Mehr als jede und jeder zweite Studierende zwischen 18 und 27 Jahren in Baden-Württemberg ging 2025 einer Erwerbstätigkeit nach. Das Statistische Landesamt beziffert die Quote auf 55,2 Prozent. Gegenüber 2015 entspricht das einem Anstieg um 14,6 Prozentpunkte. Der Vergleich ist auffällig, darf aber nicht als lückenlose Entwicklung gelesen werden: Seit 2020 arbeitet der zugrunde liegende Mikrozensus mit veränderten Methoden.
Die Erwerbsquote stieg bei Studierenden besonders stark
Die Auswertung umfasst rund 297.000 Studierende im Alter von 18 bis 27 Jahren mit Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg. Rechnerisch lag ihre Erwerbsquote 2015 bei 40,6 Prozent; 2025 waren es 55,2 Prozent. Unter den übrigen Menschen derselben Altersgruppe stieg die Quote im Zehnjahresvergleich nach Angaben des Landesamts dagegen lediglich um 1,2 Prozentpunkte.
Auch die Gesamtquote der 18- bis 27-Jährigen nahm zu. Sie erreichte 2025 einen Wert von 71,6 Prozent und lag damit fünf Prozentpunkte über dem Stand von 2015. Rund 922.000 Menschen dieser Altersgruppe waren im vergangenen Jahr erwerbstätig, 2015 waren es 888.000. Das Statistische Landesamt führt den Anstieg zu einem erheblichen Teil auf die höhere Erwerbsbeteiligung der Studierenden zurück.
| Kennzahl | 2025 | Veränderung gegenüber 2015 |
|---|---|---|
| Erwerbsquote der Studierenden, 18 bis 27 Jahre | 55,2 Prozent | +14,6 Prozentpunkte |
| Erwerbsquote aller 18- bis 27-Jährigen | 71,6 Prozent | +5,0 Prozentpunkte |
| Erwerbsquote der übrigen Gleichaltrigen | nicht separat veröffentlicht | +1,2 Prozentpunkte |
Schon eine bezahlte Stunde zählt als Erwerbstätigkeit
Die Quote sagt nicht, wie viele Stunden Studierende arbeiten oder wie hoch ihr Einkommen ist. Nach der international verwendeten ILO-Definition gilt bereits als erwerbstätig, wer in der Berichtswoche mindestens eine Stunde gegen Entgelt gearbeitet hat. Auch selbstständige und mithelfende Tätigkeiten werden erfasst.
Damit fasst die Statistik sehr unterschiedliche Situationen zusammen: einen einzelnen kurzen Einsatz ebenso wie eine regelmäßige Teilzeitstelle. Aus den veröffentlichten Zahlen lässt sich deshalb weder ableiten, wie stark das Studium zeitlich durch Arbeit belastet wird, noch ob das Einkommen zur Finanzierung des Lebensunterhalts notwendig ist. Angaben zu Stundenumfang, Verdienst, Branche oder Motivation enthält die Pressemitteilung nicht.
Als Studierende gelten in dieser Auswertung Personen, die in den vier Wochen vor der Berichtswoche eine Hochschule besucht haben. Promotionsstudierende sind ausgeschlossen. Erfasst werden zudem nur Menschen mit Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg; Bewohnerinnen und Bewohner gemeinschaftlicher Wohnformen bleiben unberücksichtigt.
Der Zehnjahresvergleich hat eine methodische Bruchstelle
Die Differenz zwischen 2015 und 2025 ist groß. Trotzdem warnt das Statistische Landesamt vor einem ungebrochenen Zeitvergleich. Zum Erhebungsjahr 2020 wurden beim Mikrozensus methodische und konzeptionelle Änderungen eingeführt. Wie stark dieser Bruch einzelne Ergebnisse beeinflusst, hängt vom jeweiligen Themenbereich ab.
Hinzu kommt, dass die Erhebung 2020 durch besondere Probleme belastet war. Das Landesamt veröffentlicht für dieses Jahr grundsätzlich keine Ergebnisse. Die Aussage, dass die Erwerbsquote 2025 deutlich über dem Wert von 2015 liegt, bleibt damit korrekt. Die Daten belegen jedoch nicht, dass der Anstieg in jedem Jahr gleichmäßig verlief oder vollständig auf verändertes Verhalten der Studierenden zurückgeht.
Was die Zahlen offenlassen
Die Statistik beschreibt, wie verbreitet Erwerbstätigkeit unter jungen Studierenden ist. Sie beantwortet nicht, warum gearbeitet wird. Aussagen über steigende Lebenshaltungskosten, veränderte Studienmodelle, Fachkräftemangel oder die Wirkung der Studienfinanzierung wären ohne zusätzliche Daten spekulativ.
Für eine Bewertung der Studienbedingungen wären deshalb weitere Angaben nötig: Wochenarbeitszeit, Einkommenshöhe, Art der Beschäftigung, Zusammenhang mit dem Studienfach und mögliche Folgen für Studiendauer oder Abbruchrisiko. Der aktuelle Befund setzt einen klaren Ausgangspunkt – mehr als die Hälfte der betrachteten Studierenden arbeitet –, ersetzt aber keine Untersuchung der Ursachen und Belastungen.




