Die Ausgangslage ist klar, aber gefährlich. Nach dem Sprint am Samstag führt Norris die WM mit 396 Punkten an, Piastri liegt mit 374 dahinter, Verstappen mit 371 knapp in Reichweite. Damit kann Norris bereits heute alles klar machen – wenn er Katar mit mindestens 26 Punkten Vorsprung verlässt. Der einfachste Weg dorthin wäre ein Sieg. Doch selbst ohne den Platz ganz oben auf dem Podium könnte es reichen, wenn er vor Verstappen und Piastri ins Ziel kommt.
Das Duell an der Spitze
Für McLaren ist die Situation ein Geschenk – und ein Risiko. Beide Autos stehen in der ersten Startreihe, Piastri auf der Pole, Norris daneben. Eine bessere Ausgangslage für das Team gibt es kaum, aber die Dynamik zwischen den Fahrern ist hochexplosiv. Beide wissen, dass ein Fehltritt alles kosten kann.
McLaren-Teamchef Andrea Stella mahnt zur Ruhe:
„Beide Fahrer haben freie Hand, solange sie sich an die Teamregeln halten.“
Das bedeutet: kein Risiko, keine Attacken, kein Chaos. Doch Norris hat unmissverständlich klargemacht, dass er keine Sekunde zögern wird, wenn sich eine Gelegenheit ergibt:
„Ich werde alles versuchen, um zu gewinnen.“
Piastri dagegen steht vor seiner größten Chance. Der Australier war im Sprint dominant und startet erstmals als Favorit in ein Hauptrennen. „Wir haben die Pace, um das Rennen zu gewinnen“, sagte er nach dem Qualifying mit jener kontrollierten Gelassenheit, die ihn in dieser Saison auszeichnet.
Verstappen: Ein Champion unter Druck
Und dann ist da Max Verstappen – der Mann, der selten verliert und noch seltener aufgibt. Doch der dreifache Weltmeister wirkt angeschlagen. Sein Red Bull kämpft mit Balanceproblemen, Untersteuern und Vibrationen auf der Hinterachse. „Wir sind noch weit weg, aber wir haben immer noch Limitierungen“, räumte Verstappen nach dem Sprint ein.
Von Startplatz drei muss der Niederländer alles riskieren, um sich im Titelrennen zu halten. Der Lusail Circuit ist allerdings kein Freund von Überholmanövern – die DRS-Zone ist kurz, der Asphalt schont die Reifen kaum. Verstappen weiß, dass er alles in die erste Runde legen muss. McLaren-Boss Zak Brown rechnet genau damit:
„Max wird alles geben. Seine beste Chance bietet sich in der ersten Kurve. Das wird ein interessanter Start.“
Was Brown „interessant“ nennt, könnte zum Wendepunkt der Saison werden. Denn wenn Norris und Piastri um die Führung kämpfen, könnte Verstappen als Dritter profitieren. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Niederländer genau in dem Moment zuschlägt, in dem andere zögern.
Startaufstellung für den Großen Preis von Katar
- Oscar Piastri (McLaren) – 1:19.387
- Lando Norris (McLaren) – +0.108
- Max Verstappen (Red Bull) – +0.264
- George Russell (Mercedes) – +0.275
- Andrea Kimi Antonelli (Mercedes) – +0.459
- Isack Hadjar (Racing Bulls) – +0.727
- Carlos Sainz (Williams) – +0.900
- Fernando Alonso (Aston Martin) – +1.031
- Pierre Gasly (Alpine) – +1.090
- Charles Leclerc (Ferrari) – +1.174
Fahrer-WM vor dem Katar-GP
- Lando Norris (McLaren) – 396 Punkte
- Oscar Piastri (McLaren) – 374 Punkte
- Max Verstappen (Red Bull) – 371 Punkte
- George Russell (Mercedes) – 288 Punkte
- Andrea Kimi Antonelli (Mercedes) – 244 Punkte
- Carlos Sainz (Williams) – 211 Punkte
- Charles Leclerc (Ferrari) – 198 Punkte
- Fernando Alonso (Aston Martin) – 190 Punkte
- Pierre Gasly (Alpine) – 162 Punkte
- Yuki Tsunoda (Red Bull) – 148 Punkte
So wird Lando Norris Weltmeister
Für Lando Norris ist die Rechnung einfach, aber nicht ohne Risiko. Der McLaren-Pilot führt die WM mit 396 Punkten an und hat zum ersten Mal die Chance, den Titel aus eigener Kraft zu holen. Der entscheidende Faktor: sein Vorsprung auf die Verfolger Oscar Piastri und Max Verstappen.
