Dem Glauben auf der Spur

Von Engeln und Heiligen, Nonnen und Mönchen: Spirituelle Orte und Pilgerwege in Baden-Württemberg

Luftaufnahme einer Stadt mit roten Dächern und einer Kirche im Vordergrund.
Foto: Kurverwaltung Bad Urach Mende

Die Reformation hat Baden-Württemberg geprägt wie kaum eine andere Region in Deutschland. Doch trotz der tiefgreifenden Umwälzungen ab dem 16. Jahrhundert sind Klöster, Wallfahrtsorte und spirituelle Traditionen bis heute fest im Land verankert. Reliquienkult, Heiligenverehrung und Ordensleben haben vielerorts sichtbare Spuren hinterlassen – und dienen noch immer als Orte der Einkehr, der Ruhe und der Besinnung.

Ob auf historischen Pilgerwegen, in jahrhundertealten Klosteranlagen oder bei lebendigen religiösen Bräuchen: Baden-Württemberg bietet eine bemerkenswerte Vielfalt spiritueller Orte, die Geschichte, Glauben und Landschaft miteinander verbinden.

Unterwegs auf den Jakobswegen

Der Jakobsweg gilt als Klassiker unter den europäischen Pilgerwegen. Wer nicht bis nach Santiago de Compostela pilgern möchte, findet auch in Baden-Württemberg mehrere Abschnitte dieser Route. Vom Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald über den Bodensee bis in den Schwarzwald führen die Wege vorbei an Kirchen, Klöstern und Kulturdenkmälern.
Weitere Informationen: www.jakobswege-bw.de

Barocke Glaubenswelt in Oberschwaben

Der Oberschwäbische Pilgerweg führt durch eine Region, die im Barock zu einem Zentrum der Gegenreformation wurde. Entlang der Strecke liegen zwölf Klöster und 88 Wallfahrtsorte. Prunkvolle Kirchen, Klosteranlagen und Kapellen zeugen von der katholischen Glaubenswelt jener Zeit. Einige Anlagen, darunter Untermarchtal, Habsthal oder Beuron, werden bis heute von klösterlichen Gemeinschaften genutzt und stehen Besuchern offen.
Weitere Informationen: www.oberschwaebischer-pilgerweg.de

Klosterroute Nordschwarzwald

Im Nordschwarzwald haben sich gleich mehrere bedeutende mittelalterliche Klosteranlagen erhalten. Zur Klosterroute zählen das Benediktinerkloster Alpirsbach sowie die Klöster in Hirsau und Maulbronn. Hirsau war ein zentraler Ort der cluniazensischen Reformbewegung, Maulbronn gilt als eine der am besten erhaltenen Zisterzienserklosteranlagen nördlich der Alpen und steht auf der UNESCO-Welterbeliste.
Weitere Informationen:
www.kloster-alpirsbach.de
www.klosterhirsau.de
www.kloster-maulbronn.de

Luftaufnahme eines historischen Gebäudekomplexes mit roten Dächern und umgebender Natur.

Historischer Gebäudekomplex inmitten von Bäumen.

Foto: TMBW / Mende

Kloster und Schloss Bebenhausen

Mitten im Naturpark Schönbuch bei Tübingen liegt Kloster Bebenhausen. Die nahezu unverändert erhaltene Anlage vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in das Ordensleben des Mittelalters – von der Klosterkirche über den Kreuzgang bis zu den Mönchszellen. Direkt daneben errichteten die württembergischen Könige im 19. Jahrhundert ein Jagdschloss. Historisch besonders bedeutsam: Von 1947 bis 1952 tagte hier der Landtag von Württemberg-Hohenzollern.
Weitere Informationen: www.kloster-bebenhausen.de

Benediktinerabtei Stift Neuburg bei Heidelberg

Oberhalb des Neckartals am Stadtrand von Heidelberg liegt die fast 900 Jahre alte Stift Neuburg. Seit 1927 leben dort wieder Benediktinermönche nach den Regeln des heiligen Benedikt. Die Gemeinschaft versorgt sich weitgehend selbst und betreibt eine eigene Brauerei mit Biobier. Nach Führungen durch das Kloster besteht die Möglichkeit zur Einkehr in der Gaststube.
Weitere Informationen: www.stift-neuburg.de

Wallfahrtsort Kloster Heiligenbronn

Ein Gnadenbild und ein „Heiliger Brunnen“, der in der Krypta entspringt, begründeten bereits im 14. Jahrhundert die Wallfahrt nach Kloster Heiligenbronn. Die Franziskanerinnen betreuen bis heute Pilger und Wallfahrtsgruppen und bieten Seelsorge sowie Führungen an. Für Ruhesuchende stehen Gästezimmer und ein Meditationsbereich im Freien zur Verfügung.
Weitere Informationen: www.kloster-heiligenbronn.de

Barockpracht in Ochsenhausen

Das ehemalige Benediktinerkloster Kloster Ochsenhausen beeindruckt mit seiner repräsentativen Architektur. Die Anlage wirkt eher wie ein Schloss als ein Kloster. Zu den Höhepunkten zählen die Klosterkirche, der klassizistische Bibliothekssaal und die barocke Orgel des Orgelbauers Joseph Gabler mit ihrem von Engeln geschmückten Prospekt.
Weitere Informationen: www.kloster-ochsenhausen.de

Kloster Reute bei Bad Waldsee

Das Franziskanerinnenkloster Kloster Reute wurde 1403 gegründet, im 18. Jahrhundert aufgelöst und im 19. Jahrhundert neu belebt. Heute leben dort mehr als 200 Schwestern. Gäste sind eingeladen, einige Tage im Kloster zu verbringen und das klösterliche Leben kennenzulernen.
Weitere Informationen: www.kloster-reute.de

Weingarten und der Heilig-Blut-Ritt

Im ehemaligen Benediktinerkloster auf dem Martinsberg beeindruckt die Klosterkirche St. Martin mit ihrer Länge von 102 Metern – sie gilt als größte Barockkirche Deutschlands. Eine Reliquie mit dem Blut Christi zieht bis heute Pilger an. Auf ihr beruht der Heilig-Blut-Ritt, die größte Reiterprozession Europas, die jedes Jahr am Freitag nach Christi Himmelfahrt stattfindet.
Weitere Informationen: www.st-martin-weingarten.de

Campus Galli bei Meßkirch

Ein außergewöhnliches Projekt entsteht bei Meßkirch: Campus Galli. Nach dem berühmten Klosterplan von St. Gallen wird hier eine karolingische Klosterstadt ausschließlich mit historischen Materialien und Werkzeugen errichtet. Die Bauzeit ist auf rund 40 Jahre angelegt, Besucher können den Fortschritt und mittelalterliches Handwerk live miterleben.
Weitere Informationen: www.campus-galli.de