Krieg im Nahen Osten

Straße von Hormus 2026: Droht der Welt ein Energie-Schock?

Straße von Hormus 2026: Droht der Welt ein Energie-Schock?
Foto: NASA/GSFC

Die Welt hält den Atem an. Seit dem 28. Februar 2026 ist die Straße von Hormus, das wichtigste Nadelöhr der globalen Energieversorgung, faktisch dicht. Was zunächst wie eine weitere Eskalation im Dauerkonflikt zwischen dem Iran und der westlichen Allianz wirkte, hat sich binnen Stunden zu einer Krise entwickelt, die Ölpreise, Gasversorgung, Lieferketten – und damit auch Unternehmen in Baden-Württemberg – direkt betrifft.

Was dort passiert, entscheidet mit darüber, wie teuer Tanken, Heizen und Produzieren in den kommenden Monaten wird.

Der Auslöser: Militärschläge und ein Machtvakuum in Teheran

Am Morgen des 28. Februar starteten die USA und Israel die Militäroperation „Epic Fury“. Ziel: iranische Nuklearanlagen, Raketenstellungen und strategische Kommandozentren.

Der schwerwiegendste Einschnitt: Der iranische Oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei sowie führende Köpfe der Revolutionsgarden (IRGC) kamen bei den Angriffen ums Leben.

Teherans Antwort folgte noch am selben Tag – jedoch nicht mit einer offenen Seeschlacht gegen die überlegene US-Marine, sondern mit einem strategischen Hebel: der Kontrolle über die Straße von Hormus.

Binnen Stunden funkte die IRGC Warnungen an Handelsschiffe: Eine Durchfahrt sei „nicht gestattet“. Eine formelle Blockade wurde nicht erklärt – de facto brach der Transitverkehr jedoch um rund 70 Prozent ein. Am Abend geriet ein Tanker vor Omans Küste in Brand. Reedereien stoppten ihre Fahrten.

Am 1. März folgten Raketenangriffe auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Flughäfen in Dubai und Abu Dhabi wurden getroffen, ebenso eine Raffinerie in Ras Tanura. Gleichzeitig pausierten mehr als elf LNG-Tanker aus Katar ihre Routen.

Warum Hormus so entscheidend ist

Die Straße von Hormus ist nur rund 90 Seemeilen lang – und an der engsten Stelle gerade einmal 21 Seemeilen breit. Die tatsächlich nutzbaren Fahrrinnen sind jeweils nur zwei Meilen breit.

Durch dieses Nadelöhr fließen täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte. Das entspricht etwa einem Viertel des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Erdöls und rund 20 Prozent des globalen Verbrauchs.

Noch kritischer ist die Lage beim Flüssiggas (LNG). Rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels passiert diese Route – Katar ist vollständig davon abhängig.

Für Asien ist das existenziell: China, Indien, Japan und Südkorea beziehen massive Mengen über Hormus. Europa importiert nur rund 5,2 Prozent seines Rohöls über die Meerenge – ist jedoch bei raffinierten Produkten wie Kerosin deutlich stärker abhängig.

Öl- und Gaspreise reagieren sofort

Vor Beginn der Operation notierte Brent-Rohöl bei etwa 67 US-Dollar pro Barrel. Nach den ersten Meldungen über brennende Tanker und IRGC-Warnungen schossen die Preise in den ersten Märzstunden um mehr als zehn Prozent nach oben.

Analysten rechnen kurzfristig mit 80 bis 90 Dollar. Hält die Blockade an, sind Preise über 100 Dollar wahrscheinlich. In Extrem-Szenarien wird sogar von 130 Dollar oder mehr gesprochen. Entscheidend ist dabei weniger der unmittelbare physische Mangel, sondern die Unsicherheit. Händler kalkulieren eine geopolitische Risikoprämie ein.

Die Versicherungsprämien für Tanker stiegen bereits von 0,125 auf bis zu 0,4 Prozent des Schiffswerts pro Passage. Für einen Großtanker bedeutet das Mehrkosten von mehreren hunderttausend Dollar.

Beim Gas ist die Lage brisanter. Katar exportiert rund 82 Millionen Tonnen LNG pro Jahr – alles über Hormus. Seit dem 28. Februar sind diese Exporte faktisch gestoppt. Europas Gasspeicher waren Anfang März nur noch zu 30,09 Prozent gefüllt. Der TTF-Gaspreis lag vor der Krise bei rund 32 Euro pro Megawattstunde. Bei einer längeren Blockade könnte er laut Marktmodellen auf über 90 Euro steigen.

Lieferketten unter Druck – auch für Baden-Württemberg

Die Krise ist nicht nur eine Energiefrage. Sie betrifft die industrielle Wertschöpfung weltweit.

Zum Zeitpunkt des Stopps befanden sich rund 170 Containerschiffe mit einer Kapazität von etwa 450.000 TEU in oder vor der Meerenge. Darunter zahlreiche Transporte mit Vorprodukten für europäische Werke.

