Signal-Konten kompromittiert
Die Welle von Cyberangriffen auf Nutzer des Messengerdiensts Signal hat offenbar höchste Kreise der deutschen Politik erreicht. Wie der „Spiegel“ berichtet, sollen Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) betroffen sein. Ihre Signal-Konten seien Ziel einer Phishing-Kampagne geworden und kompromittiert worden.
Dieses Ausmaß der Attacke, das nun Kabinettsmitglieder ins Visier nimmt, ist besorgniserregend. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zu den Opfern zählt. Klöckner bekleidet das zweithöchste Staatsamt und gehört dem CDU-Präsidium an. In diesem Gremium, das wohl auch einen Gruppenchat über Signal nutzt, kommuniziert unter anderem auch Bundeskanzler Friedrich Merz.
Mitarbeiter des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) hatten den Kanzler Berichten zufolge persönlich über die Sachlage informiert. Mit Prien und Hubertz sind nun erstmals Kabinettsmitglieder öffentlich als mutmaßliche Opfer bekannt.
Regierung mauert bei Details
Auf Anfrage wollten sich die Ministerbüros nicht konkret zu den Vorfällen äußern. Eine Sprecherin Priens teilte mit, man könne keine Auskunft zu Kommunikationsmitteln der Bundesregierung geben. Ein Sprecher von Hubertz verwies auf bestehende Grundsätze zur Integrität und Sicherheit von Kommunikation und sagte: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu möglichen oder tatsächlichen Sicherheitsvorfällen.“
Prüfung auf höchster Ebene
Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille bestätigte indirekt die Sensibilität der Lage. Man könne „keine Auskunft geben“ über die genauen Kommunikationswege in der Bundesregierung, doch er versicherte: „Seien Sie sich sicher, dass die Kommunikation der Bundesregierung, des Bundeskanzlers, der Bundesminister auf sicheren Kanälen läuft.“
Die internationale Phishingkampagne gegen Signal-Nutzer beschäftigt bereits seit Februar den Generalbundesanwalt Jens Rommel. Der Ermittlungsdruck wächst.
Gezielte Attacken auf Eliten
Aktuelle Erkenntnisse des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) deuten auf einen „wahrscheinlich staatlich gesteuerten Cyberakteur“ hin. Dieser nutze Messengerdienste, insbesondere Signal, gezielt für Phishing-Angriffe. Im Fokus stehen demnach „hochrangige Ziele aus Politik, Militär und Diplomatie sowie Investigativjournalistinnen und -journalisten in Deutschland“.
