Unternehmerin schlägt Alarm
Die deutsche Wirtschaft steht nach Ansicht von Nicola Leibinger-Kammüller, Vorstandschefin des Maschinenbauers Trumpf, vor dramatischen Herausforderungen. „Seit Kriegsende war die wirtschaftliche Lage in Deutschland noch nie so dramatisch“, sagte sie dem „Handelsblatt“. Die Corona-Pandemie sei im Vergleich dazu harmlos gewesen.
Auf einer Hausmesse des Unternehmens habe sie eine ungewöhnlich hohe Zahl frustrierter Unternehmer wahrgenommen. Viele kleine und mittelständische Betriebe würden unter der Last der Bürokratie ächzen und seien „am Rande ihrer Möglichkeiten“. Leibinger-Kammüller warnt daher eindringlich: „Wir verlieren unsere industrielle Basis.“
Forderung nach Strategie und Reformen
Die Unternehmerin appelliert an die Bundesregierung, ihrer „Pflicht und Schuldigkeit“ nachzukommen und eine „vernünftige Strategie für dieses Land aufzustellen“. Angesichts des Kräfteverhältnisses in der schwarz-roten Koalition müsse Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Reformgeschwindigkeit deutlich erhöhen. Konkrete Sparmaßnahmen und strukturelle Reformen, insbesondere im Rentensystem, seien dringend notwendig.
Zur umstrittenen Reichensteuer äußerte sich Leibinger-Kammüller offen: Sie sei bereit, mehr Steuern zu zahlen. Dieses zusätzliche Geld müsse jedoch gezielt für Bildung eingesetzt werden und dürfe nicht in „Gießkannenpolitik“ wie beim Tankrabatt fließen.
Lob fand die Trumpf-Chefin für Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Sie sei „mutig, geht ins Feuer, sie treibt die richtigen Dinge voran“.
Hoffnung durch stabile Auftragslage
Trotz der düsteren Gesamteinschätzung gibt es für Trumpf selbst Anlass zur Hoffnung. Nach Jahren des Verzichts können sich die Beschäftigten im Herbst wieder auf einen Bonus oder eine tarifliche Gewinnbeteiligung freuen. Das laufende Geschäftsjahr 2025/26 entwickle sich „ganz ordentlich“, sagte Leibinger-Kammüller. Der Auftragseingang ziehe an, insbesondere im Bereich Lasersysteme für die Halbleiterfertigung, was mit der hohen Nachfrage durch den Bau von Rechenzentren zusammenhängt.
Das zurückliegende Geschäftsjahr 2024/25 hingegen musste Trumpf mit einem Verlust abschließen, was den Abbau von rund 1.000 Arbeitsplätzen zur Folge hatte.




