Ambulante Schmerztherapie unter Druck
Die Sorge ist groß: Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) sieht die geplante Stabilisierung der Beitragssätze in der Gesetzlichen Krankenversicherung kritisch. Konkret beanstandet die Fachgesellschaft den Referentenentwurf, der ihrer Meinung nach die ambulante Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen auf lange Sicht gefährdet.
„Die Sparmaßnahmen treffen die Patientengruppe, die stabile Versorgungsstrukturen am dringendsten benötigt“, verdeutlicht DGS-Präsident Richard Ibrahim die Brisanz der Lage.
Drohende Verschlechterung der Versorgung
Chronische Schmerzen erfordern eine kontinuierliche Betreuung. Ibrahim fordert daher eine nachhaltige Finanzierung, multiprofessionelle Teams, weniger Bürokratie und eine klare Priorisierung der Versorgung chronisch Kranker. Die DGS appelliert an die politischen Entscheidungsträger, die besonderen Bedürfnisse von Schmerzpatienten zu berücksichtigen. Eine stabile ambulante Schmerzmedizin sei essenziell für Lebensqualität, gesellschaftliche Teilhabe und könne stasjonäre Behandlungen vermeiden.
Die Mediziner warnen vor den direkten Folgen einer finanziellen Deckelung im ambulanten Bereich: Begrenzte Vergütung führe unweigerlich zu begrenzten Leistungen, was sich Schmerzpatienten sofort zu spüren bekämen.
TSVG-Anreize fallen weg
Besonders besorgniserregend ist für die Fachgesellschaft die geplante Abschaffung der Honoraranreize aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Untersuchungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zufolge haben diese Anreize Terminvergaben verbessert.
Der Wegfall könnte verfügbare Termine für Schmerzpatienten weiter reduzieren und das Risiko einer Chronifizierung durch verzögerte Diagnostik und Therapie erhöhen. Praxen könnten gezwungen sein, auf die finanziellen Einschnitte mit Personalabbau oder Leistungseinschränkungen zu reagieren, was längere Wartezeiten zur Folge hätte – eine zusätzliche Belastung für jene, die ohnehin schon lange auf Behandlung warten.

