VW-Werke unter massivem Kostendruck
Volkswagen erwägt offenbar weitere Sparmaßnahmen in Deutschland. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Konzern- und Aufsichtsratskreise berichtet, sollen in internen Unterlagen für eine Aufsichtsratssitzung kommende Woche mehrere Standorte als besonders kostenintensiv gelistet sein.
Betroffen sind offenbar die VW-Werke in Emden, Zwickau und Hannover. Auch das zweitgrößte deutsche Audi-Werk in Neckarsulm wird in diesem Zusammenhang genannt.
Millionen Autos zu viel im System
Der Grund für die mögliche Überprüfung der Standorte liegen laut dem Bericht in den anhaltenden Überkapazitäten des Konzerns. Obwohl Volkswagen jährlich rund neun Millionen Fahrzeuge verkauft, ist die Produktionskapazität deutlich höher ausgelegt. Intern soll die Rede davon sein, dass bis zu eine Million Autos dauerhaft zu viel im System seien – genug, um mehrere Werke auszulasten.
Diese Analyse ist Teil eines strategischen Zielbilds für das Jahr 2030, das der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume gemeinsam mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) erarbeitet. Ziel ist eine operative Rendite von acht bis zehn Prozent, um den Konzern widerstandsfähiger gegen Marktschwankungen und geopolitische Risiken zu machen.
Verlagerung ins Ausland oder neue Nutzung?
Neben der Überprüfung von Modellen und Plattformen, rücken die Fabrikkosten der Werke wieder stärker in den Fokus. Diskutiert werden laut dem Bericht denkbare Modelle wie die Verlagerung von Produktionslinien ins europäische Ausland, verstärkte Kooperationen oder sogar alternative Nutzungen der Anlagen. Oliver Blume hatte kürzlich angedeutet, dass es „intelligentere Methoden“ als reine Werksschließungen gebe.
Das Thema gewinnt auch politisch an Brisanz. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, hat bereits die Einbeziehung chinesischer Investoren als mögliche Betreiber für einzelne Standorte ins Gespräch gebracht.