Grafenhausen im Landkreis Waldshut feiert am Freitag, den 22. Mai 2026, eine echte Natur-Sensation: Die historische Danieltanne wird offiziell zum Nationalerbe-Baum Deutschlands gekürt.
Rund 450 Jahre hat dieser Baumriese bereits miterlebt. Mit einer stattlichen Höhe von etwa 45 Metern und einem Stammumfang von fast sechs Metern überragt die Ur-Tanne ihre gesamte Umgebung im Naturschutzgebiet Schlüchtsee deutlich. Nun erhält die Weiß-Tanne im Hochschwarzwald eine besondere Würdigung, die bundesweit bisher nur wenigen Bäumen zuteilwurde.
Die dickste Tanne im Schwarzwald bekommt den Titel
Das Kuratorium Nationalerbe-Bäume der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft hat die Danieltanne unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Roloff als besonders schützenswert eingestuft. Damit wird sie zum 59. Nationalerbe-Baum in Deutschland ernannt. Die bundesweite Initiative, die von der Eva Mayr-Stihl Stiftung finanziert wird, hat sich zum Ziel gesetzt, insgesamt 100 herausragende und historisch bedeutsame Bäume unter besonderen Schutz zu stellen.

Dass die Tanne überhaupt diesen Namen trägt und forstlich genau dokumentiert ist, verdankt die Region dem ehemaligen Revierförster Hartmut Frank. Er leitete das Forstrevier Grafenhausen über drei Jahrzehnte lang. Gleich zu Beginn seiner Dienstzeit fiel ihm die außergewöhnliche Dimension des Baumes auf, woraufhin er ihn von der Forstdirektion Freiburg vermessen ließ. In den 1990er-Jahren folgte schließlich die Namensgebung „Daniel“, angelehnt an die dortige Flur. Gemeinsam mit einer etwas kleineren Nachbartanne, die im lokalen Sprachgebrauch „Daniela“ genannt wird, bildet das Duo ein eindrucksvolles Naturdenkmal.
Ein widerstandsfähiges Symbol für den Wald der Zukunft
Die Danieltanne ist eine natürlich gewachsene Weiß-Tanne und repräsentiert damit die ursprüngliche Baumart des Schwarzwalds. Die Fichten in ihrer direkten Nachbarschaft wurden erst um die Jahrhundertwende gepflanzt. Der Riese hat in den vergangenen Jahrzehnten extremen Umweltveränderungen getrotzt: Die Immissionen der 1980er-Jahre überstand die Tanne ebenso wie die schweren Orkane „Wiebke“ und „Lothar“ sowie die seit 2019 anhaltenden Trockenperioden. Trotz dieser Belastungen bescheinigen Experten dem Baum heute eine bemerkenswerte Vitalität.

Die Auszeichnung rückt auch die ökologische Rolle der Weiß-Tanne in den Fokus. Während die Bestände durch historische Nutzung und reine Fichtenaufforstungen stark zurückgingen, gilt die Baumart heute als Hoffnungsträger. Da sie deutlich besser mit Trockenheit umgehen kann als andere Nadelbäume, spielt sie eine Schlüsselrolle für den Wald der Zukunft.
Offizielle Feierstunde am 22. Mai 2026
Wer den Naturriesen selbst erleben möchte, erreicht die Danieltanne über einen rund 15 bis 20 Minuten langen Spaziergang durch den Bergwald.
Die offizielle Ernennung zum Nationalerbe-Baum startet am Freitag, den 22. Mai 2026, um 15:00 Uhr. Im Rahmen der feierlichen Veranstaltung wird Prof. Dr. Andreas Roloff die genaue Bedeutung der Auszeichnung sowie die Besonderheiten des Baumes erläutern. Nach den Ansprachen ist ein Austausch bei einem Imbiss und Getränken im Garten des Heimatmuseums Hüsli in Grafenhausen geplant.





