Pflegende Angehörige: Hoher Einsatz, wenig Beachtung

Berlin: Milliarden für pflegende Angehörige gezahlt

Foto: Seniorin mit Helferin (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Die Pflegekassen haben 2024 über 4,2 Milliarden Euro an Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige gezahlt, ein deutlicher Anstieg innerhalb eines Jahrzehnts. Dieser Beitrag würdigt das immense Engagement vieler, die zu Hause pflegen und sicherten ihre Rentenansprüche ab.

Die alternde Gesellschaft in Deutschland führt zu einem steigenden Bedarf an Pflege, der zunehmend von Angehörigen gedeckt wird. Aktuelle Zahlen der Deutschen Rentenversicherung belegen dies eindrucksvoll: Im Jahr 2024 beliefen sich die von den Pflegekassen an die Rentenversicherung gezahlten Beiträge für pflegende Angehörige auf 4,2 Milliarden Euro. Zehn Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 983 Millionen Euro, was einen signifikanten Anstieg widerspiegelt, wie der „Tagesspiegel“ berichtet.

Jens Dirk Wohlfeil, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Rentenversicherung Bund, hob die Bedeutung dieses Engagements hervor: „Viele pflegende Angehörige leisten über Jahre hinweg einen enormen Einsatz, der in unserer Gesellschaft oft zu wenig gewürdigt wird.“ Er betonte weiter, dass die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung einen wesentlichen gesellschaftlichen Ausgleich für diese hingebungsvolle Arbeit darstellen.

Laut Statistischem Bundesamt werden in Deutschland aktuell über 4,9 Millionen Menschen zu Hause gepflegt, Tendenz steigend. Bei 3,1 Millionen dieser Personen übernehmen überwiegend Angehörige die Pflege. Wenn diese Pflegenden ihre berufliche Tätigkeit reduzieren, um die Pflege zu ermöglichen – sei es allein oder mit Unterstützung eines Pflegedienstes –, kann dies langfristig negative Auswirkungen auf ihre spätere Rentenhöhe haben. Um diese finanziellen Nachteile auszugleichen, zahlt die Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen Rentenbeiträge für die Pflegenden.

Die Daten zeigen auch eine klare Geschlechterverteilung: In den meisten Fällen sind es Frauen, die ihre Angehörigen pflegen und dafür ihren Beruf kürzertreten. Dies spiegelt sich in den Rentenversicherungsdaten wider: Für über eine Million Pflegende wurden zuletzt Rentenversicherungsbeiträge entrichtet, wobei 939.000 dieser Personen Frauen und lediglich 156.000 Männer waren.

Wohlfeil unterstrich die Notwendigkeit, das Bewusstsein für die unverzichtbare Rolle pflegender Angehöriger zu schärfen: „Es muss das Bewusstsein dafür gestärkt werden, wie bedeutend die Arbeit der pflegenden Angehörigen für das Gesundheits- und Sozialwesen insgesamt ist.“ Angesichts der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen sei es entscheidend, die Rentenansprüche der Pflegepersonen abzusichern. Die von den Pflegekassen geleisteten Beiträge tragen dazu bei, Altersarmut unter diesen Menschen vorzubeugen.

Am Dienstag fand in Berlin die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund statt, gefolgt von der Tagung der Bundesvertreterversammlung am Mittwoch, dem obersten Selbstverwaltungsorgans des Gesamtverbunds Deutsche Rentenversicherung. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) wurde für ein Grußwort erwartet.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)