Der einfachste Weg zur Weltmeisterschaft wäre ein Sieg. Bleibt Norris vor beiden Rivalen, ist er automatisch Champion – unabhängig vom Ergebnis in Abu Dhabi. Doch es gibt auch mehrere Szenarien, in denen er ohne Rennsieg feiern darf.
Norris wird heute Weltmeister, wenn er:
- mindestens eine Position vor Verstappen ins Ziel kommt
- und mindestens zwei Plätze vor Piastri landet
- oder Achter wird, falls Piastri nicht in die Punkte fährt
Entscheidend ist der Vorsprung nach dem Rennen: 26 Punkte Abstand auf den Zweitplatzierten reichen, um rechnerisch uneinholbar zu sein.
Sollte Piastri hingegen vor ihm landen, verschiebt sich die Entscheidung automatisch nach Abu Dhabi.
Im Klartext: Norris muss kontrolliert fahren, aber zugleich aggressiv genug sein, um die beiden McLaren an der Spitze voneinander zu trennen. In einem Rennen, das kaum Überholmöglichkeiten bietet, könnte schon der Start über Triumph oder Nervenschlacht entscheiden.
Konstrukteurs-WM
- McLaren – 770 Punkte
- Red Bull Racing – 624 Punkte
- Mercedes – 532 Punkte
- Williams – 322 Punkte
- Ferrari – 309 Punkte
- Aston Martin – 285 Punkte
- Alpine – 257 Punkte
- Racing Bulls – 231 Punkte
- Sauber – 132 Punkte
- Haas – 99 Punkte
Teaminteresse gegen Fahrerstolz
McLaren steckt in einem Dilemma. Einerseits könnte man mit einer stabilen Doppelspitze die WM absichern. Andererseits ist die Versuchung groß, Piastri und Norris frei fahren zu lassen – im Sinne des Sports, aber gegen das Prinzip der Vorsicht. Teamchef Stella will Vertrauen zeigen. „Beide wissen, was auf dem Spiel steht“, sagte er.
Doch im Fahrerlager weiß man: Sobald die Lichter ausgehen, zählen keine Absprachen mehr. Zwei ehrgeizige Piloten, ein Titel, eine Kurve – die Rechnung ist einfach, das Risiko immens.
Die Launen der Technik
Auch technisch birgt der Katar-GP Tücken. Wegen Sicherheitsvorgaben dürfen die Reifen höchstens 25 Runden halten, was taktische Varianten fast unmöglich macht. Es wird ein Sprint über 57 Runden, bei dem jeder Fehler sofort bestraft wird. Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko sprach vor dem Rennen von „einer potenziellen Chaostheorie“: zwei Stopps, viele Variablen – und vielleicht ein unerwarteter Ausgang.
Verstappen kennt solche Szenarien. Oft war er in der Lage, ein Rennen zu drehen, das schon verloren schien. Aber diesmal hat er es mit zwei Fahrern zu tun, die nicht nur schneller, sondern auch mental stabiler wirken als je zuvor.
Der Zeitplan und die Übertragung
Das Rennen startet um 17.00 Uhr MEZ und wird live auf Sky Sport F1, WOW und ORF 1 übertragen. RTL zeigt den GP nicht im Free-TV.
Das große Finale beginnt
Für Lando Norris ist es die Chance seines Lebens. Noch nie stand er so kurz vor dem Titel. Für Piastri ist es die Gelegenheit, den Mentor zu überholen. Und für Verstappen die letzte Gelegenheit, die Saison zu retten.
Wenn die roten Lichter erlöschen, geht es um weit mehr als Punkte oder Trophäen. Es geht um Ehre, um Kontrolle, um den Beweis, wer in dieser Generation der Beste ist.
Und vielleicht, ganz am Ende dieses Abends, um einen neuen Weltmeister.


