Nach einem tödlichen Unglück

Marienschlucht am Bodensee: Nach 11 Jahren endlich wieder offen

Marienschlucht am Bodensee: Nach 11 Jahren endlich wieder offen
Foto: Gemeinde Bodman-Ludwigshafen

Am 28. März öffnet das bekannteste Naturwunder am westlichen Bodensee seine Tore – mit einem neuen Stahlsteg, der seinesgleichen sucht.

Elf Jahre Sperrung, fünf Millionen Euro Baukosten, 88 Tonnen Stahl: Die Marienschlucht ist zurück.

Ein tödliches Unglück, das alles veränderte

Mai 2015. Ein Paar aus Hannover wandert durch die Marienschlucht, als ein Hang abrutscht. 100 Tonnen Erde, Gestein und Bäume stürzen auf den alten Holzsteg. Die Frau stirbt, der Mann überlebt schwer verletzt.

Tagelanger Regen hatte die Molasse-Sedimente des Bodanrücks durchweicht – darunter Tonschichten, die als Rutschfläche wirken. Das Landesamt für Geologie hatte den Hang nur wenige Wochen zuvor kontrolliert. Keine Anzeichen für Instabilität, hieß es. Dann kam die Katastrophe.

Die Schlucht wurde sofort gesperrt. Was folgte, waren elf Jahre Debatte, Planung, Naturschutzauflagen und Bauarbeiten.

Der neue Steg: Zehn Meter über dem Boden

Die Lösung ist so simpel wie eindrucksvoll. Statt wie früher am Schluchtengrund entlang führt der neue Panoramasteg rund zehn Meter über dem Boden an der Westseite der Schlucht vorbei. Geröll und mögliche Erdrutsche können zwischen Steg und Felswand hindurchfallen, ohne Besucher zu gefährden.

88 Tonnen Stahl wurden verbaut, Industriekletterer brachten die Verankerungen im Felsen an, Seilkräne transportierten das Material durch das enge Gelände. Die Konstruktion berührt den Fels nur an wenigen Punkten – nach dem sogenannten Finger-Prinzip, um den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten.

Der Steg ist rund 300 Meter lang, überwindet 56 Höhenmeter über mehr als 280 Stufen und bietet fünf Aussichtsplattformen. Von dort öffnen sich Blicke auf den Überlinger See, die kaum zu überbieten sind.

„Da kann nach menschlichem Ermessen nichts mehr darauf fallen“, sagt Sandra Domogalla, Leiterin des Tourismusbüros Bodman-Ludwigshafen.

Warum es elf Jahre dauerte

Projektleiter Matthias Weckbach, ehemaliger Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen, zieht ein ernüchtertes Fazit: „Es war ein hartes Stück Arbeit.“ Zunächst ermittelte die Staatsanwaltschaft, dann begannen die kommunalen Debatten über Konzepte und Sicherheitsfragen. Naturschutzauflagen verlangten, dass Bauarbeiten außerhalb der Vogelbrutzeiten ruhen – was die Bauphasen jedes Jahr um Monate unterbrach.

Rund fünf Millionen Euro sind bisher geflossen, aus kommunalen Kassen, Landeszuschüssen und Fördertöpfen. Ganz abgeschlossen ist das Projekt noch nicht – ein Abschnitt des alten Uferwegs beim sogenannten Teufelstisch bleibt vorerst gesperrt.

Ein Naturraum mit Geschichte

Die Schlucht selbst hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. 1897 ließ Freiherr Franz von und zu Bodman den Zugang erstmals erschließen. Im selben Jahr verlobte sich sein Sohn Othmar mit Maria Gräfin von Walderdorff – ihr zu Ehren trägt die Schlucht seither ihren Namen.

Heute ist die Marienschlucht Teil des europäischen Natura-2000-Schutzgebietsnetzes. Wanderfalken brüten in den steilen Felswänden, Eisvögel und Kolkraben sind in der Region heimisch, Fledermäuse nutzen die Felsspalten als Ruheplätze. Die Buchenwälder am Bodanrück zählen zu den artenreichsten Waldtypen Europas.

Was Besucher am 28. März erwartet

Zur Wiedereröffnung findet der „Tag der offenen Schlucht“ statt – mit Informationsständen, Verpflegungsstationen und geführten Rundgängen. Gleichzeitig startet die neue Saison der Kursschifffahrt, inklusive der wieder geöffneten Anlegestelle direkt an der Schlucht.

Der Eintritt ist kostenlos. Hunde sind erlaubt, müssen aber angeleint bleiben – und wegen des Gitterrostbelags des Stahlstegs empfehlen sich Pfotenschuhe. Kinderwagen kommen bis zum Schluchteingang, auf dem Steg selbst nicht weiter.

Wer mit dem Auto anreist: Der kürzeste Zugang liegt oberhalb bei Langenrain – vom Waldparkplatz sind es etwa 20 Minuten zu Fuß. Wer lieber per Schiff kommt, fährt ab Bodman, Ludwigshafen, Sipplingen oder Überlingen.

Alle aktuellen Infos unter www.marienschlucht.info.

Quelle
  • Gemeinde Bodman-Ludwigshafen

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