Studie deckt unbewusste Diskriminierung auf

Rassismus in Behörden: Beauftragte fordert Konsequenzen

Rassismus in Behörden: Beauftragte fordert Konsequenzen
Foto: Natalie Pawlik, Bundesbeauftragte für Antirassismus (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Eine neue Studie vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (Inra) legt den Finger in die Wunde: Rassismus ist auch in deutschen Behörden präsent, oft subtil und in Routinen verankert. Bundesbeauftragte Natalie Pawlik (SPD) pocht nun auf wirksame Maßnahmen, um Diskriminierung entgegenzutreten und das Vertrauen in staatliche Institutionen zu stärken.

Studie zeigt tiefgreifende Probleme

Die Ergebnisse der „Institutionen und Rassismus“ (Inra)-Studie sind alarmierend. Rassismus äußert sich demnach nicht nur in offenen Anfeindungen, sondern vor allem in Vorurteilen und unbewussten Denkmustern, die das Handeln von Mitarbeitern in Ämtern, Schulen oder der Justiz prägen. Dies kann zu diskriminierenden Praktiken führen und das Vertrauen der Bürger in den Staat untergraben.

Pawlik fordert Maßnahmen im gesamten Apparat

Natalie Pawlik, Bundesbeauftragte für Antirassismus, betont die dringende Notwendigkeit, diese Mechanismen zu erkennen und zu bekämpfen. Sie fordert Entscheidungsträger auf allen Ebenen, „ohne Generalverdacht gegen unsere Institutionen“, verantwortungsvoll zu handeln. Klar ist: „Jegliche Form von Rassismus darf in privaten und staatlichen Institutionen keinen Platz haben.“

Lücken im Rechtsschutz

Ein zentraler Kritikpunkt der Studie sind die Schutzlücken im deutschen Rechtssystem. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz findet auf das Verhältnis zwischen Bürgern und staatlichen Institutionen bisher keine Anwendung. Das bedeutet, wer durch eine Behörde diskriminiert wird, kann sich nicht auf dieses wichtige Antidiskriminierungsgesetz berufen.

Neue Handlungsempfehlungen für Aktionsplan

Die Antirassismusstelle wird die Erkenntnisse der Inra-Studie detailliert auswerten. Die Ergebnisse und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen sollen in die Neuauflage des Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus einfließen, dessen Koordination Pawlik übernommen hat. Die Studie analysierte über drei Jahre hinweg Rassismus in Jobcentern, Ausländerbehörden und im Bildungssystem.