Umweltministerium setzt auf neue Strategie

Schwarzwald: Hornisgrinde-Wolf darf weiter leben – Abschussgenehmigung wird nicht verlängert

Schwarzwald: Hornisgrinde-Wolf darf weiter leben – Abschussgenehmigung wird nicht verlängert

Symbolbild

Foto: Mark Kent – Lunch_1083, CC BY-SA 2.0

Der umstrittene Hornisgrinde-Wolf im Schwarzwald bekommt eine neue Schonfrist. Das baden-württembergische Umweltministerium hat entschieden, die bis zum 10. März 2026 befristete Ausnahmegenehmigung zum Abschuss des Wolfs GW2672m nicht zu verlängern. Stattdessen sollen nun neue Maßnahmen entwickelt werden, um das Tier künftig wieder stärker auf Distanz zu Menschen zu halten.

Wochenlang hatte der Wolf im Nordschwarzwald für Diskussionen gesorgt. Spaziergänger, Hundebesitzer, Naturschützer und Behörden verfolgten aufmerksam, wie es mit dem Tier weitergeht. Nun ist klar: Der Wolf darf vorerst weiter leben.

Begegnungen mit Menschen hatten zugenommen

Grundlage für die ursprüngliche Abschussgenehmigung waren Monitoring-Ergebnisse der Forstwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Diese hatten gezeigt, dass sich der Wolfsrüde in den vergangenen Jahren immer häufiger Menschen näherte.

Besonders während der sogenannten Ranzzeit zwischen Januar und Anfang März kam es zu mehreren kritischen Begegnungen. In dieser Phase sucht der Rüde verstärkt nach Paarungspartnerinnen. Dabei näherte er sich teilweise bis auf wenige Meter Menschen und ihren Hunden.

Mehr Informationen zum Wolfsmonitoring gibt es hier:
https://www.fva-bw.de

Rückgang der Sichtungen im Februar

Nach Einschätzung der Fachleute könnte sich die Situation nun zunächst entspannen. Mit dem Ende der Ranzzeit lässt das Interesse des Wolfs an Hündinnen erfahrungsgemäß wieder nach.

Tatsächlich zeigen aktuelle Zahlen bereits einen deutlichen Rückgang der Sichtungsmeldungen. Im Februar 2026 wurden deutlich weniger Begegnungen gemeldet als im Januar. Im vergangenen Jahr war dieser Rückgang erst Mitte März zu beobachten.

Auf Grundlage dieser Entwicklung entschied das Umweltministerium, die Abschussgenehmigung nicht zu verlängern.

Experten sehen langfristig weiter Risiken

Ganz beruhigt sind die Fachleute dennoch nicht. Experten der FVA gehen davon aus, dass sich das Verhalten des Wolfs ohne gezielte Maßnahmen langfristig kaum ändern wird.

Das bedeutet: Auch wenn sich die Lage aktuell beruhigt hat, könnte der Wolf in Zukunft wieder verstärkt die Nähe von Menschen suchen – vor allem in der nächsten Paarungszeit.

Deshalb sollen jetzt neue Strategien entwickelt werden, um den Wolf gezielt zu vergrämen und ihn wieder stärker an ein natürliches, menschenscheues Verhalten zu gewöhnen.

Monitoring im Schwarzwald wird ausgeweitet

Um besser auf das Verhalten des Tieres reagieren zu können, soll das Monitoring im Revier des Wolfs deutlich ausgebaut werden. Dabei sollen auch die bisherigen Einsätze des sogenannten Entnahmeteams genauer ausgewertet werden.

Mehrere Versuche, den Wolf zu betäuben und anschließend umzusetzen, waren zuletzt gescheitert. Der Grund: Der Wolf änderte seine Laufwege kurzfristig und tauchte nicht mehr an den zuvor bekannten Stellen auf.

Die Behörden hoffen nun, durch eine genauere Analyse der Bewegungsmuster neue Vorhersagen über Aufenthaltsorte und Routinen des Tieres treffen zu können.

Ministerin ruft Bevölkerung zur Mithilfe auf

Umweltministerin Thekla Walker betonte, dass die Situation weiterhin genau beobachtet werden müsse. Gleichzeitig rief sie die Bevölkerung im Schwarzwald zur Mithilfe auf.

Spaziergänger und Hundebesitzer sollten Begegnungen mit dem Wolf nicht provozieren und die ausgehängten Verhaltenshinweise in der Region beachten. Sichtungen des Tieres sollten unbedingt gemeldet werden.

Nur durch ein engmaschiges Monitoring könne festgestellt werden, ob und welche Maßnahmen notwendig sind, um mögliche Konflikte zwischen Mensch und Wolf künftig zu vermeiden.