Stuttgart – Es ist eine Nachricht, die in der Stuttgarter Hochschullandschaft für Stolz sorgt. In einem Instagram-Voting des Jugendnetzwerks funk (ARD/ZDF) haben knapp 35.000 Teilnehmer über die ästhetischsten Lernorte der Republik entschieden. Die Uni Hohenheim sicherte sich dabei bundesweit einen starken dritten Platz. Nur die „Bibliotheca Albertina“ in Leipzig und die Bibliothek der TU Darmstadt konnten die Stuttgarter noch knapp überholen.
Vom Herzog-Zimmer zum High-Tech-Lernplatz
Dabei atmet hier jede Ecke Geschichte. Wo heute Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler über ihren Büchern brüten, wollte Herzog Carl Eugen von Württemberg ursprünglich seine private Gemäldegalerie unterbringen. Wer heute einen der rund 300 begehrten Arbeitsplätze ergattert, lernt oft im ehemaligen Bibliothekszimmer von Franziska von Hohenheim – unter prachtvollen Stuckdecken und Kronleuchtern.
Bereichsbibliothek Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hohenheim.
Doch die historische Fassade täuscht nicht über die Moderne hinweg. „Barocke Pracht trifft moderne Lernkultur“, so beschreibt es die Universität selbst. In den letzten Jahren wurden die Arbeitsplätze massiv aufgerüstet: Lerninseln mit Sichtschutz, USB-Charger und moderne Leselampen sind heute Standard zwischen den antiken Säulen. Sogar ein „Fair-o-mat“ für nachhaltige Snacks im Eingangsbereich gehört zum Inventar.
Der Ernst des Lebens beginnt im Februar
Die Auszeichnung kommt für die Studierenden zur richtigen Zeit – und ist gleichzeitig eine kleine Warnung. Denn die Idylle wird bald bröckeln: Am 31. Januar endet die Vorlesungszeit des Wintersemesters. Ab dem 2. Februar startet die erste große Prüfungsperiode.
Erfahrungsgemäß sind die Plätze in den prunkvollen Sälen dann schon früh am Morgen besetzt. „Kein Wunder, dass die Lesesäle nicht nur während der Prüfungszeit heiß begehrt sind“, heißt es aus der Universität. Wer also im barocken Ambiente für das Staatsexamen oder die Masterarbeit lernen will, braucht in den kommenden Wochen vor allem eines: einen frühen Wecker.
Ein Gütesiegel von der Zielgruppe
Dass das Ranking von funk durchgeführt wurde, verleiht der Auszeichnung ein besonderes Gewicht. Das Content-Netzwerk erreicht laut eigenen Angaben rund 89 Prozent der 14- bis 29-Jährigen und gilt als wichtigster journalistischer Kompass für die „Generation Z“. Wenn diese Zielgruppe Hohenheim auf das Podest hebt, ist das mehr als nur ein Architektur-Lob – es ist ein handfester Standortfaktor im Wettbewerb um die klügsten Köpfe.
Für die Region Stuttgart ist der Erfolg der Uni Hohenheim ein weiteres Aushängeschild. Neben der Spitzenforschung in der Agrar- und Ernährungswissenschaft, in der die Uni bundesweit auf Platz 1 rangiert, punktet der Standort nun eben auch mit seiner „Grünen Oase“ und dem wohl edelsten Lesezirkel des Landes.

