Vorläufiges Endergebnis

Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: Grüne gewinnen knapp vor CDU – SPD erlebt historisches Debakel

Sitzung im Parlament mit Abgeordneten in Anzügen und moderner Architektur.

Ein Wahlabend voller Spannung im Südwesten: Die Grünen liegen am Ende knapp vor der CDU. Die AfD wird drittstärkste Kraft. Besonders bitter verläuft die Wahl für die SPD, die massiv verliert. FDP und Linke scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde und verpassen den Einzug in den Landtag.

Baden-Württemberg hat gewählt – und der Wahlabend entwickelte sich zu einem echten Krimi. Noch Stunden nach Schließung der Wahllokale war unklar, welche Partei am Ende tatsächlich vorne liegen würde. Prognosen und Hochrechnungen sahen zunächst die Grünen teils deutlich vor der CDU, doch im Verlauf des Abends schrumpfte dieser Vorsprung immer weiter.

Am Ende stand dennoch ein knapper Sieg der Grünen fest. Nach dem vorläufigen Endergebnis erreichen sie 30,2 Prozent der Stimmen. Die CDU folgt mit 29,7 Prozent knapp dahinter. Beide Parteien kommen auf jeweils 56 Mandate im neuen Landtag.

Damit haben die Grünen die Wahl zwar gewonnen, doch die Kräfteverhältnisse im Parlament bleiben äußerst eng.

Stimmenanteile
Grüne
30,2%
-2,4
CDU
29,7%
+5,6
AfD
18,8%
+9,1
SPD
5,5%
-5,5
Linke
4,4%
+0,8
FDP
4,4%
-6,1
Sonstige
7,0%
-0,6
Wahlbeteiligung: 69,6 %
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Stand: 09.03.2026, 02:26

AfD legt deutlich zu – SPD bricht ein

Drittstärkste Kraft wird die AfD, die mit 18,8 Prozent ein deutlich besseres Ergebnis erzielt als bei der vorherigen Wahl. Damit kann die Partei ihr Ergebnis nahezu verdoppeln und nähert sich erstmals der Marke von 20 Prozent in Baden-Württemberg.

Für die SPD verläuft der Wahlabend dagegen äußerst enttäuschend. Mit 5,5 Prozent gelingt ihr zwar noch knapp der Einzug in den Landtag, doch es handelt sich um das schlechteste Ergebnis der Partei in der Geschichte der baden-württembergischen Landtagswahlen. Im Vergleich zur Wahl 2021 halbiert sich ihr Stimmenanteil nahezu.

Noch schlechter fällt das Ergebnis für FDP und Linke aus. Beide Parteien erreichen jeweils 4,4 Prozent der Stimmen und bleiben damit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Sie werden im neuen Landtag nicht vertreten sein.

Nur noch vier Fraktionen im Parlament

Durch das Ausscheiden von FDP und Linken wird der 18. Landtag von Baden-Württemberg künftig nur noch aus vier Fraktionen bestehen:

  • Grüne
  • CDU
  • AfD
  • SPD

Ein Parlament mit nur vier Fraktionen gab es zuletzt in der Legislaturperiode von 2011 bis 2016.

Der Landtag wird künftig 157 Abgeordnete umfassen. Damit wächst das Parlament im Vergleich zur vorherigen Legislaturperiode um drei Sitze.

Bemerkenswert ist außerdem der hohe Anteil an Stimmen, die künftig nicht im Landtag vertreten sein werden. Da FDP, Linke und kleinere Parteien zusammen rund 16 Prozent der Stimmen erhielten, bleibt ein erheblicher Teil der Wählerstimmen ohne parlamentarische Repräsentation.

Unterschiedliches Bild bei Erst- und Zweitstimmen

Ein Blick auf die Erststimmen zeigt ein anderes Bild als das endgültige Wahlergebnis. Hier liegt die CDU mit 34,3 Prozent klar vorne, während die Grünen lediglich 25,5 Prozent erreichen.

Das liegt vor allem an der geografischen Verteilung der Stimmen. Die CDU gewinnt besonders viele Wahlkreise in ländlich geprägten Regionen Baden-Württembergs. Die Grünen hingegen erzielen ihre stärksten Ergebnisse in großen Städten und dicht besiedelten Ballungsräumen wie Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim oder Freiburg.

Ein Sonderfall ist die AfD, die ihr einziges Direktmandat im Wahlkreis Mannheim I gewinnt.

Für die Sitzverteilung im Landtag sind jedoch die Zweitstimmen entscheidend.

Karte von Baden-Württemberg mit Wahlkreisbewerbungen für die Landtagswahl 2026.

Vorläufiges Ergebnis der Landtagswahlbewerbungen in Baden-Württemberg 2026.

