Nach Wahl in Baden-Württemberg

Palmer bei Maischberger über Özdemir-Wahl: „Erst am Tag vorher wusste ich, dass es klappt“

Palmer bei Maischberger über Özdemir-Wahl: „Erst am Tag vorher wusste ich, dass es klappt“
Foto: Screenshot "Maischberger" vom 10.03.2026

Bei Maischberger analysieren Boris Palmer und Dietmar Bartsch den Wahlausgang in Baden-Württemberg. Dabei geht es um den Sieg von Cem Özdemir, Kritik an CDU-Kandidat Manuel Hagel – und die politische Zukunft des Südwestens.

Der Wahlausgang in Baden-Württemberg sorgt weiterhin für Diskussionen. In der ARD-Talkshow „Maischberger“ schilderte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, warum er erst kurz vor der Wahl sicher war, dass Cem Özdemir Ministerpräsident werden würde.

„Am Tag vorher war ich sicher“

Moderatorin Sandra Maischberger wollte von Boris Palmer wissen, ob er schon Wochen zuvor geahnt habe, dass sein langjähriger Weggefährte Cem Özdemir Ministerpräsident werden könnte. Palmer verneinte – lange habe er selbst nicht daran geglaubt.

Noch drei Wochen vor der Wahl sei er davon ausgegangen, dass der Vorsprung der CDU zu groß sei. Erst am Tag vor der Wahl habe sich seine Einschätzung grundlegend geändert.

Palmer schilderte, wie er an diesem Samstag durch Tübingen gegangen sei, um wie gewohnt die Stimmung in der Stadt aufzunehmen. Dabei hätten ihn ungewöhnlich viele Menschen angesprochen und ihm gesagt, sie wollten nun unbedingt, dass Özdemir Ministerpräsident werde.

In diesem Moment sei ihm klar geworden: Am nächsten Tag könnte sich das Blatt tatsächlich wenden.

Kritik am CDU-Kandidaten Manuel Hagel

In der Sendung wurde auch über die Rolle des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel diskutiert. Ein zuvor eingespielter Kommentar des Linken-Parteichefs Jan van Aken hatte für Aufmerksamkeit gesorgt, weil dieser Hagel als besonders schwachen Kandidaten bezeichnet hatte.

Dietmar Bartsch wählte zwar eine andere Wortwahl, stimmte der Analyse aber im Kern zu. Seiner Ansicht nach habe die CDU geglaubt, ihren großen Vorsprung ohne größere Anstrengungen ins Ziel retten zu können.

Das sei ein schwerer strategischer Fehler gewesen. Viele Wähler hätten am Ende offenbar gezweifelt, ob Hagel der richtige Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten sei.

Mann mit grauen Haaren spricht in einer Talkshow.

Diskussion in der Talkshow ‚Maischberger‘.

Foto: Screenshot "Maischberger" vom 10.03.2026

Personalisierter Wahlkampf

Moderatorin Maischberger stellte anschließend eine grundsätzliche Frage: Haben Parteien aus dem linken politischen Spektrum größere Chancen, wenn sie ihre ideologischen Positionen im Wahlkampf weniger stark betonen?

Als Beispiel nannte sie neben Cem Özdemir auch den früheren thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Beide hätten Wähler angesprochen, die sich nicht unbedingt mit der jeweiligen Partei identifizieren.

Boris Palmer widersprach jedoch der These, Özdemir habe seine politischen Positionen versteckt. Vielmehr habe dieser bewusst betont, ein „Baden-Württemberg-Grüner“ zu sein – eine realpolitische Tradition innerhalb der Partei.

Palmer beschrieb diese Strömung als pragmatische Politik, bei der Ergebnisse wichtiger seien als ideologische Reinheit. Gerade in Baden-Württemberg habe sich diese Haltung in der Vergangenheit als erfolgreich erwiesen.

Bartsch: Wahlkampf ohne klare Inhalte

Dietmar Bartsch bewertete den Wahlkampf kritischer. Aus seiner Sicht seien viele inhaltliche Fragen kaum diskutiert worden. Stattdessen habe sich der Wahlkampf stark auf Personen konzentriert.

Parolen wie „Ökonomie und Ökologie verbinden“ seien zwar populär, blieben aber häufig vage. Am Ende habe sich die Wahl stark auf die Frage zugespitzt, ob Cem Özdemir Ministerpräsident werden könne.

Bartsch räumte jedoch ein, dass Özdemir diesen personalisierten Wahlkampf sehr geschickt geführt habe. Er habe die Aufmerksamkeit konsequent auf diese zentrale Frage gelenkt.

Diskussion über Palmer selbst

Auch die politische Zukunft von Boris Palmer selbst wurde in der Sendung thematisiert. Maischberger spielte einen Ausschnitt mit dem Grünen-Parteivorsitzenden Felix Banaszak ein, der Zweifel an einer Rückkehr Palmers zur Partei geäußert hatte.

Palmer reagierte gelassen. Er erklärte, er kenne Banaszak bislang nur aus dem Fernsehen und habe noch nie persönlich mit ihm gesprochen.

Stattdessen lud er den Parteichef ein, ihn in Tübingen zu besuchen. Dort könne er sich selbst ein Bild davon machen, wie erfolgreiche grüne Politik vor Ort funktioniere. Bei der letzten Landtagswahl hätten in Tübingen mehr als die Hälfte der Wähler mit der Zweitstimme die Grünen gewählt.

Wirtschaftliche Sorgen im Südwesten

Zum Ende der Diskussion ging es um die großen politischen Themen für Baden-Württemberg. Palmer betonte, dass Migration im Wahlkampf nicht das entscheidende Thema gewesen sei.

Viele Menschen hätten sich vielmehr Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft des Landes gemacht. Er verwies unter anderem auf Stellenabbau bei großen Industrieunternehmen sowie auf die schwierige Lage vieler mittelständischer Betriebe.

Auch kommunale Haushalte gerieten zunehmend unter Druck. Manche Menschen stellten sich bereits die Frage, ob Baden-Württemberg wirtschaftlich eines Tages ähnliche Probleme bekommen könnte wie frühere Industrieregionen im Ausland.

Streit über Spritpreise und Staatsschulden

Zum Abschluss diskutierten Palmer und Bartsch über steigende Spritpreise. Bartsch sprach sich für eine Übergewinnsteuer bei Mineralölkonzernen aus, um Verbraucher zu entlasten.

Palmer zeigte sich für diesen Ansatz grundsätzlich offen, warnte jedoch vor neuen Staatsschulden. Der Staat könne nicht alle wirtschaftlichen Risiken ausgleichen, ohne die Belastungen in die Zukunft zu verschieben.

Bartsch widersprach und plädierte für eine umfassendere Steuerreform, bei der große Vermögen stärker zur Finanzierung staatlicher Aufgaben beitragen müssten.

Fazit der Debatte

Die Diskussion bei „Maischberger“ machte deutlich, wie unterschiedlich die politischen Interpretationen des Wahlausgangs in Baden-Württemberg sind.

Während Boris Palmer vor allem eine veränderte Stimmung in der Bevölkerung als entscheidend ansieht, betont Dietmar Bartsch strategische Fehler der CDU und einen stark personalisierten Wahlkampf.

Fest steht: Der Wahlausgang im Südwesten bleibt politisch brisant – und seine Folgen werden noch lange für Diskussionen sorgen.