Irreführende Sparziele
Die geplante Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) trifft nach Ansicht des Chefs von Roche Pharma, Daniel Steiners, an der falschen Stelle. „Das wahre Problem sind die ineffizienten Strukturen, in denen Fortschritt jeden Tag versickert und Geld verpufft“, sagte Steiners den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Nach seiner Einschätzung liegen erhebliche Einsparpotenziale brach. „Wenn moderne Tests, digitale Systeme und innovative Medikamente konsequent eingesetzt würden, ließen sich bei den Krankenkassen Effizienzpotenziale von über 20 Milliarden Euro pro Jahr heben.“ Diese Summe ist ambitioniert und entspricht dem angepeilten Ziel der Bundesministerin mit ihrer Reform.
Ganzheitlicher Blick fehlt
Steiners, der auch stellvertretender Präsident des Verbands forschender Arzneimittelhersteller ist, kritisiert die Reform als zu einseitig. „Es fehlt ein ganzheitlicher Blick.“ In Deutschland existieren nach wie vor 93 Gesetzliche Krankenkassen und 17 Kammerbezirke, was zu Komplexität und Ineffizienz führe. Für Roche Pharma, die deutsche Tochter des globalen Pharmariesen Roche, sind dies klare Bremsen.
Politische Zickzack-Kurse
Auch die mangelnde Verlässlichkeit der Bundesregierung bemängelt der Pharmachef. Erst vor wenigen Monaten habe man im Kanzleramt über die Rolle der Pharmabranche als Leitindustrie zur Überwindung der wirtschaftlichen Krise diskutiert. Die Forderung sei damals klar gewesen: Planungssicherheit statt Subventionen. „Anstatt die zugesagten Weichen für einen international wettbewerbsfähigen Standort zu stellen, diskutieren wir nun neue Belastungen“, klagt Steiners. „Politische Ankündigungen und Taten dürfen sich in Deutschland nicht weiter entkoppeln.“
Warnung vor Deindustrialisierung
Die Konsequenzen dieses Kurses könnten gravierend sein. Steiners droht mit dem Abzug der Pharmaindustrie aus Deutschland. „Wenn jetzt keine industriepolitische Gesamtstrategie folgt, wird Deutschland auch diesen Industriezweig an andere Länder verlieren – so wie wir bereits wichtige Industrien verloren haben.“ Die aktuellen Pläne seien nichts weniger als eine „Deindustrialisierung auf Raten“.