Zwei Wege ins Parlament: Direktmandat und Landesliste

Seit der Wahl 2026 gilt bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg erstmals ein Zwei-Stimmen-System, ähnlich wie bei Bundestagswahlen.

Damit gibt es zwei Wege in den Landtag:

Direktmandat:
Mit der Erststimme wählen die Bürgerinnen und Bürger einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus ihrem Wahlkreis. Wer dort die meisten Stimmen erhält, zieht direkt in den Landtag ein.

Landesliste:
Mit der Zweitstimme entscheiden die Wähler über die Stärke der Parteien im Landtag. Je nach Stimmenanteil erhalten die Parteien zusätzliche Mandate, die über ihre Landeslisten vergeben werden.

Das Ergebnis dieser Wahl zeigt ein auffälliges Muster:

  • Alle CDU-Abgeordneten ziehen über Direktmandate in den Landtag ein.
  • Die meisten Abgeordneten der Grünen kommen über die Landesliste.
  • Auch sämtliche SPD-Mandate stammen aus der Landesliste.
  • Viele AfD-Abgeordnete gelangen ebenfalls über die Landesliste ins Parlament.

Diese Politiker gewinnen ihren Wahlkreis

Zu den direkt gewählten Abgeordneten gehören unter anderem:

GebietGewählte PersonParteiStimmenAnteil
01 – Stuttgart IAras, MuhteremGRÜNE34.35046,9 %
02 – Stuttgart IIÖzdemir, CemGRÜNE33.00547,9 %
03 – Stuttgart IIIHildenbrand, OliverGRÜNE17.72430,3 %
04 – Stuttgart IVOlschowski, PetraGRÜNE19.66833,6 %
05 – BöblingenDvořák-Vučetić, ReginaCDU26.81330,6 %
06 – LeonbergStickel, AlbrechtCDU33.43134,8 %
07 – EsslingenDeuschle, AndreasCDU27.20034,2 %
08 – KirchheimDr. Pfau-Weller, NatalieCDU32.29636,7 %
09 – NürtingenSteege, MarenCDU30.70433,7 %
10 – GöppingenSchweizer, SarahCDU24.01138,5 %
11 – GeislingenRazavi, NicoleCDU25.52440,9 %
12 – LudwigsburgTietze, LukasCDU28.10532,8 %
13 – VaihingenEpple, KonradCDU31.01636,6 %
14 – Bietigheim-BissingenVogt, TobiasCDU34.33637,5 %
15 – WaiblingenLorek, SiegfriedCDU25.77535,0 %
16 – SchorndorfGehring, ChristianCDU24.15234,1 %
17 – BacknangDr. Steinat, JensCDU23.00634,5 %
18 – HeilbronnStrobl, ThomasCDU19.08830,6 %
19 – EppingenDr. Preusch, MichaelCDU26.81435,3 %
20 – NeckarsulmHuber, IsabellCDU27.06534,4 %
21 – HohenloheDr. Breitkreuz, TimCDU27.16638,8 %
22 – Schwäbisch HallRathgeb, IsabellCDU31.57337,2 %
23 – Main-TauberDr. Reinhart, WolfgangCDU29.10341,6 %
24 – HeidenheimKolb, MichaelCDU17.62429,0 %
25 – Schwäbisch GmündBückner, TimCDU29.68339,0 %
26 – AalenMack, WinfriedCDU36.83942,6 %
38 – Neckar-OdenwaldHauk, PeterCDU28.80339,2 %
27 – Karlsruhe IDr. Leidig, UteGRÜNE29.15539,9 %
28 – Karlsruhe IIBauer, BenjaminGRÜNE26.91739,3 %
29 – BruchsalDr. Schwarz, ThorstenCDU27.07735,1 %
30 – BrettenMayr, AnsgarCDU28.34634,5 %
31 – EttlingenSaladino, LorenzoCDU23.93935,1 %
32 – RastattDr. Becker, AlexanderCDU25.46934,7 %
33 – Baden-Badenvon Loga, CorneliaCDU21.93437,0 %
34 – HeidelbergKollmann, FlorianGRÜNE28.22839,1 %
35 – Mannheim IDr. Pepperl, BernhardAfD11.36522,3 %
36 – Mannheim IIZimmer, ElkeGRÜNE21.31232,4 %
37 – WieslochStaab, ChristianeCDU23.75034,6 %
39 – WeinheimDr. Schneider, BastianCDU25.44533,0 %
40 – SchwetzingenSturm, AndreasCDU21.02734,1 %
41 – SinsheimDr. Schütte, AlbrechtCDU22.80733,2 %
42 – PforzheimRenner, AndreasCDU16.18731,0 %
43 – CalwHirsch, Carl ChristianCDU29.62437,6 %
44 – EnzGunzelmann, NicoCDU28.04631,2 %
45 – FreudenstadtSchindele, KatrinCDU25.07041,5 %
46 – Freiburg IEvers, DanielaGRÜNE34.50735,6 %
47 – Freiburg IISaint-Cast, NadyneGRÜNE34.25837,8 %
48 – BreisgauDr. Rapp, PatrickCDU34.25736,4 %
49 – EmmendingenWernet, StefanieCDU30.56133,9 %
50 – LahrGentges, MarionCDU28.71338,8 %
51 – OffenburgSchebesta, VolkerCDU26.42839,0 %
52 – KehlDr. Merkel, KatrinCDU24.24734,1 %
53 – RottweilTeufel, StefanCDU27.04737,7 %
54 – Villingen-SchwenningenBraun, AndreasCDU25.20132,0 %
55 – Tuttlingen-DonaueschingenWolf, GuidoCDU31.66738,6 %
56 – KonstanzErikli, NeseGRÜNE26.35736,8 %
57 – SingenStetter, ChristophCDU24.25936,2 %
58 – LörrachHagmann, SarahGRÜNE22.11427,4 %
59 – WaldshutHerzog, SimonCDU26.29433,3 %
60 – ReutlingenDr. Menton, MaximilianCDU30.87434,0 %
61 – Hechingen-MünsingenHailfinger, ManuelCDU32.98538,5 %
62 – TübingenLede Abal, DanielGRÜNE35.47134,7 %
63 – BalingenDr. Hoffmeister-Kraut, NicoleCDU34.95442,9 %
64 – UlmSchneider, MarioCDU28.17333,3 %
65 – EhingenHagel, ManuelCDU36.49947,1 %
66 – BiberachDörflinger, ThomasCDU45.13046,4 %
67 – BodenseeDr. Bruns, AlexanderCDU29.15631,7 %
68 – WangenHaser, RaimundCDU39.17243,7 %
69 – RavensburgRommelspacher, AntjeCDU34.14538,4 %
70 – SigmaringenBoos, IlonaCDU29.18443,1 %
  • Muhterem Aras (Grüne) – Wahlkreis Stuttgart I
  • Cem Özdemir (Grüne) – Wahlkreis Stuttgart II
  • Oliver Hildenbrand (Grüne) – Wahlkreis Stuttgart III
  • Petra Olschowski (Grüne) – Wahlkreis Stuttgart IV
  • Regina Dvořák-Vučetić (CDU) – Wahlkreis Böblingen

