Die Auswirkungen auf Arbeitsplätze und kommunale Haushalte sind erheblich

Porsche und Mercedes verlieren Milliarden – Auto-Krise trifft Baden-Württemberg hart

Porsche und Mercedes verlieren Milliarden – Auto-Krise trifft Baden-Württemberg hart
Foto: insidebw.de / AI

Die Geschäftszahlen für 2025 schockieren: Porsche meldet einen operativen Gewinn von gerade noch 90 Millionen Euro – nach 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Mercedes kämpft ebenfalls mit massiven Rückgängen. Für Baden-Württemberg beginnt eine schwierige Zeit.

Die Zahlen sind dramatisch

Porsche verdient praktisch nichts mehr. Der operative Gewinn fiel von 5,3 Milliarden Euro (2024) auf 90 Millionen Euro (2025) – ein Rückgang von 98 Prozent, wie das Manager Magazin berichtet. Das ist nicht einfach ein schlechtes Jahr. Das ist ein Kollaps.

Bei Mercedes-Benz ist es nicht besser. Laut Geschäftsbericht der Mercedes-Benz Group sank das bereinigte EBIT von 13,7 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro – ein Minus von 40 Prozent. Der Nettogewinn brach um 50 Prozent ein.

Das bedeutet konkret:

  • Porsche: Von 5,3 Mrd. auf 90 Mio. Euro
  • Mercedes: Von 13,7 Mrd. auf 8,2 Mrd. Euro (EBIT)
  • Beide Konzerne fahren massive Sparprogramme

Warum es bergab geht

Der Grund ist bekannt: Der chinesische Markt bricht weg. Luxusautos verkaufen sich dort nicht mehr. Die Preiskämpfe durch chinesische Konkurrenten wie BYD und Geely sind das Hauptproblem. Ein Porsche 911 kostet in China heute weniger als in Deutschland – und trotzdem findet er keine Käufer.

Gleichzeitig kostet die Umstellung auf Elektromobilität Milliarden. Neue Batterietechnologie, Softwareentwicklung, neue Produktionsverfahren – alles muss neu aufgebaut werden. Während die Konzerne investieren, sinken die Verkaufszahlen.

Hinzu kommt: Die Nachfrage nach klassischen Verbrennungsmotoren fällt schneller als erwartet. Konsumenten halten sich zurück, die wirtschaftliche Unsicherheit wächst.

Stuttgart verliert 550 Millionen Euro – in einem Jahr

Das hat direkte Folgen für die Kommunen. Stuttgart rechnet mit einem Gewerbesteuer-Einbruch von 42 Prozent – von 1,3 Milliarden Euro auf etwa 750 Millionen Euro. Das sind 550 Millionen Euro weniger für Schulen, Straßen, Kindergärten.

Auch andere Standorte sind hart getroffen:

StadtGewerbesteuer 2025Situation
Stuttgartca. 750 Mio. €-42% (von 1,3 Mrd.)
Sindelfingen148 Mio. €Rückgang um 25%
Weissach62 Mio. € weniger als geplantDrastischer Einbruch

Sindelfingen, Heimat des größten Mercedes-Werks, verliert 25 Prozent seiner Gewerbesteuer-Einnahmen. Weissach, wo Porsche sein Entwicklungszentrum hat, muss mit 62 Millionen Euro weniger rechnen als noch im Mai geplant.

Diese Lücken lassen sich nicht einfach füllen. Kommunen müssen sparen oder Schulden aufnehmen. Investitionen werden verschoben.

Arbeitsplätze in Gefahr: Zulieferer bauen ab

Die Konzerne haben bereits angekündigt, ihre Kosten zu senken. Mercedes plant bis 2027 Einsparungen von 5 Milliarden Euro – das wird auch Arbeitsplätze kosten.

