Gassen sieht 50 Tage als neue Normalität

Kassenärzte warnen vor dramatischen Wartezeiten nach drohenden Kürzungen

Kassenärzte warnen vor dramatischen Wartezeiten nach drohenden Kürzungen

Ärztehaus (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Scharfe Kritik von Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), an den Plänen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Werden die Kürzungen der Expertenkommission umgesetzt, drohen gesetzlich Versicherten deutlich längere Wartezeiten auf Facharzttermine. Gassen befürchtet, dass die aktuelle Wartezeit von 42 Tagen im kommenden Jahr auf über 50 Tage ansteigen könnte.

Drohende Honorarkürzungen schlagen durch

Die Warnung kommt direkt von der Spitze der Kassenärzte: Drastische Honorarkürzungen für niedergelassene Ärzte würden sich unmittelbar auf die Versorgung der Patienten auswirken. KBV-Chef Andreas Gassen rechnet damit, dass Patienten bald 50 Tage und länger auf einen Facharzttermin warten müssen, sollte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) den Empfehlungen einer Expertenkommission folgen. Erst im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Wartezeit bei 42 Tagen für gesetzlich Versicherte.

Millionen Termine fallen weg

Gassen argumentiert, dass bereits jetzt 40 Millionen Facharzttermine aufgrund eines bestehenden Kostendeckels nicht abgerechnet werden können. Bei einer Streichung von Zuschlägen, die Terminservicestellen und Hausärzte vermitteln, würden Praxen nur noch Termine anbieten, die auch tatsächlich bezahlt werden. Das bedeutet einen Wegfall von etwa jedem elften Termin.

„Das werden die Patienten binnen weniger Wochen natürlich merken“, so Gassen. Er könne sich nicht vorstellen, dass Ärzte einfach weitermachen, wenn ihnen über eine Milliarde Euro gestrichen werden, anstatt alle erbrachten Leistungen zu vergüten.

Zuschläge waren Anreiz

Die Expertenkommission und der Bundesrechnungshof hatten argumentiert, dass die Zuschlagsregelung für Versicherte keinen Nutzen gebracht habe. Gassen widerspricht entschieden. „Die Fachärzte haben in den vergangenen Jahren natürlich deutlich mehr Termine angeboten, weil es sich durch die Zuschläge finanziell gelohnt hat“, erklärte er. „Aber wir erleben, dass der gefühlte Bedarf eigentlich nicht zu stillen ist. Behandeln wir einen neuen Patienten, wartet schon der nächste auf einen schnellen Termin.“

Er räumte ein, dass es unmöglich sei, den Bedarf – oder besser: das subjektive Bedürfnis – zu befriedigen.

Drei-Wochen-Garantie ist „Bullshit“

Gassen schoss scharf gegen die von SPD-Fraktionschef Matthias Miersch geforderte Termingarantie von drei Wochen. „Die medizinische Notwendigkeit muss die Terminvergabe bestimmen und nicht willkürlich von der Politik aus Wählerappeasement gesetzte Fristen“, mahnte er. Stattdessen müsse klar definiert werden, was unter Dringlichkeit zu verstehen ist. Laut KBV falle nur ein „wirklich sehr kleiner Prozentsatz aller Termine“ unter diese Kategorie, die oft innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen behandelt werden müsse. „Die große Mehrheit kann aus medizinischer Sicht auch mehrere Wochen oder Monate warten. Wer Rückenschmerzen hat, muss nicht morgen untersucht werden, wenn er die Beschwerden schon seit drei Jahren hat“, betonte der KBV-Chef.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

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