Insgesamt ziehen 70 Kandidatinnen und Kandidaten über Direktmandate in den Landtag ein.

Abgeordnete über die Landeslisten

Neben den direkt gewählten Kandidaten gelangen viele Abgeordnete über die Landeslisten der Parteien in den Landtag.

Grüne Landesliste (Auswahl)

  • Thekla Walker
  • Andreas Schwarz
  • Sandra Boser
  • Pascal Haggenmüller
  • Petra Krebs

SPD Landesliste (Auswahl)

  • Andreas Stoch
  • Dr. Dorothea Kliche-Behnke
  • Sascha Binder
  • Viviane Sigg
  • Dr. Stefan Fulst-Blei

AfD Landesliste (Auswahl)

  • Emil Sänze
  • Martin Rothweiler
  • Anton Baron
  • Daniel Lindenschmid
  • Dennis Klecker

Wahlbeteiligung steigt deutlich

Auch die Wahlbeteiligung ist ein wichtiger Punkt dieser Wahl. Rund 69,6 Prozent der Wahlberechtigten nahmen an der Landtagswahl 2026 teil.

Damit liegt die Beteiligung deutlich über der Wahl von 2021, als sie im Corona-Jahr nur 63,8 Prozent betrug.

Mehr als 5,4 Millionen Menschen gaben ihre Stimme ab. Erstmals durften dabei auch 16- und 17-Jährige an einer Landtagswahl teilnehmen.

Regierungsbildung: Fortsetzung von Grün-Schwarz wahrscheinlich

Politisch deutet vieles darauf hin, dass die bisherige Landesregierung aus Grünen und CDU weiterregieren könnte. Rechnerisch hätte diese Koalition erneut eine stabile Mehrheit im Landtag.

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel räumte noch in der Wahlnacht die Niederlage ein. Der Auftrag zur Regierungsbildung liege nun bei den Grünen.

Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss die CDU erneut aus.

Die kommenden Wochen werden nun zeigen, ob die bisherige Koalition fortgesetzt wird oder ob sich neue politische Konstellationen ergeben.