Ungleichheit nimmt zu
Die Lücke zwischen den Regionen mit hoher und stagnierender Lebenserwartung in Westeuropa vergrößert sich seit Mitte der 2000er-Jahre spürbar. Wissenschaftler des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des französischen Instituts für demografische Studien (INED) präsentierten die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature Communications“.
Vor der Jahrtausendwende war die Entwicklung positiv: Männer lebten im Durchschnitt rund 3,5 Monate länger pro Jahr, Frauen 2,5 Monate. Doch die Bremsen traten an. Von 2018 bis 2019 gab es nur noch etwa zwei zusätzliche Monate für Männer und einen für Frauen.
Fokus auf mittlere Lebensjahre
Besonders alarmierend ist die Entwicklung in Regionen mit ohnehin niedrigerer Lebenserwartung. „Ausschlaggebend ist hierbei die Entwicklung der Sterblichkeit bei den 55- bis 74-Jährigen“, erklärt Pavel Grigoriev vom BiB. Genau in dieser Altersgruppe, mitten im Berufsleben, stagnierte die Sterblichkeit oder stieg sogar wieder an.
Deutschland hinkt hinterher
Deutschland zeigt ein ähnliches Bild. Zwischen 1990 und 2005 glich sich die Lebenserwartung regional stark an. Seit 2005 verlangsamte sich der Fortschritt bundesweit. Ostdeutschland, aber auch Regionen im Norden und Westen verzeichneten ungünstige Entwicklungen, teils bedingt durch den Tabakkonsum, insbesondere bei Frauen. Sebastian Klüsener vom BiB stellte fest, dass keine deutsche Region unter den Top-Zehn-Prozent der westeuropäischen Regionen mit der höchsten Lebenserwartung rangiert.
(Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt)




