich bringen würde. Von der Lühe betonte die Bedeutung dieses historischen Moments und das Privileg, als erster Kommandant einer Fregatte der Klasse F125 in See zu stechen.

Die Baden-Württemberg im Bau bei Blohm & Voss in Hamburg
Die Baden-Württemberg im Bau bei Blohm & Voss in Hamburg
Foto: Dirtsc – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Das Auslaufzeremoniell, an dem hochrangige Persönlichkeiten wie Vizeadmiral Frank Lenski und Staatssekretär Thomas Blenke teilnahmen, unterstrich die Bedeutung dieses Einsatzes nicht nur für die Marine, sondern auch für die Nation. Die „Baden-Württemberg“ repräsentiert die technologische Spitzenleistung der deutschen Kriegsschiffbaukunst, entstanden aus Jahrzehnten militärischer Erfahrung und konzipiert für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft.

Technologische Meisterleistung mit Anlaufschwierigkeiten

Trotz der fortgeschrittenen Fähigkeiten und des innovativen Mehrbesatzungskonzepts, das eine intensive Nutzung des Schiffes ermöglicht, blieb die „Baden-Württemberg“ nicht von Kritik verschont. Die Indienststellung des Schiffes verzögerte sich aufgrund technischer Schwierigkeiten, darunter Probleme mit der Software, Übergewicht und eine Neigung zur Schlagseite. Diese Herausforderungen führten dazu, dass das Schiff sogar an den Hersteller zurückgegeben wurde, bevor es 2019 endlich in Dienst gestellt werden konnte.

Abwehrraketen gegen Drohnen fehlen – Gegen Huthi-Rebellen sind neue Bundeswehr-Fregatten machtlos

Darüber hinaus wurden Bedenken hinsichtlich der eigentlichen Zweckmäßigkeit des Schiffes laut. Die Fregatten der Klasse F125 wurden ursprünglich konzipiert, um auf Bedrohungen wie Piraterieangriffe und zur Seeraumüberwachung zu reagieren – Herausforderungen, die zu Beginn des Jahrtausends, besonders vor der Küste Somalias, prävalent waren. Allerdings zeigte sich, dass die Schiffe in Bezug auf Abwehrmaßnahmen gegen Luft- und Unterwasserangriffe, wie sie in einem konventionellen Krieg auftreten könnten, nicht optimal ausgerüstet sind. Trotz der Ausstattung der Schiffe mit Luftabwehrsystemen, ist deren Reichweite auf maximal zehn Kilometer begrenzt. Diese Distanz erweist sich als unzureichend für die Abwehr feindlicher Drohnen. Im Vergleich dazu setzen die NATO-Standards bei ähnlichen Schiffsklassen auf Raketen mit einer Reichweite von 50 bis 100 Kilometern. Diese Einschränkung resultiert aus fehlgeleiteten Prognosen der Planer, die zur Einsparung dieser kritischen Komponente führten.

Die Fregatte F 224 Sachsen-Anhalt fährt in der Flensburger Förde, am 31.10.2020.
Foto: Bundeswehr / Gergs – Tanja Wendt

Die Merkmale der Klasse F125

Die „Baden-Württemberg“ kann bis zu zwei Jahre lang unabhängig vom Heimathafen operieren, mit Betriebsstunden, die herkömmliche Fregatten in den Schatten stellen. Die Zeitspanne zwischen den Inspektionen ist nahezu eine Vervierfachung der Einsatzzeit gegenüber ihren Vorgängern. Diese beeindruckenden Zahlen sind das Ergebnis von reduzierten Wartungsanforderungen, fortschrittlicher Automatisierung und Digitalisierung.

Die Besatzungsstärke von über 200 bei anderen Fregatten wurde auf 126 reduziert, ohne dabei die Effizienz oder die Schlagkraft des Schiffes zu beeinträchtigen. Dieses Mehrbesatzungskonzept ermöglicht es, dass sich mehrere Crews während eines längeren Einsatzes alle vier Monate ablösen, wodurch die operative Kontinuität und die moralische Stärke der Mannschaft aufrechterhalten bleiben.

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Zukunftsorientierung: „Zielbild Marine 2035+“

Die Bundeswehr ist sich der Limitationen der Fregattenklasse F125 bewusst und hat bereits reagiert. Im Rahmen des „Zielbild Marine 2035+“ konzentriert sich die Bundeswehr auf die Entwicklung und den Einsatz kampfstärkerer Einheiten. Die Neuentwicklungen der Fregatten, Typ 126 und 127, zielen darauf ab, den Schwerpunkt stärker auf maritime Kampfeinsätze zu setzen. Diese strategische Neuausrichtung ist eine direkte Antwort auf die veränderten geopolitischen Gegebenheiten und Bedrohungsszenarien, wie sie etwa durch den russischen Angriff auf die Ukraine offengelegt wurden. Ein Schiff der derzeit vier modernen Fregatten des Typs F125 soll bis zum Jahr 2035 vorzeitige außer Dienst gestellt werden. Welches, ist noch offen.

Trotz der Anfangsschwierigkeiten und der Debatten über ihre Zweckmäßigkeit, ist sie ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer modernen, agilen und kampfstarken Marine. Während die „Baden-Württemberg“ und ihre Schwesternschiffe ihren Dienst im Mittelmeer antreten, blickt die Deutsche Marine bereits in die Zukunft – eine Zukunft, die durch Stärke, Flexibilität und die Fähigkeit zur schnellen Anpassung an neue Herausforderungen gekennzeichnet sein wird.

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