Preisschwankungen eindämmen

Öl-Reserven freigeben: Wirtschaftsweise rät zu Eingriffen

Öl-Reserven freigeben: Wirtschaftsweise rät zu Eingriffen
Foto: Öltanks (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Angesichts unruhiger Energiemärkte spricht sich die Vorsitzende des Sachverständigenrats Wirtschaft, Monika Schnitzer, für die Mobilisierung strategischer Ölreserven der G7 aus. Ziel sei es, kurzfristige Preisspitzen abzufangen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wenngleich die Kapazitäten begrenzt sind.

Krisenreaktion empfohlen

Die weltweiten Energiemärkte zeigen sich derzeit von ihrer unberechenbaren Seite. In dieser angespannten Lage plädiert Monika Schnitzer, die Vorsitzende des renommierten Sachverständigenrats Wirtschaft, für eine strategische Maßnahme: die Freigabe der strategischen Ölreserven innerhalb der G7-Staaten.

Schnitzer betont gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“: „Die Ölreserven der G7 sind genau für solche Krisensituationen als strategische Reserve aufgebaut worden, um bei schweren Versorgungsstörungen eingreifen zu können.“ Dies sei keine neue Idee, sondern eine bewährte Praxis aus vergangenen Krisen, um das Angebot kurzfristig zu erhöhen und so die Preise zu stabilisieren. „Die aktuellen Überlegungen, dies auch jetzt zu tun, sind also folgerichtig“, so die Ökonomin.

Grenzen der Reserve

Gleichzeitig sei es wichtig, die Grenzen dieser Maßnahme zu erkennen, so Schnitzer. Die strategischen Reserven sind so dimensioniert, dass sie einem Bedarf von 90 Tagen Nettoimporte abdecken können. „Es kann also nur darum gehen, kurzfristige Preisspitzen auszugleichen, nicht darum, einen längerfristigen Preisanstieg zu neutralisieren“, erklärt die Wirtschaftsweise.

Felbermayr bekräftigt Vorschlag

Auch der neu ernannte Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr teilt die Ansicht, dass politische Eingriffe in die Energiemärkte nötig sein könnten, um die wirtschaftlichen Auswirkungen aktueller geopolitischer Spannungen, wie dem Konflikt im Iran, abzufedern. Er schlägt ebenfalls vor, strategische Öl- und Gasreserven anzuzapfen. „Bringt man sie koordiniert auf den Markt, erhöht das kurzfristig das Angebot und drückt den Preis“, sagte Felbermayr dem „Tagesspiegel“. Allerdings, so Felbermayr, sei eine solche Aktion nur im Verbund mit wichtigen Partnern, insbesondere den USA, realistisch. Einzelne Staaten hätten gegen den Weltmarkt kaum Durchschlagskraft.

Während viele OECD-Länder über solche Reserven verfügen, hält Deutschland nur die gesetzlich vorgeschriebene Ölmenge, aber kaum Erdgasreserven. Österreich hingegen verfügt über Gassignifikatsreserven.

(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)