Rohstoffsverknappung droht

Iran-Krise verschärft Chemie-Sorgen

Eine Chemiefabrik im späten Nachmittagslicht. Archivbild, via dts Nachrichtenagentur

Die Chemieindustrie blickt mit Sorge auf die Entwicklungen im Nahen Osten. Markus Steilemann, Vorstandschef von Covestro, rechnet durch die Iran-Krise mit einer deutlichen Verschärfung der Engpässe bei wichtigen Rohstoffen. Nicht nur aktuelle Lieferwege könnten gestört werden, auch die langfristigen Folgen für globale Wertschöpfungsketten seien besorgniserregend.

Warnung vor schlimmerem Szenario

Die geopolitische Lage im Nahen Osten sorgt für wachsende Nervosität in der deutschen Chemieindustrie. Markus Steilemann, oberster Chef des Kunststoffkonzerns Covestro und Präsident des Chemieverbands VCI, sieht die Gefahr einer noch stärkeren Verknappung von Rohstoffen. „Wir sind noch nicht im schlimmsten Szenario“, sagte Steilemann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Aktuell würden über Pipelines ins Rote Meer oder Landtransporte zwar noch geringe Mengen zur Verfügung stehen. Doch falls auch diese Wege unterbrochen würden, „eskaliert die Versorgungslage weiter“.

Mangelnde Verfügbarkeit treibt Preise

Die Folgen von möglichen Versorgungsengpässen werden laut Steilemann oft erst mit Verzögerung sichtbar. In einzelnen Bereichen seien aber bereits jetzt deutlich stärkere Verknappungen zu erwarten, schlimmstenfalls sogar temporäre Ausfälle bestimmter Chemikalien. paradoxerweise profitieren Unternehmen wie Covestro von dieser Entwicklung. Nicht, weil die Produktionsanlagen nicht ausgelastet wären, sondern schlicht wegen der mangelnden Verfügbarkeit. Steigende Preise für manche Rohstoffe seien eine direkte Folge der schwierigen Zugangslage.

Asien leidet bereits

Länder wie Japan und Südkorea seien bereits jetzt stark betroffen. Sie erhielten kaum noch physische Rohstoffe aus Öl und Gas und könnten daher nur eingeschränkt exportieren. Manche Staaten würden aktuell sogar nur noch für den eigenen Bedarf produzieren, erklärte der Covestro-Vorstand. Für einige wenige Produkte prüft das Unternehmen bereits alternative Lieferketten. „Oft sind es kleine Mengen mit großem Effekt“, so Steilemann. Als Beispiel nannte er Flammschutzmittel: Fehlen diese, sei ein Produkt nicht in der gewünschten Qualität lieferbar und somit faktisch unverkäuflich.

Indirekte Folgen belasten Wirtschaft

Die langfristig spürbaren Auswirkungen dürften aber vor allem indirekter Natur sein, so Steilemann. Er sieht verunsicherte Konsumenten, anhaltenden Inflationsdruck und steigende Arbeitsplatzverluste. Dies belaste die Nachfrage, da die Einkommen schrumpfen. „Das trifft dann die Zulieferindustrie und in der Folge die chemische Industrie. Am schärfsten werden Deutschland und Europa betroffen sein.“

Strategische Reserven gefordert

Steilemann fordert daher, bestimmte strategisch wichtige Wertschöpfungsketten zur Stärkung der Resilienz zumindest als Reserve in Deutschland zu halten. Dazu zählten etwa Medikamente, Antibiotika, Agrarprodukte, Wasseraufbereitungschemikalien und Basischemikalien. „Das lohnt sich eigentlich nicht in Deutschland, eindeutig nicht – und dennoch müssen wir es tun.“ Internacional gebe es Wettbewerber, die diesen Handlungsdruck nicht spürten. Deutschland müsse daher konsequent auf hochinnovative Produkte setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

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