Entspannung auf der Warteliste
Die Nachricht dürfte viele Hausbesitzer und Vermieter aufatmen lassen: Die oft monatelangen Wartezeiten auf einen Handwerkertermin sind deutlich gesunken. Im Durchschnitt müssen Kunden nun 8,9 Wochen auf die Leistung eines Handwerksbetriebs warten. Das teilte Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit. Vor einiger Zeit lag die durchschnittliche Wartezeit noch bei drastischen 14 Wochen.
Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Dittrich zufolge müsse man in städtischen Ballungsräumen weiterhin etwas länger auf qualifizierte Fachkräfte warten als in ländlichen Gebieten. Die aktuelle Entwicklung ist ein positives Signal, das allerdings von tiefergehenden Sorgen überschattet wird.
Krisen treffen Kern des Handwerks
Der Handwerkspräsident zeichnete ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Lage. Die Auswirkungen der globalen Krisen, insbesondere des Krieges in der Ukraine, seien dramatisch. Der Druck auf die Betriebe sei massiv. Dittrich befürchtet, dass ganze Geschäftsmodelle ins Wanken geraten und zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Bereits im vergangenen Jahr habe das Handwerk über 60.000 Stellen abgebaut.
Die derzeitige Unsicherheit führt dazu, dass viele Familien geplante Investitionen verschieben. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Auftragslage der Handwerksbetriebe, die spürbar zurückgehe.
Ruf nach Steuerentlastung
In diesem Zusammenhang appellierte Dittrich eindringlich an die Bundesregierung, den beschlossenen Tankrabatt von zwei Monaten aufrechtzuerhalten. Solange die Krise andauere und der Staat durch höhere Einnahmen bei der Mineralölsteuer von der Situation profitiere, sollten diese Mehreinnahmen an die Bürger weitergegeben werden. „So lange sollte der Tankrabatt bleiben“, forderte Dittrich.
Die steigenden Kosten im Baugewerbe, teilweise bis zu 50 Prozent, erklärt Dittrich unter anderem mit der Verteuerung von Transporten. Diese Kostensteigerungen würden direkt an die Kunden weitergegeben und belasteten zusätzlich die Bauwirtschaft.
Lieferketten brechen, Kaufkraft sinkt
Laut Dittrich sind es nicht nur die direkten Lieferketten, die unter der Krise leiden, sondern auch indirekte Effekte. Produktionsmaterialien, die mit hohem Energieaufwand hergestellt werden, wie etwa Styropor-Dämmung, werden teurer. Der Ausweichen auf Alternativen wie Mineralwolle führe zu Engpässen.
Besonders besorgniserregend sei die sinkende Kaufkraft der Verbraucher. Wenn mehr Geld an der Zapfsäule ausgegeben wird, bleibe weniger für Friseurbesuche, Bäcker- oder Metzgereieinkäufe übrig. Diese Kaufzurückhaltung setze sich laut Dittrich sofort um und treffe vor allem kleine und mittelständische Betriebe hart.