Die Automobilindustrie – ohnehin durch Just-in-Time-Lieferungen hochgradig verwundbar – steht erneut vor Verzögerungen. Umleitungen um das Kap der Guten Hoffnung verlängern Routen um 10 bis 14 Tage und treiben Treibstoffkosten massiv nach oben.

Für exportorientierte Regionen wie Baden-Württemberg sind solche Störungen mehr als eine Randnotiz. Höhere Energiepreise und verzögerte Komponentenlieferungen treffen Maschinenbauer, Autozulieferer und Chemieunternehmen direkt.

Können Pipelines die Meerenge ersetzen?

Kurz gesagt: nur teilweise.

Saudi-Arabien verfügt über eine Ost-West-Pipeline zum Roten Meer mit einer theoretischen Kapazität von bis zu sieben Millionen Barrel pro Tag. Realistisch sind kurzfristig jedoch nur etwa 2,6 Millionen Barrel zusätzlich nutzbar.

Die Vereinigten Arabischen Emirate betreiben eine Pipeline nach Fujairah mit maximal 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Auch hier bleibt ein erheblicher Teil der Exporte hormusabhängig.

Insgesamt zeigen die Berechnungen: Selbst bei maximaler Nutzung aller Umleitungen bleiben bis zu neun Millionen Barrel täglich strukturell gefährdet. Für Katars LNG gibt es keine Alternative – hier beträgt das Risiko faktisch 100 Prozent.

Völkerrechtlicher Streit: Transit oder „friedliche Durchfahrt“?

Kern des juristischen Konflikts ist die Frage, welches Seerecht gilt.

Nach dem UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) haben Schiffe das Recht auf sogenannte Transitdurchfahrt durch internationale Meerengen. Dieses darf nicht suspendiert werden.

Der Iran hat UNCLOS zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert. Teheran beruft sich stattdessen auf ältere Konventionen und verlangt für Kriegsschiffe eine Genehmigung. In der aktuellen Lage nutzt das Regime diese Interpretation, um die Passage faktisch zu kontrollieren.

Die USA wiederum führen sogenannte Freedom-of-Navigation-Operationen durch, um ihre Rechtsauffassung zu unterstreichen.

China und Russland: Abwarten mit Kalkül

China ist als größter Ölimporteur massiv betroffen. Ein Großteil der iranischen Exporte geht nach Peking. Dennoch vermeidet China eine militärische Positionierung an der Seite der USA. Stattdessen fordert Peking einen Waffenstillstand und präsentiert sich als Vermittler.

Russland verurteilt die Angriffe im UN-Sicherheitsrat scharf – profitiert aber kurzfristig von steigenden Ölpreisen.

Interne Spannungen im Iran

Der Tod Khameneis hat ein Machtvakuum hinterlassen. Berichte sprechen von internen Rivalitäten zwischen Fraktionen innerhalb der Revolutionsgarden. Gleichzeitig nehmen Proteste im Land wieder zu.

Die Blockade ist für Teheran ein riskantes Instrument: Sie erhöht den Druck auf den Westen, schneidet aber zugleich die eigenen Ölexporte ab – insbesondere nach China.

Was das für Europa bedeutet

Europa hat mit dem REPowerEU-Programm den Ausstieg aus russischem Gas forciert. Die neue LNG-Knappheit zwingt nun zu weiteren Diversifizierungsplänen.

Für Deutschland und Baden-Württemberg bedeutet das: steigende Energiepreise, höhere Produktionskosten und möglicherweise erneute staatliche Stützungsmaßnahmen.

Gleichzeitig könnte die Krise die Investitionen in erneuerbare Energien, Speichertechnologien und Kernkraft in Asien beschleunigen. Die Verwundbarkeit maritimer Nadelöhre ist offensichtlich geworden.

Fazit: Eine neue Risikoprämie für die Weltwirtschaft

Die Straße von Hormus war jahrzehntelang ein geopolitisches Pulverfass. Jetzt ist sie zum realen Engpass geworden.

Technisch lässt sich eine vollständige Sperrung nicht kompensieren. Ein erheblicher Teil des regionalen Ölflusses und das gesamte katarische LNG sind ohne Hormus blockiert.

Bleibt die Meerenge länger geschlossen, drohen Ölpreise dauerhaft über 100 Dollar und eine deutliche Verteuerung von Gas in Europa. Die Folge wäre eine Phase globaler Stagflation – mit direkten Auswirkungen auf Industrie, Verbraucher und öffentliche Haushalte.

Für Unternehmen und Politik bedeutet das: Die „Hormus-Prämie“ wird Teil der strategischen Kalkulation.

Ob es gelingt, die Lage zu entschärfen, wird über die wirtschaftliche Stabilität des Jahres 2026 entscheiden.

Verwendete Quellen

  • iea.org
  • washingtonpost.com
  • theguardian.com
  • kpler.com
  • woodmac.com
  • csis.org
  • icis.com
  • chathamhouse.org
  • maritime.dot.gov
  • zerocarbon-analytics.org