Studie warnt vor Wachstumseinbruch und Inflation

Ölpreisschock bedroht deutsche Wirtschaft

Ölpreisschock bedroht deutsche Wirtschaft
Foto: Industrieanlage (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Ein eskalierender Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundenen steigenden Ölpreise können das deutsche Wirtschaftswachstum erheblich dämpfen. Eine neue Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt dramatische Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt und die Verbraucherpreise, selbst bei moderateren Preisanstiegen.

Deutliche BIP-Einbußen bei 150 US-Dollar

Könnte der Ölpreis auf 150 US-Dollar pro Barrel steigen, würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2026 um voraussichtlich 0,5 Prozent und 2027 um 1,3 Prozent niedriger ausfallen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert diesen Verlust auf mehr als 80 Milliarden Euro über diesen Zeitraum.

Auch 100 US-Dollar bringen spürbare Folgen

Selbst ein Anstieg auf 100 US-Dollar pro Barrel hätte laut der am Donnerstag veröffentlichten Studie spürbare Konsequenzen. Mit BIP-Verlusten von 0,3 Prozent im Jahr 2026 und 0,6 Prozent im Jahr 2027 rechnet das IW hier. Das entspricht einem wirtschaftlichen Schaden von rund 40 Milliarden Euro innerhalb von zwei Jahren.

Inflation als weiterer Preistreiber

Steigende Ölpreise heizen ebenfalls die Inflation an. Bei einem Ölpreis von 100 US-Dollar müssten Verbraucher 2026 mit rund 0,8 Prozent und 2027 mit etwa 1,0 Prozent höheren Preisen rechnen. Bei 150 US-Dollar liegen die Verbraucherpreise voraussichtlich 1,6 Prozent (2026) und rund 1,9 Prozent (2027) höher. Höhere Energiekosten verteuern Transport, Heizung und Produktion und wirken sich über die gesamte Wertschöpfungskette auf die Konsumenten aus.

Indirekte Risiken trotz geringer direkter Handelsbeziehungen

Obwohl der Iran für den deutschen Außenhandel nur eine untergeordnete Rolle spielt, entstehen wirtschaftliche Risiken indirekt. Dazu zählen neben den steigenden Energiekosten auch Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten, Unterbrechungen globaler Lieferketten und eine zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft. Eine Situation wie in den Ölkrisen der 1970er-Jahre sei zwar nicht zu erwarten, aber jeder Energiepreisanstieg und jede Störung des Welthandels treffe die exportorientierte deutsche Wirtschaft empfindlich, so Galina Kolev-Schaefer vom IW. Das genaue Ausmaß der Folgen hänge von der Ausbreitung und Dauer des Konflikts sowie von möglichen Beeinträchtigungen der wichtigen Seestraße für Öltransporte ab.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)