Bislang waren Abschiebungen nach Afghanistan nur in Ausnahmefällen möglich. Doch nun soll offenbar ein regulärer Abschiebemechanismus etabliert werden – und das in direkter Abstimmung mit den Taliban, die seit Sommer 2021 die Macht in Kabul ausüben.
Geheimgespräche mit Taliban in Katar
Nach Informationen der „Bild“ haben Vertreter des Bundesinnenministeriums bereits Anfang September Gespräche mit den Taliban in Katar geführt. Ziel sei es, eine ständige und verlässliche Rückführungsstruktur aufzubauen.
Derzeit werde sogar geprüft, deutsche Regierungsvertreter direkt nach Kabul zu entsenden, um die Verhandlungen vor Ort mit den Taliban fortzuführen. Die Gespräche sollen dabei durch Vertreter Katars vermittelt werden, die seit Jahren als diplomatische Mittler zwischen westlichen Staaten und den Taliban auftreten.
Rückkehr per Linienflug statt Chartermaschinen
Eine weitere Neuerung: Abschiebungen sollen künftig nicht mehr nur mit speziellen Charterflügen erfolgen, sondern verstärkt per regulären Linienflug. Dadurch könnten deutlich häufiger und flexibler Personen abgeschoben werden, ohne auf aufwendige Sammelrückführungen angewiesen zu sein.
Das würde einen Paradigmenwechsel in der deutschen Abschiebepraxis gegenüber Afghanistan bedeuten.
Bisher nur zwei Abschiebeflüge seit Taliban-Machtübernahme
Seit der Machtübernahme der islamistischen Taliban im Sommer 2021 wurden aus Deutschland nur zwei Abschiebeflüge nach Afghanistan durchgeführt:
- Herbst 2024: 28 afghanische Schwerstkriminelle
- Juli 2025: 81 afghanische Schwerstkriminelle
Mit der geplanten Ausweitung würde sich die Zahl der Rückführungen deutlich erhöhen – was rechtlich, sicherheitspolitisch und gesellschaftlich äußerst umstritten ist.
Fazit: Noch ist offiziell nichts beschlossen. Doch sollte das Bundesinnenministerium seine Pläne umsetzen, könnten bald wieder regelmäßig Afghanen aus Deutschland abgeschoben werden – erstmals seit Jahren in größerem Stil.



