Kommunen und Hochschulen besonders im Fokus
Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg bewertet die Bedrohungslage im Land weiterhin als hoch. Ihr neuer Jahresbericht für 2025 zeigt deutlich mehr registrierte IT-Sicherheitsvorfälle und sicherheitsrelevante Ereignisse. Besonders häufig trafen die Aktivitäten von Cybercrime-Gruppen Kommunen, Hochschulen und andere öffentliche Einrichtungen.
Die Zahl der Fälle bei Landkreisen, Städten, Gemeinden und kommunalen Unternehmen nahm nach Angaben der Landesregierung um fast 50 Prozent zu. Bei Hochschulen, Universitäten und vergleichbaren Einrichtungen stieg die Zahl der minderschweren Fälle um mehr als 160 Prozent. Da für Kommunen und Unternehmen keine allgemeine Meldepflicht besteht, dürfte die tatsächliche Zahl höher liegen.
Phishing und Passwortdiebstahl legen deutlich zu
Besonders auffällig entwickelte sich die Zahl bestimmter Angriffsformen. Die Cybersicherheitsagentur registrierte bei gefälschten Online-Shops einen Zuwachs um 1.230 Prozent. Phishing-Angriffe nahmen um 320 Prozent zu, bei kompromittierten Passwörtern und Benutzerkonten lag das Plus bei 230 Prozent.
Zu den schwerwiegenden Fällen zählten laut Bericht ein erfolgreicher Angriff auf den Online-Shop einer Landesinstitution sowie die teilweise erfolgreiche Kompromittierung des Netzwerks einer Hochschule. Außerdem wurden erfolgreiche Ransomware-Angriffe auf drei Schulen und zwei Kommunen erfasst. Die Verschlüsselung von Systemen schränkte die Arbeitsfähigkeit teilweise erheblich ein.
Cyber-Ersthilfe erhält mehr als doppelt so viele Meldungen
Bei der Cyber-Ersthilfe Baden-Württemberg gingen 2025 insgesamt 327 Meldungen per Telefon, E-Mail oder Kontaktformular ein. Im Vorjahr waren es 159. Über ihr Cybermonitoring informierte die Agentur 249 Betroffene über Funde im Darknet; 2024 waren es 90.
Die Behörde beziffert die durch schnelleres Reagieren und vermiedene Schäden geschützte Summe auf rund 24 Millionen Euro. Zudem führte sie 38 Schwachstellenscans durch. IT-Sicherheitsanalysen in Kommunen und Landkreisen erreichten Gebiete mit insgesamt knapp 3,6 Millionen Einwohnern.
Künstliche Intelligenz erleichtert Angriffe
Nach Einschätzung der Cybersicherheitsagentur senken technische Entwicklungen die Hürden für Angreifer. Mit künstlicher Intelligenz erstellte Phishing-Nachrichten werden demnach häufiger und überzeugender. Dadurch könne die Erfolgsquote krimineller Kampagnen steigen.
Gleichzeitig weist die Behörde darauf hin, dass höhere Fallzahlen nicht ausschließlich eine tatsächliche Zunahme der Angriffe abbilden. Verbesserte Erkennung, ausgeweitetes Monitoring und eine größere Bereitschaft zur Meldung tragen ebenfalls dazu bei, dass mehr Vorfälle erfasst werden.