Mehr Zuwanderung nötig

Bundesagentur für Arbeit: Angestellte kommen kaum noch aus Deutschland

Foto: Bundesagentur für Arbeit (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Die Erwerbsbevölkerung in Deutschland schrumpft spürbar, auch die Zuwanderung aus Osteuropa nimmt ab. Immer mehr Arbeitsplätze werden durch Menschen aus Nicht-EU-Ländern besetzt. Ein BA-Vorstand fordert nun, Englisch als Arbeitssprache stärker zu etablieren, um internationale Fachkräfte besser zu integrieren.

Beschäftigungswachstum nur durch Zuwanderer

Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland steigt nur noch dank Zuwanderern aus Nicht-EU-Ländern. Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), erklärte, dass die Beschäftigung nicht mehr durch Deutsche oder Europäer wachse. Die Erwerbsbevölkerung schrumpfe aus demografischen Gründen spürbar, gleichzeitig gehe die Zuwanderung aus osteuropäischen EU-Staaten zurück.

Länder wie Polen und Tschechien verzeichnen eine niedrige Arbeitslosigkeit und starkes Wachstum. Sie werben inzwischen aktiv um eigene Arbeitskräfte, wodurch weniger Menschen nach Deutschland kommen. Terzenbach sprach von einem „Wendepunkt“, da die deutsche Beschäftigung demografisch bedingt schrumpfe, zuletzt um etwa 250.000 Deutsche pro Jahr.

Kritik am „Job-Turbo“

Terzenbach äußerte sich kritisch zu jüngsten Änderungen am „Job-Turbo“ für Geflüchtete. Das Instrument sollte eine schnelle Arbeitsaufnahme mit begleitender Qualifizierung ermöglichen. Nun landen neu Ankommende zunächst im Asylbewerberleistungssystem, was das Tempo reduziere. „Wir haben es der Bundesregierung nicht empfohlen“, so Terzenbach. Die Aufsplittung von Zuständigkeiten mache die Abläufe langsamer und bürokratischer.

Englisch als Arbeitssprache

Der BA-Vorstand plädiert dafür, Englisch in Betrieben als selbstverständliche Zweitsprache zu akzeptieren. Dies würde das Tempo und den Pragmatismus bei der Integration internationaler Fachkräfte erhöhen. „Sprache darf nicht zur künstlichen Hürde werden“, betonte Terzenbach. Man solle sich mittel- und langfristig breiter aufstellen und Englisch als Arbeitssprache gesellschaftlich akzeptieren. Schon heute sollten Kinder früh Englisch lernen, um später im Job damit umgehen zu können.

Jugendliche ohne Abschluss

Sorge bereitet dem BA-Vorstand die hohe Abbrecherquote an Schulen. Im vergangenen Jahr verließen 62.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Jeder fünfte Absolvent, überwiegend Männer, beginnt nach der Schule mit Helferjobs, was einen Lock-in-Effekt ohne spätere Ausbildung zur Folge habe. Die BA setzt daher auf Social-Media-Formate, um Jugendliche besser zu erreichen. Geforderte Honorare für Influencer seien aber teils unverhältnismäßig.

Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt