Hohe Beteiligung, klare Tendenz
In Ungarn ist die Wahl gelaufen. Die Spitzenkandidaten werden nun bang auf die Ergebnisse warten. Schon Stunden vor den ersten Hochrechnungen zeichnet sich ein Bild ab, das viele Beobachter überraschen dürfte. Nach ersten Nachwahlbefragungen, die heute Abend veröffentlicht wurden, liegt die von Péter Magyar gegründete Partei Tisza vorn. Sie könnte nach diesen Auswertungen eine klare absolute Mehrheit im Parlament erringen und damit die jahrelange Dominanz von Viktor Orbáns Fidesz-Partei beenden.
Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben des nationalen Wahlbüros ungewöhnlich hoch. Bis 18:30 Uhr hatten bereits 77,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Der Vergleich zum Jahr 2022 zeigt einen deutlichen Anstieg: Damals lag die Wahlbeteiligung zum gleichen Zeitpunkt bei 73,51 Prozent. Dieses hohe Engagement könnte auf einen Wunsch nach Veränderung hindeuten.
Fidesz verliert massiv?
Demnach könnte Tisza bis zu 132 der insgesamt 199 Sitze im Parlament besetzen. Die Partei, die bisher noch nicht im ungarischen Parlament vertreten war, würde damit die Regierung stellen. Viktor Orbáns Fidesz-Partei, die in der vergangenen Legislaturperiode gemeinsam mit der KDNP auf 135 Sitze kam, würde laut den Umfragen spürbar verlieren und käme demnach nur noch auf 61 Abgeordnete. Auch andere Parteien wie Mi Hazánk Mozgalom (5 Sitze) und Nemzetiségi képviselö (1 Sitz) könnten ins Parlament einziehen. Für die Demokratikus Koalíció und die Magyar Szocialista Párt wird es eng.
Auch eine zweite, bereits vor der Wahl durchgeführte Umfrage von Median bestätigt diesen Trend. Tisza könnte demnach 55,5 Prozent der Stimmen erzielen, Fidesz käme auf 37,9 Prozent.
Mehrdeutiges Wahlsystem
Ein verlässliches Endergebnis wird aber erst im Laufe der Nacht erwartet. Das ungarische Wahlsystem, das von Orbán seit 2011 mehrmals geändert wurde, sorgt für Komplexität. Die Vergabe der Sitze durch Direktmandate in den Wahlkreisen und die Berücksichtigung von Zweitstimmen sowie Stimmen unterlegener Kandidaten macht die Prognosen schwierig. Auch die umstrittene Regelung zum „Wahltourismus“ und die Anpassung der Mandatsverteilung zwischen Budapest und dem Umland könnten das Ergebnis beeinflussen.


