Heimischer Spargel verliert an Boden

Weniger Spargel, mehr Importe: Deutschlands Lieblingsgemüse in der Krise

Foto: VSSE / J. Roesner

Anbaufläche, Erntemenge, Betriebszahl – alle Zahlen zeigen nach unten. Immer mehr ausländischer Spargel landet auf deutschen Tellern.

Die Spargelsaison 2026 beginnt – aber die Lage der heimischen Anbauer ist alles andere als rosig.

Ein Drittel weniger Betriebe in zehn Jahren

Das Statistische Bundesamt hat die Zahlen vorgelegt, und sie erzählen eine klare Geschichte. Im Jahr 2025 bauten in Deutschland noch 1.350 Betriebe Spargel an. 2015 waren es 1.900. Das ist ein Rückgang von fast 30 Prozent in einem Jahrzehnt.

Vor allem kleinere Betriebe haben aufgegeben. Wer nicht die Fläche hat, um im großen Stil zu produzieren, kann die Kosten kaum noch stemmen. Die Anbaufläche insgesamt schrumpfte von 25.700 Hektar im Jahr 2015 auf 22.500 Hektar 2025 – ein Minus von 12,5 Prozent.

Ernte ebenfalls rückläufig

103.900 Tonnen Spargel wurden 2025 in Deutschland geerntet. Klingt viel – ist aber 8,5 Prozent weniger als noch zehn Jahre zuvor. Allein gegenüber 2024 sank die Erntemenge um knapp vier Prozent.

Die größten Anbauflächen liegen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Die meisten Betriebe haben Bayern, NRW und Baden-Württemberg. Doch auch im Südwesten ist die Entwicklung deutlich: Der Import geht zurück, die heimische Produktion reicht nicht aus.

Spanien, Mexiko, Griechenland liefern mit

Was der heimische Anbau nicht mehr leistet, kommt aus dem Ausland. 24.500 Tonnen Spargel wurden 2025 nach Deutschland importiert – ein Viertel der gesamten einheimischen Produktion. Wichtigstes Herkunftsland war Spanien mit 26,8 Prozent, gefolgt von Mexiko und Griechenland mit je rund 20 Prozent.

Besonders aufschlussreich: 79 Prozent dieser Importe kamen genau dann ins Land, wenn hierzulande Saison ist – also von März bis Juni. Ausländischer Spargel konkurriert also direkt mit deutschem, zur selben Zeit, auf denselben Märkten.

Baden-Württemberg: Halbes Pfund pro Kopf aus dem Ausland

Für Baden-Württemberg hat das Statistische Landesamt eigene Zahlen erhoben. 2025 importierte der Südwesten rund 2.900 Tonnen frischen Spargel – das entspricht etwa 256 Gramm pro Einwohner. Gegenüber 2024 sank die Importmenge um 18 Prozent, damals lag der Wert noch bei 313 Gramm pro Kopf.

Mehr als die Hälfte des importierten Spargels stammte auch hier aus Spanien, mit großem Abstand folgten Mexiko und Italien.

Was das für Verbraucher bedeutet

Wer beim Spargel bewusst auf regionale Herkunft achtet, muss in dieser Saison genauer hinschauen. Das Angebot heimischer Ware wird nicht kleiner – aber der Anteil ausländischer Ware wächst, gerade zu Saisonbeginn im März und April.

Der Trend ist eindeutig: Deutschlands Spargelanbau schrumpft. Ob sich das umkehren lässt, hängt davon ab, ob Betriebe wieder wirtschaftlich arbeiten können – und ob Verbraucher bereit sind, dafür einen höheren Preis zu zahlen.

Quellen
  • destatis.de / Statistisches Bundesamt
  • Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

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