Bei den Zulieferern ist die Situation bereits konkret. ZF Friedrichshafen plant bis 2028 den Abbau von bis zu 14.000 Stellen in Deutschland. Mahle hat bereits 2.700 Stellen abgebaut. Bosch führt ebenfalls Sparmaßnahmen durch.

Besonders hart trifft es den Mittelstand. Kleinere Zulieferer, spezialisiert auf Verbrennungsmotoren, können nicht einfach umschalten. Ein Unternehmen, das seit 30 Jahren Motorblöcke gießt, kann nicht plötzlich Batterien bauen.

Die Prognose: Bis 2030 könnten in Baden-Württemberg bis zu 66.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren gehen.

Was das für Menschen bedeutet

Ein Facharbeiter bei ZF, 48 Jahre alt, hat gerade gehört, dass sein Werk bis 2028 abgebaut wird. Er hat eine Familie, eine Hypothek, zwei Kinder in der Schule. Wo findet er einen neuen Job?

Ein Unternehmer mit 150 Mitarbeitern überlegt, ob er noch investieren soll. Seine Zulieferer-Firma hängt von Mercedes ab. Wenn Mercedes weniger bestellt, muss er Leute entlassen.

Ein Schüler in Sindelfingen fragt sich, ob eine Ausbildung in der Automobilindustrie noch Sinn macht. Seine Eltern arbeiten bei Mercedes.

Das ist die Realität hinter den Zahlen.

Sparprogramme kommen – konkret wird es jetzt

In den nächsten Monaten werden die Konzerne konkrete Pläne vorlegen. Welche Werke sind betroffen? Welche Modelle werden nicht mehr gebaut? Wie viele Stellen fallen weg?

Es wird Verhandlungen geben. Gewerkschaften werden kämpfen. Aber am Ende werden Arbeitsplätze wegfallen. Das ist unvermeidlich.

Baden-Württemberg muss sich neu erfinden: Perspektiven –Vom Autoland zum Innovationsstandort?

Trotz der düsteren Wolken gibt es Lichtblicke. Baden-Württemberg verfügt über die weltweit höchste Dichte an Patenten und Ingenieuren. Die Transformation ist auch eine Chance, sich neu zu erfinden.

  • Wasserstoff-Technologie: Besonders für den Schwerlastverkehr setzen Firmen wie Daimler Truck auf Wasserstoff. Hier könnte ein neues Cluster entstehen.
  • Software-Defined Vehicle: Die Autos der Zukunft werden über die Software definiert. Unternehmen investieren massiv in eigene Betriebssysteme, um die Hoheit über die Daten nicht an Google oder Apple zu verlieren.
  • Batterieforschung: Mit Ansiedlungen und Forschungsprojekten rund um die Feststoffbatterie versucht das Land, die Abhängigkeit von asiatischen Zellen zu verringern.

Die entscheidende Frage wird sein, wie schnell dieser Wandel vollzogen werden kann. Wie die Krise die Region langfristig trifft, hängt davon ab, ob Politik und Industrie gemeinsam den Mut für radikale Neuinvestitionen aufbringen. Es braucht Zeit. Neue Arbeitsplätze entstehen nicht sofort. Ältere Arbeitnehmer haben Schwierigkeiten bei der Umschulung.

Das Wichtigste zusammengefasst

Porsche und Mercedes melden massive Gewinnrückgänge. Der chinesische Markt bricht weg, die Transformation zur E-Mobilität kostet Milliarden. Das hat Folgen:

  • Arbeitsmarkt: Zehntausende Jobs in Gefahr
  • Kommunale Haushalte: Hunderte Millionen Euro weniger Steuereinnahmen
  • Zulieferer: Kleine und mittlere Unternehmen kämpfen ums Überleben
  • Region: Baden-Württemberg muss sich neu erfinden

Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Wie gestalten Unternehmen, Gewerkschaften und Politik den Wandel? Das wird über die Zukunft der Region entscheiden.

Verwendete Quellen