36 Konten betroffen – Reise-Daten als Grund

Wirtschaftsministerium: E-Mail-Durchsuchung weit­rei­chen­der als bekannt

Wirtschaftsministerium: E-Mail-Durchsuchung weit­rei­chen­der als bekannt

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin (Archiv). Foto: dts Nachrichtenagentur

Die Durchleuchtung von E-Mail-Konten im Bundeswirtschaftsministerium hat offenbar deutlich mehr Mitarbeiter betroffen als bisher eingeräumt. Statt eines Einzelfalls wurden 36 Konten von 27 Personen durchsucht. Anlass war demnach nicht das Bekanntwerden von Gesetzentwürfen, sondern die Herausgabe von Daten im Zusammenhang mit einer Reise der Ministerin.

36 Konten durchsucht

Die Überprüfung von E-Mail-Konten im Bundeswirtschaftsministerium weitete sich offenbar auf fast vier Dutzend Mitarbeiter aus. Wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen mitteilte und der „Spiegel“ darüber berichtet, wurden am 28. und 29. Januar insgesamt 36 Konten durchkämmt. Dies betraf 27 Beschäftigte.

Zuvor war im Ministerium lediglich von einem isolierten Vorfall die Rede gewesen.

Reise-Daten als Anlass

Der Grund für die Maßnahme war nicht wie anfangs vermutet das Leck von Gesetzentwürfen. Staatssekretär Frank Wetzel erklärte in der Antwort, es gehe vielmehr um die „Herausgabe personenbezogener Daten“ und „Geschäftsgeheimnisse Dritter“ im Rahmen einer Reise von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Zuvor waren vertrauliche Informationen über die Nahostreise der Ministerin Ende Januar an die Öffentlichkeit gelangt.

Nur Metadaten unter der Lupe

Wetzel betonte, dass die Inhalte einzelner E-Mails nicht ausgelesen wurden. Stattdessen sei eine Auswertung von Metadaten erfolgt – dazu zählen Absender, Empfänger, Betreff sowie Datum und Uhrzeit. Die betroffenen Mitarbeiter wurden am 5. Februar über die Überprüfungen informiert.

Kritik von den Grünen

Ministerin Reiche war laut Wetzel persönlich in die Durchsuchungsaktion eingebunden. Die Maßnahme sei auf Anweisung der Staatssekretäre erfolgt, nachdem entsprechende Beratungen mit der Hausleitung stattgefunden hätten. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Michael Kellner äußerte sich scharf: „Bespitzelung, Rauswürfe und Strafversetzungen sind anscheinend die Führungsmethoden der Ministerin.“ Er sprach von „toxischem Führungsverhalten“.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

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