Hamza Kulina und Maryam Azadi kehren zurück: Heute Abend, 22. März, läuft im Ersten ihr dritter gemeinsamer Fall.
13 Tote. Ein defektes Dämmmaterial. Und niemand, der Verantwortung übernimmt. Der Frankfurter Tatort „Fackel“ setzt dort an, wo das Rechtssystem versagt – und macht daraus eines der stärksten Krimistücke der Saison.
Um 20.20 Uhr läuft der Film im Ersten, wenige Minuten später als gewohnt. Grund: die Wahlberichterstattung aus Rheinland-Pfalz. Danach ist „Fackel“ einen Monat lang in der ARD-Mediathek abrufbar.
Ein Cold Case mit sehr aktuellem Kern
Hamza Kulina (Edin Hasanović) trifft auf einer Mahnwache seine Jugendliebe Almila wieder. Sie hat ihre Mutter bei einem Hochhausbrand verloren, der Jahre zurückliegt. 13 Menschen starben, ein Untersuchungsausschuss droht ergebnislos zu enden. Almila bittet den Kommissar um Hilfe.
Was folgt, ist kein klassisches Whodunit, sondern ein Krimi über Vertuschung, politische Verbindungen und die Ohnmacht der Hinterbliebenen. Im Visier: der Geschäftsführer eines Baustoffkonzerns, dessen billiges Dämmmaterial möglicherweise als Brandbeschleuniger wirkte. War ein mysteriöser Todesfall wirklich Selbstmord?

Andrea Hofer (Nadja Bobyleva)
Grenfell Tower als Vorbild
Die Vorlage ist eindeutig: 2017 brannte in London der Grenfell Tower. 72 Menschen starben, weil leicht entflammbare Fassadenteile verbaut worden waren. Ein defekter Kühlschrank löste das Feuer aus, die Verkleidung machte es zum Inferno.
„Fackel“ übersetzt dieses Trauma in einen deutschen Kontext – und zieht dabei eine weitere Parallele. Die Gedenkbilder im Film erinnern bewusst an die Opfer des Hanau-Attentats von 2020. Edin Hasanović sagt im Interview, er wäre froh, wenn der Film auch nur einen Zuschauer dazu bringe, sich mit Hanau zu beschäftigen.
Das Ensemble trägt alles
Regisseur Rick Ostermann verzichtet auf Rückblenden. Er vertraut seinem Ensemble – und das zahlt sich aus. Hasanović spielt Kulinas stille Zerrissenheit zwischen Pflicht und persönlicher Geschichte mit bemerkenswerter Zurückhaltung. Melika Foroutan als Azadi gibt ihm den nötigen Gegenpol: empathisch, klar, niemals sentimentalisierend.
Seyneb Saleh als trauernde Almila liefert die emotionalste Leistung des Abends. Ihre Szenen setzen den Ton für einen Krimi, der nie Mitleid einfordert, aber es trotzdem bekommt.
Das Drehbuch stammt von Sebastian Heeg und dem Schauspieler Tom Schilling – und man merkt, dass hier jemand am Werk war, der Figuren nicht als Plotmittel behandelt.
Grimme-Preis, dritter Fall – und kein Nachlassen
Gerade erst wurde die Debütfolge „Dunkelheit“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet – der erste Tatort, dem diese Ehre seit elf Jahren zuteilwurde. „Fackel“ setzt die Qualitätsreihe bruchlos fort.
Kleinere Schwächen gibt es: Manche Wendungen des Plots sind früh erkennbar, das Krimikonstrukt folgt zwischendurch bekannten Mustern. Doch der Schluss reißt mit. Wer glaubte, er könne den Abend emotional unbeschadet überstehen, irrt sich.
Lohnt sich das Einschalten?
Ja – mit einem klaren Vorbehalt: „Fackel“ ist kein entspannter Sonntagskrimi. Der Film ist beklemmend, emotional fordernd und endet nicht mit Auflösung im klassischen Sinne. Wer das aushält, erlebt starkes deutsches Fernsehen.
Für alle anderen: Die ARD-Mediathek bietet genug Zeit, den richtigen Moment zu wählen.
„Tatort: Fackel“, ARD, Sonntag 22. März 2026, 20.20 Uhr. Danach einen Monat in der ARD-Mediathek.