Das Uni-Zentrum Naturheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg sucht Teilnehmende für eine klinische Studie zu sogenannten Überwärmungsbädern. Untersucht wird, ob Anwendungen in etwa 40 Grad warmem Wasser depressive Symptome zusätzlich zur üblichen Behandlung lindern können. Die Klinik veröffentlicht damit keinen Behandlungserfolg, sondern wirbt für eine noch laufende, kontrollierte Untersuchung.
Drei Gruppen sollen Wirkung und Sicherheit vergleichbar machen
Nach dem Eintrag im Deutschen Register Klinischer Studien ist die Untersuchung multizentrisch, randomisiert und kontrolliert. Die Teilnehmenden werden nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe erhält zweimal pro Woche Überwärmungsbäder und führt die bestehende Standardbehandlung fort. Die zweite Gruppe bekommt thermoneutrale Bäder ohne gezielten Temperaturreiz. Die dritte Gruppe setzt ausschließlich die reguläre medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlung fort.
Insgesamt sind 16 Badeanwendungen innerhalb von acht Wochen vorgesehen. Als wichtigsten Messpunkt nennt das Studienregister den Schweregrad der Depression nach zwei Wochen. Er wird ärztlich mit der Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale, kurz MADRS, erfasst. Weitere Untersuchungen betreffen unter anderem depressive Symptome nach vier und acht Wochen, Schlafqualität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Zufriedenheit mit der Behandlung.
Durch die beiden Vergleichsgruppen soll erkennbar werden, ob mögliche Veränderungen tatsächlich mit der stärkeren Wärmeanwendung zusammenhängen. Die Studie prüft außerdem die Sicherheit der Anwendungen. Aus dem Studiendesign lässt sich deshalb noch keine Empfehlung für heiße Bäder als Therapie ableiten.
Wer für eine Teilnahme infrage kommt
Gesucht werden Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren mit einer depressiven Episode oder einer wiederkehrenden depressiven Störung. Laut Studienregister muss die Diagnose bestätigt sein und mindestens seit zwei Wochen bestehen. Die bestehende Behandlung darf in den vier Wochen vor Studienbeginn nicht verändert worden sein.
Das Register nennt zugleich mehrere Ausschlusskriterien. Dazu zählen etwa akute Suizidalität, bestimmte weitere psychische Erkrankungen und gesundheitliche Gründe, die gegen heiße Bäder sprechen können. Ob eine Person tatsächlich teilnehmen kann, entscheidet daher nicht eine Selbsteinschätzung, sondern das Studienteam nach der Eingangsuntersuchung. Eine Teilnahme ersetzt weder eine laufende Therapie noch eine medizinische Versorgung in einer akuten Krise.
Acht Wochen Behandlung und acht Wochen Nachbeobachtung
Die gesamte Studienphase dauert nach Angaben der Klinik vier Monate. Auf die achtwöchige Behandlungsphase folgt eine weitere achtwöchige Nachbeobachtung. Der Teilnehmerflyer nennt sieben Besuche in der behandelnden Klinik oder Praxis sowie vier telefonische Termine. Untersuchungen und Anwendungen sind kostenfrei; Fahrtkosten können nach Angaben des Universitätsklinikums auf Wunsch erstattet werden.
Interessierte können sich bei der Freiburger Studienkoordination unter der Telefonnummer 0761 270-83200 oder per E-Mail an susanne.forster@uniklinik-freiburg.de melden. Das Studienregister führt das Projekt unter der Kennung DRKS00033017 weiterhin mit dem Status „Rekrutierung läuft“.
Warum die Ergebnisse noch offen sind
Die Untersuchung soll zwei konkrete Fragen beantworten: ob Überwärmungsbäder zusätzlich zur Standardbehandlung depressive Symptome stärker vermindern als die Standardbehandlung allein und ob sie einen Vorteil gegenüber Bädern ohne gezielten Temperaturreiz haben. Erst die Auswertung der vorab festgelegten Endpunkte kann darauf eine belastbare Antwort geben. Die aktuelle Meldung ist deshalb vor allem ein Teilnahmeaufruf – keine Nachricht über eine bereits nachgewiesene Wirkung.




