Politische Wunschträume vs. wirtschaftliche Fakten
Die jüngste Aussage von Kanzler Friedrich Merz, dass 80 Prozent der derzeit in Deutschland lebenden Syrer innerhalb der nächsten drei Jahre in ihre Heimat zurückkehren sollen, stößt bei führenden Wirtschaftsforschungsinstituten auf deutliche Zweifel. Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mahnte gegenüber der dts Nachrichtenagentur: „Diese politische Ankündigung und die ökonomische Realität werden sich wahrscheinlich deutlich voneinander unterscheiden.“ Die Hoffnung auf eine schnelle Rückführung kollidiere mit den Integrationserfolgen vieler Syrer auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Demografischer Druck könnte steigen
Sollte die politische Vorgabe Merz‘ dennoch auch nur teilweise umgesetzt werden, hätte dies laut Dany-Knedlik gravierende Folgen für das deutsche Wachstumspotenzial. „Wenn aber auch nur ein erheblicher Teil des Ziels tatsächlich realisiert werden sollte, dann würde das den demografischen Druck auf unser Potenzialwachstum verschärfen in einer Lage, in der es ohnehin gegen null tendiert.“ Gerade in der aktuellen wirtschaftspolitischen Debatte über Rückkehrerprogramme sei diese Dimension zu berücksichtigen.
Potenzialwachstum auf dem Spiel
Ähnlich äußerte sich Timo Wollmershäuser vom renommierten Ifo-Institut. Er betonte die potenzielle Dämpfung des Produktionspotenzials: „Die Zuwanderungswellen der letzten Jahre haben ja dazu beigetragen, dass die demografische Wende, über die wir jetzt dann sprechen in den kommenden Jahren, so ein bisschen verschoben wurde.“ Eine breite Rückführung von Menschen, die bereits im Arbeitsmarkt integriert sind, würde das Wachstumspotenzial weiter schmälern. Der Wegfall dieser Arbeitskräfte hätte spürbare Effekte.
