Fehlentscheidungen mit Langzeitfolgen
Angesichts der energiepolitischen Unsicherheiten und möglicher weiterer Krisen warnt Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), vor einem Rückfall in alte Muster beim Heizungstausch. „Wir glauben doch nicht ernsthaft, dass dies die letzte Öl- und Gaspreiskrise ist“, sagte Edenhofer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er bezieht sich dabei auch auf die globalen Entwicklungen, wie etwa den Iran-Krieg.
Abgabe als Bremse
Um die Installation neuer Öl- und Gasheizungen zu unterbinden, schlägt Edenhofer eine Investitionsabgabe vor. Diese soll als finanzielle Hürde wirken und so die Umrüstung auf klimafreundlichere Technologien fördern. Er zeigt Verständnis für Hausbesitzer, die aufgrund hoher Sanierungskosten für Wärmepumpen bei Gasheizungen bleiben.
Eine Senkung der Stromsteuer könnte hier nach Ansicht des Ökonomen Abhilfe schaffen und Wärmepumpen attraktiver machen. Bestehende Förderprogramme sollten zudem fortgeführt werden. Ziel sei es, sowohl die anfängliche Umrüstung zu unterstützen als auch laufende Kosten, etwa durch ein Klimageld, abzufedern. Die Bundesregierung setzt hier laut Edenhofer derzeit keine Prioritäten, obwohl jetzt ein guter Zeitpunkt zum Umsteuern sei.
Klimapolitik als Daseinsvorsorge
Edenhofer kritisiert, dass kurzfristige Krisen oft dazu führen, dass langfristige Probleme wie der Klimawandel in den Hintergrund treten. „Klimapolitik wird viel zu sehr als Luxus wahrgenommen.“ Tatsächlich sei sie jedoch eine essenzielle Form der Daseinsvorsorge und Wohlstandssicherung für die Zukunft. Wer dies erkenne, sehe Klimaschutz nicht als Nachteil für den Wirtschaftsstandort, sondern als klaren Vorteil.
Er rief die Politik dazu auf, die Klimapolitik nicht zum Sündenbock für eigene strategische Defizite in der Industriepolitik zu machen. Damit reagierte er auf Äußerungen von CDU-Chef Friedrich Merz, der vor einer Gefährdung der industriellen Basis durch Klimaschutzmaßnahmen warnte.
